Auto-Cheflobbyist Wissmann: "Der Wettlauf um das Elektroauto ist ein Marathon"

Auto-Cheflobbyist Wissmann: "Der Wettlauf um das Elektroauto ist ein Marathon"

von Martin Seiwert

Auto-Cheflobbyist Matthias Wissmann über den Rückstand deutscher Hersteller beim Elektroauto, staatliche Zuschüsse von 2012 an und einen drohenden Subventionswettlauf in der EU.

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Matthias Wissmann: "Das Ziel heißt klar: Fahrzeuge mit Nullemission"

Herr Wissmann, Deutschland feiert das 125-jährige Jubiläum des Verbrennungsmotors. Wie lange gibt es diese Antriebstechnik noch?

Wissmann: Der Verbrennungsmotor hat weltweit eine grandiose Erfolgsgeschichte geschrieben, und ich bin mir sicher, dass er Zukunft hat. Denn er kann weiter optimiert werden: Allein in diesem Jahrzehnt wird er 25 Prozent sparsamer werden. Deshalb wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren noch ein Großteil der Autos mit Verbrennungsmotoren fahren.

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Der Elektroauto-Index Evi von WirtschaftsWoche und McKinsey zeigt, dass Deutschland den Anschluss verliert. Die USA und Frankreich behalten ihren Vorsprung, Japan hat Deutschland überholt, und China hat aufgeschlossen. Wird die deutsche Autoindustrie abgehängt?

Wissmann: Diese Ergebnisse auf Quartalsbasis würde ich nicht überbewerten. Das Ganze ist ein Marathonlauf und kein Kurzstreckensprint. Entscheidend ist nicht, wer am Anfang vorne liegt, sondern wer als Erster ins Ziel kommt. Die deutschen Automobilhersteller wollen nicht mit den ersten Elektroautos auf den Markt, sondern mit den besten.

Wann werden Elektroautos dominieren?

Wissmann: Die Frage, welcher Antrieb wann dominiert, hängt von den technischen Entwicklungssprüngen ab. Wer behauptet, er habe heute schon die Antwort darauf, ist wenig glaubwürdig. Wir sind gut beraten, wenn wir mit mehreren Technologien gleichzeitig, also dem optimierten Verbrennungsmotor, dem Elektroantrieb, der Brennstoffzelle und dem Hybridantrieb, in die Zukunft gehen. Das bringt uns am ehesten an den Punkt, den wir langfristig erreichen wollen.

Welcher Punkt soll das sein?

Wissmann: Das Ziel heißt: Fahrzeuge mit Nullemission, und zwar zu einem Preis, den sich der Verbraucher leisten kann.

Muss Deutschland die Batterien für den Antrieb der eigenen Elektroautos selbst fertigen oder reichen Partnerschaften mit den derzeit führenden Anbietern in Asien?

Wissmann: Die deutschen Hersteller haben Partnerschaften, und die sind auch sehr wichtig. Aber es führt kein Weg daran vorbei, dass wir alles versuchen sollten, um die Batterien und die einzelnen Zellen auch hier in Deutschland zu fertigen. Das ist ein strategischer Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb, auch im Interesse der Beschäftigung am Industriestandort Deutschland. Ich hoffe, dass die Nationale Plattform Elektromobilität, die die Bundesregierung gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft gegründet hat, Wege aufzeigt, wie das gelingen kann.

Diese Nationale Plattform wird von vielen Automanagern als Debattierklub abgetan. Während dort Schaufensterprojekte geplant werden, in denen deutsche Hersteller ihr Können zeigen sollen, starten andere Länder mit Elektroautos in Serie durch.

Wissmann: Ich bin davon überzeugt, dass sich die Anstrengung in der Nationalen Plattform lohnt. Aber klar ist auch: Die Ergebnisse müssen in diesem Frühjahr gebündelt werden, dann müssen Entscheidungen der Politik folgen. Allein die deutsche Automobilindustrie wird in den nächsten drei Jahren über zehn Milliarden Euro für die Entwicklung alternativer Antriebe in die Hand nehmen. Wir wissen genau, dass wir in einem knallharten weltweiten Wettbewerb stehen, und zwar nicht nur zwischen Unternehmen, sondern auch zwischen Staaten. Jetzt muss die Politik ihren Teil leisten und sich für bestmögliche Rahmenbedingungen bei Forschung, Pilotfertigung und Markteinführung entscheiden.

Welche Summe vom Staat fordern Sie?

Wissmann: Nach Aussage der Nationalen Plattform erfordert die Forschung beim Elektroauto einen Betrag von rund vier Milliarden Euro allein bis zum Jahr 2013. Einen großen Teil werden die Unternehmen aufbringen, einen Teil muss aber auch die öffentliche Hand übernehmen, wie dies zum Beispiel in den USA bei der Batterieentwicklung passiert. Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist ja, dass Deutschland mit seiner starken Automobilindustrie Leitmarkt für Elektromobilität wird. Das hängt entscheidend von den Rahmenbedingungen ab. Auf absehbare Zeit ist das Elektroauto noch deutlich teurer als ein vergleichbares Fahrzeug mit klassischem Antrieb. Ohne Anreize wird es am Anfang keine größeren Käuferschichten finden.

Welche Anreize schweben Ihnen vor?

Wissmann: Das können steuerliche Vergünstigungen oder Abschreibungsimpulse sein, etwa bei Firmenwagen, oder auch verkehrsrechtliche Maßnahmen wie die Nutzung von Busspuren für Elektroautos. Ohne ein solches Bündel von Impulsen, die allerdings mit zunehmender Verbreitung von Elektroautos zurückgefahren werden müssen, wird die Markteinführung nicht zügig genug gehen.

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