A.T.U: Nach der Rettung kommen die Einschnitte

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A.T.U: Nach der Rettung kommen die Einschnitte

von Mark Fehr

Gerade erst ist die Autowerkstattkette knapp der drohenden Pleite entronnen. Jetzt wollen die neuen Besitzer das Unternehmen umbauen – mit schmerzhaften Schritten.

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Die A.T.U-Belegschaft wird sich auf schmerzhafte Umstrukturierungen einstellen müssen.

Bei den angeheuerten Anwälten und Steuerberatern knallten im Januar die Sektkorken als Eigentümer und Gläubiger von A.T.U den Schuldenschnitt von rund 600 Millionen Euro besiegelten. Die von einem Heer an Top-Juristen ausgetüftelte Aktion rettet die Autowerkstätten zwar vor dem finanziellen Ausbluten. Bei Mitarbeitern und Anlegern des Unternehmens kommt dagegen keine richtige Freude über den Coup der Finanzinvestoren Centerbridge Partners und Goldman Sachs auf. Letztere lösen die Private-Equity-Firma KKR als Eigentümer ab, weil ihre Anleihen in Unternehmensanteile gewandelt werden. Dabei fallen die Kollateralschäden bei Privatanlegern beträchtlich aus. Und die A.T.U-Belegschaft in den 647 Filialen muss sich auf schmerzhafte Umstrukturierungen einstellen.

Zeichner der nachrangigen A.T.U-Anleihe im Nennwert von insgesamt 150 Millionen Euro gehen leer aus, sehen also ihr eingesetztes Kapital nicht wieder. Dabei sind die bislang kassierten Zinsen nur ein schwacher Trost. Warum der Zahlungsausfall kein Insolvenzverfahren zur Konsequenz hat, verstehen nur hochspezialisierte Juristen. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kritisiert, dass selbst der ansonsten durch den Schuldenschnitt stark gebeutelte Alteigentümer KKR zumindest einen kleinen Anteil an A.T.U behalten soll. Damit käme der Finanzinvestor besser weg als die nachrangigen Anleihegläubiger, obwohl er als Eigentümer bei der Haftung für Verluste eigentlich als erster dran sein müsste.

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Die Argumente der Anleger mögen zutreffen, trotzdem werden sie es schwer haben, sich juristisch zur Wehr zu setzen. A.T.U sitzt in Deutschland, für die Anleihen gilt aber amerikanisches Recht, in dem sich die US-Finanzinvestoren heimisch fühlen. Die Anlegerschützer der SdK sind noch dabei, an der Wall Street renommierte Anwälte aufzutreiben, die den Fall vor einem New Yorker Gericht vertreten könnten. Das ist nicht ganz einfach, denn zahlreiche juristische Topadressen sind schon von den A.T.U-Eigentümern beauftragt gewesen, um beim Schuldenschnitt zu beraten. Sie könnten daher voreingenommen sein, sodass sie für ein Mandat im Namen der rund 200 betroffenen Anleger nicht in Frage kommen.

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