BMW : "Wir wollen ganz vorne mitspielen und andere ärgern"

BMW : "Wir wollen ganz vorne mitspielen und andere ärgern"

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Der Vorstandsvorsitzende der BMW AG, Harald Krüger.

von Annina Reimann

BMW-Chef Harald Krüger zeigt sich bei einem Auftritt in München angriffslustig. Er will 2017 100.000 Elektroautos verkaufen - so viele, wie in den vergangenen drei Jahren. Was er sonst noch vorhat.

BMW-Chef Krüger hat es nicht leicht gehabt in den letzten Wochen - Medien mutmaßten, dass er mit BMW den Anschluss verliert, gar die Zukunft verpennt. Jetzt meldete sich Krüger zu Wort und präsentierte in München seine Pläne.

2017 soll BMW demnach 100.000 Elektroautos verkaufen - so viele wie in den vergangenen drei Jahren. Das sei ein „anspruchsvolles Ziel", sagte Krüger. Schritt für Schritt überträgt BMW daher jetzt die Technologien von der BMW-Elektroserie BMW i auf alle Konzernmarken, Baureihen und Modelle. 2017 soll ein Plug-in-Hybrid des Mini Countryman kommen, 2018 der i8 Roadster. Für 2019 hat Krüger einen E-Mini angekündigt, 2020 kommt der rein elektrische X3 auf den Markt. „Wir investieren weiter in die Marke BMW i. Sie bleibt unsere Speerspitze für Innovationen“, sagte Krüger.

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Damit, dass er verstärkt auf Elektroautos setzt, ist Krüger nicht allein. Daimler und Volkswagen haben bereits große Offensiven verkündet. Bei VW aber geht der Konzern-Umbau mit dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen einher – zu viele arbeiten im Bereich der Verbrennungsmotoren. Und Elektroautos sind weniger komplex, viele Teile wie der Auspuff fallen dort weg. Ob BMW ohne den Abbau von Mitarbeitern auskommt, ließ Krüger allerdings offen. Er betonte aber, dass sich BMW „in einer anderen Situation“ befinde als viele Wettbewerber. So habe BMW „schon lange keine eigene Getriebefertigung mehr“. Getriebe sind ein wichtiges Bauteil im Verbrennungsmotor – im Elektrofahrzeug gibt es sie nicht mehr.

BMW, sagte Krüger sichtlich stolz, fertige mit Ausnahme von Batteriezellen alles rund um den E-Motor selber. In Zukunft, sagen jedoch viele Fachleute, hängt ein großer Teil der Wertschöpfung auch an den Zellen. Zellfabriken sind jedoch kostspielig, anfangs verbrennt man Milliarden mit ihnen. Für Krüger ist es deshalb auch noch offen, ob BMW hier „in Eigenleistung“ geht. So oder so: „Wir wollen ganz vorne mitspielen und andere ärgern", kündigte Krüger an.

Dabei ist für ihn auch das Thema Brennstoffzelle noch nicht vom Tisch. BMW arbeitet zusammen mit Toyota weiter an der Zukunftstechnologie. Die Brennstoffzelle sei „Teil unserer Technologieführerschaft“, so Krüger. Wann er die ersten Autos erwartet, ließ er offen. Er rechnet allerdings mit einem „größeren Aufschlag“ im Markt zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020.

Meilensteine der BMW-Geschichte

  • 7. März 1916

    Gründung der Bayerischen Flugzeugwerke in München

  • 1922

    Umbenennung in Bayerische Motorenwerke (BMW)

  • 1923

    Bau des ersten Motorrads, der R32

  • 1928/1929

    Übernahme der Fahrzeugwerke in Eisenach und Bau des ersten BMW-Autos Dixi, mit Lizenz des englischen Autobauers Austin

  • 1932

    BMW entwickelt den 303 – mit der seither charakteristischen Niere als Kühlergrill.

  • 1944

    BMW baut Motoren für die Luftwaffe und beschäftigt rund 25.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Nach Kriegsende verliert das Unternehmen das Werk Eisenach.

  • 1952

    Erstes Nachkriegsauto ist 1952 der große „Barockengel“ 501, 1955 folgt die winzige Isetta.

  • 1959

    BMW steckt tief in den roten Zahlen, die 6500 Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze, Daimler will BMW übernehmen. Überraschend steigt der Batteriefabrikant Herbert Quandt als Sanierer ein.

  • 1961

    Das Mittelklasse-Auto BMW 1500 bringt den Durchbruch.

  • 1970

    Eberhard von Kuenheim wird Vorstandschef. In seiner 23-jährigen Amtszeit expandiert BMW weltweit.

  • 1975

    Start der 3er-Reihe – bis heute das meistverkaufte BMW-Modell

  • 1994

    Das US-Werk Spartanburg wird eröffnet, zudem wird der englische Autohersteller Rover (Land-Rover, MG, Mini) gekauft.

  • 2000

    Nach Milliardenverlusten mit Rover zieht BMW die Reißleine, nur der Mini bleibt im Konzern. Joachim Milberg löst als Vorstandschef Bernd Pischetsrieder ab.

  • 2003

    BMW startet das erste Joint Venture in China

  • 2005

    BMW verkauft mehr Autos als der bisherige Marktführer Mercedes – auch dank des 2003 erstmals eingeführten Kompaktmodells der 1er Baureihe.

  • 2013

    Im BMW-Werk Leipzig läuft das Elektroauto i3 vom Band – mit einer modernen Kohlefaser-Karosserie.

Auf Verbrenner verzichten kann BMW dabei allerdings noch lange nicht: BMW, sagte Krüger, werde die Klimaziele 2020 nur mit einem Mix aus effizienten Verbrennungsmotoren, Hybrid- und Elektrofahrzeugen erreichen. Und egal, was passiert, für Krüger steht fest: BMW soll mindestens zehn Prozent Marge vor Steuern (EBT) erzielen.

Auf dem Weg in die Zukunft ist noch viel zu tun.

BMWs neue Strategie Wohin geht die Reise für BMW?

2015 war ein Jahr der Rekorde für BMW, auch 2016 läuft gut an. Viel entscheidender für den Konzern ist aber die neue Strategie, die BMW-Chef Krüger am Mittwoch vorstellen wird. Eine Übersicht der wichtigsten Aufgaben.

BMW-Chef Harald Krüger neben der Studie Vision Next 100. Quelle: Presse
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