Auto-Klassiker-Treffen: „Wir leben nur für unseren Royce“

Auto-Klassiker-Treffen: „Wir leben nur für unseren Royce“

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Zwei Besucher des Klassikertreffens in Rüsselsheim betrachten einen Opel Kapitän aus den 1930er Jahren

„Miss Marple“ ist Baujahr 1971, ihr rotes Leder ist ein wenig abgewetzt, und hinter der Windschutzscheibe baumelt symbolisch ein Teebeutel. „Weil sie doch aus England kommt“, erklärt Besitzerin Andrea Pagaliarucci und schwärmt: „Sie ist meine große Liebe.“

Erst vor zwei Wochen kaufte sie den Morris Minor 1000 und taufte den Wagen mit seinen rundlichen Formen und der englischen Elfenbeinlackierung nach der hartnäckigen Detektivin in den Krimis von Agatha Christie. Zusammen mit den Automobilen anderer Liebhaber präsentierte sie ihren Wagen am Sonntag im Rüsselsheimer Stadtpark rund um die Opelvillen. Bei den Klassikertreffen waren 1600 Fahrzeuge ausgestellt ­ von der kleinen „Knutschkugel“ BMW Isetta bis zum mächtigen Rolls- Royce. „Es ist das größte eintägige Oldtimertreffen in Deutschland“, sagte Heinz Zettl vom Opel Classic Team.

Seinen Angaben zufolge besuchten rund 20.000 Menschen die Ausstellung unter freiem Himmel. Neben Privatpersonen und Oldtimerclubs zeigte auch Opel Autos aus 110 Jahren Werksgeschichte. Eine besondere Attraktion war die erstmals ausgestellte Rekonstruktion des Roadsters Opel Kadett „Strolch“: Dessen Prototyp von 1938 sei nie in Produktion gegangen, sondern ein Einzelstück geblieben, sagte Zettl. Der während des Krieges verschollene Zweisitzer sei mit Hilfe von vier Archivfotos von Restauratoren des Classic Teams nachgebaut worden. Einen alten Opel wollte auch Jens Wernicke schon immer haben: Mit seinem Opel GT in Le Mans Blau aus dem Jahr 1972 hat sich der Ingenieur diesen Kindheitstraum erfüllt. Bislang habe er nur einen Oldtimer.

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Drei alte Leichenwagen

„Ich kenne kaum einen Oldtimer-Fahrer, der nur einen Wagen hat“, sagt dagegen Tom Gelinski. Gleich, nachdem er den Führerschein gemacht hatte, habe er sich für einen 20 Jahre alten Rekord C entschieden: „Ich wollte keinen Frontantrieb fahren oder so einen Schrott.“ Heute besitzt er allein drei alte Leichenwagen, für die er eigens eine Scheune zum Unterstellen mietete. Das Faible für alte Autos teilen auch Lothar und Mechthild Köhler. Mit klingenden Gläsern stoßen sie auf ihren Rolls-Royce Silver Cloud III an, obwohl sie schon oft mit Fehlzündungen, Lenkfehlern oder mangelhaften Bremsen kämpfen mussten. „Meine Frau ist schon unter das Armaturenbrett gerutscht vor Todesangst“, erzählt Lothar Köhler.

Doch zurzeit genießen sie mit dem Wagen Baujahr 1964 den Sommer. „Wir haben nur gespart“, erzählt seine Frau. „Wir leben nur für unseren Royce.“ Für eine besondere Rarität ist den Fans kein Weg zu weit: Seinen 38er Ford Business Coupé holte Dieter Anthöfer persönlich in Kanada ab. „Hab ihn dann peu à peu aufgebaut.“ Zum letzten Finish ­ dem „Pin Stripping“ ­ flog ein Experte aus den USA ein: In Handarbeit malte er die bunten Linien auf Kühlerhaube und Heck. Heute ist an dem Wagen nur noch die Karosserie unverändert. Die investierten Arbeitsstunden könne er gar nicht zählen. „Die werden nie fertig“, winkt Anthöfer ab, „es ist ja nie perfekt“.

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