100 Prozent Grupp: Ich glaube Martin Winterkorn nicht

kolumne100 Prozent Grupp: Ich glaube Martin Winterkorn nicht

Kolumne von Wolfgang Grupp

Der Abgasskandal bei VW ist mal wieder die Folge von Gier und Größenwahn. Es ist zu bezweifeln, dass der Vorstand darüber angeblich nicht informiert war.

Noch ist nicht absehbar, welche Folgen die Betrugssoftware für VW hat, die von dem Konzern auf Diesel-Fahrzeuge gespielt wurde, um den Ausstoß gesundheitsschädlicher Stickoxide nach unten zu manipulieren. Erst trat Vorstandschef Martin Winterkorn zurück, kurz darauf verloren weitere VW-Topmanager ihren Posten.

„Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärte Winterkorn.  Er räume seinen Posten „im Interesse des Unternehmens“, obwohl er sich „keines Fehlverhaltens bewusst“ sei.  

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Über den spontan anmutenden Rücktritt bin ich sehr überrascht, vor allem darüber, dass Herr Winterkorn den Anschein verbreitet, von allem nichts gewusst zu haben. Wenn das so war, finde ich den Rücktritt nicht notwendig. Winterkorn hat in den vergangenen Jahren viel für VW geleistet und große Erfolge erzielt. Wenn er von einem Mitarbeiter oder anderen Managern hinters Licht geführt wurde, muss er nicht zurücktreten.

Ich kann mir deshalb nicht vorstellen, dass Herr Winterkorn  tatsächlich nichts  gewusst hat. Denn er war es, der seit längerem das Ziel vorgegeben hat, Volkswagen solle der größte Autokonzern der Welt werden. Wer diese Vorgaben macht, öffnet nicht selten alle Schranken, um dieses Ziel zu erreichen. Dann ist es nicht mehr weit, bis gesetzliche Barrieren übersprungen werden. Zudem  ist es für mich ausgeschlossen, dass bei einer Größenordnung von elf Millionen PKW, die mit der betrügerischen Software infiziert sein sollen, der Vorstandschef davon nichts gewusst haben soll.

PremiumDossier zum Download Das Ende des Größenwahns bei VW

Auf das Dieselgate folgt der Winterkorn-Rücktritt: Wie das System Volkswagen über Jahre funktionierte, welche Rolle die USA spielen und wie Deutschlands größter Autobauer sich neu erfinden muss.

Dossier VW: Das Ende des Größenwahns

Eine solche Größenordnung kann nur von oben angeordnet werden oder die Top-Etage hat keine Ahnung vom Unternehmen. Der Druck von ganz oben, das Ziel „der Größte der Welt“ zu werden, war so groß, dass letztendlich alle Mittel recht sind um das Ziel zu erreichen. Somit hat Herr Winterkorn mit seinen Vorgaben auch die Verantwortung für die Folgen.

Wenn ich meine Mitarbeiter zu übertriebenen Umsatzzielen drängen würde, dürfte ich mich nicht wundern, wenn sie irgendwann einmal fingierte Umsätze schreiben. Das wäre dann klar die Folge meines Verhaltens an der Unternehmensspitze.

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Unterm Strich bleibt, dass Gier und Größenwahn, wie so oft, ausschlaggebend waren, dass bei VW so etwas passiert ist. Die Milliardenschäden tragen nicht nur Aktionäre, die innerhalb einer Woche knapp ein Viertel ihres Vermögens verloren. Warten wir ab, ob VW dadurch vielleicht auch weniger Autos absetzt und dann Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Das einzige Gegenmittel gegen solche Machenschaften wäre die persönliche Haftung der Einzelnen: desjenigen, der die Betrugssoftware programmiert, der sie in Auftrag gegeben hat, der die Idee dazu hatte und der seine Mitarbeiter dazu angewiesen hat. Wenn jeder von ihnen fürchten müsste, dadurch sein Häuschen, seine Villa oder seine Jacht zu verlieren, dann würde er sich so etwas  sicher tausend mal überlegen.

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