Abgas-Skandal: Volkswagen quält sich mit der Transparenzfrage

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Abgas-Skandal: Volkswagen quält sich mit der Transparenzfrage

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Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil im Jahr 2013: Gibt es heute auch eine Erklärung oder nur einen Fototermin?

Wer einmal lügt, dem glaubt man bekanntlich nicht mehr. In der Abgas-Affäre bei VW lautet das Gebot der Stunde daher mehr denn je: Vertrauen muss zurückkehren. Nur beim Wie gibt es handfesten Ärger.

Zuletzt drang die ungeschminkte Wahrheit aus dem krisengeschüttelten VW-Konzern per Mitarbeiterzeitung an die Öffentlichkeit. „Wir haben das wichtigste Teil unserer Autos kaputt gemacht: Ihr Vertrauen“, steht dort als Anzeige in eigener Sache. So deutlich ist der Konzern selten. Im Gegenteil: Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur wächst die Verstimmung unter den wichtigsten Akteuren der Krise. Ein gemeinsamer Kurs in Sachen Transparenz oder eine gemeinsame Vorstellung zur Öffentlichkeitsarbeit? Fehlanzeige.

Jüngster Höhepunkt der Reibereien: Am heutigen Mittwoch besucht Stephan Weil (SPD) als Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat das Stammwerk des Autobauers in Wolfsburg. Das Land ist nach dem Familienclan der Porsche/Piëchs größter VW-Eigner. Weil will mit dem neuen VW-Chef Matthias Müller und Betriebsrats-Boss Bernd Osterloh die Mitarbeiter der Golf-Fertigung besuchen „und sich vor Ort über aktuelle Entwicklungen des Standortes informieren“, wie es der Konzern per Einladung beschreibt. Medienvertreter sind im Anschluss zum „Film- und Fototermin“ gebeten. Fragen? Sind nicht vorgesehen.

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VW-Abgas-Skandal Betriebsratschef: Noch keine Auswirkungen auf Verkäufe

Rund einen Monat nach dem Aufkommen des Abgas-Skandals bei VW spürt der Autobauer noch keine Auswirkungen beim Absatz. Laut den obersten Arbeitnehmervertretern im Konzern ist das aber noch kein Grund zur Entwarnung.

VW-Autos Quelle: dpa

Das liest sich in der Einladung der Staatskanzlei anders, dort ist fett markiert von „Statements und Fotos“ nach dem Rundgang die Rede. Nach dpa-Informationen herrschte bei der Frage, ob sich Müller als einer der wichtigsten Akteure der Krise nur fotografieren und filmen lässt oder ob er den Journalisten auch Rede und Antwort steht, lange Uneinigkeit zwischen den Stäben des Gastes – Stephan Weil – und den Hausherren. Nach dem Wunsch der Staatskanzlei hätte am liebsten auch der neue Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch dabei sein sollen.

Gibt es ein Statement oder nicht?

Auf Anfrage bestätigen Staatskanzlei und Betriebsrat, dass Weil und Osterloh bei dem Termin für Fragen bereitstehen. Ein Konzernsprecher meinte dagegen, dies sei nicht Teil der Planungen und damit auch für Müller nicht verbindlich.

Die Medienstrategie ist kein Nebenkriegsschauplatz in der Affäre, die alleine in Deutschland 2,4 Millionen Autofahrer mit ihren Dieseln zum Rückruf in die Werkstätten zwingt. Sogar 8,5 Millionen sind es europaweit. Der VW-Konzern ist Europas größter privater Arbeitgeber und, natürlich, auch mit Abstand der größte europäische Autobauer.

In der Anzeige der Mitarbeiterzeitung sagt der Konzern schonungslos: „Jedes Mal, wenn Sie eines unserer Fahrzeuge gekauft haben, haben Sie an uns geglaubt. Und trotzdem haben wir Sie nun enttäuscht.“

Was bei der Rückruf-Aktion auf VW-Besitzer zukommen könnte

  • Wann beginnt die Rückrufaktion?

    Das Kraftfahrtbundesamt hat angeordnet 2,4 Millionen VW-Diesel-Fahrzeuge in die Werkstätten zurückzurufen. Laut Plan sollen im Januar 2016 die ersten Autos in die Werkstätten. Bis zum Ende des kommenden Jahres könnten dann alle betroffenen Autos überholt sein. In einem Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte VW-Chef Matthias Müller aber zuvor auch nicht ausgeschlossen, manche Autos komplett auszutauschen, anstatt sie umzurüsten: „Das muss man im Einzelfall prüfen.“

  • Was will VW an den Motoren ändern?

    Es geht bei den Nachbesserungen nicht nur um die Manipulations-Software. Für die meisten Motoren genüge es zwar, wenn ein neues Programm aufgespielt werde, sagte Müller. Manche Autos könnten aber auch neue Einspritzdüsen und Katalysatoren bekommen. Die Umrüstung ist auch deshalb kompliziert, weil der betroffene Motortyp EA 189 in zahlreichen Kombinationen und Ländervarianten verbaut ist. Motorenexperte Prof. Jörn Getzlaff von der Hochschule Zwickau hält es aber für möglich, dass Volkswagen keine komplett neue Technik entwickeln muss: „Es kann durchaus sein, dass VW auf eine Lösung zurückgreift, die der Konzern schon heute in seine neue Motorengeneration einbaut.“ Diese neuen Aggregate erfüllen die strengeren Umweltauflagen der Euro-6-Norm.

  • Werden die Autos sauberer, aber dafür langsamer?

    Das ist möglich. Durch die Umrüstung könnten sich die Leistung und der Spritverbrauch ändern, sagt Getzlaff. Es müsse aber nicht unbedingt so sein, dass das Auto dann langsamer wird und mehr verbraucht. VW-Chef Müller sagte, es sei wichtiger, „das CO2-Ziel zu halten und dafür vielleicht auf 3 bis 5 km/h Höchstgeschwindigkeit zu verzichten“.

  • Muss VW trotz Umrüstung Schadenersatz an Autobesitzer zahlen?

    Autokäufer müssten sich vermutlich zunächst mit dem Verkäufer des Autos streiten - in den meisten Fällen also mit dem Händler, nicht mit dem VW-Konzern, erklärt Thomas Rüfner, Rechtsprofessor an der Universität Trier. Es sei möglich, dass der Händler Autos zurücknehmen müsse. Dafür müssten aber einige Voraussetzungen erfüllt sein: erhebliche Mängel, also dass das Auto nach der Umrüstung zum Beispiel deutlich langsamer fährt oder viel mehr Sprit verbraucht. Der Kauf darf auch nicht länger als zwei Jahre zurückliegen. „Der Autokäufer würde vermutlich den kompletten Kaufpreis zurückbekommen, müsste aber wohl nachträglich für die Nutzung des Autos zahlen“, sagt Rüfner. Wenn sich die Fahreigenschaften des Autos nur in geringem Maße ändern, könne aber der Kaufpreis gemindert werden.

  • Können auch Besitzer älterer VW-Dieselautos Geld zurückbekommen?

    Eine VW-Kundin, die ihr Auto im Jahr 2010 gekauft hat, versucht das bereits. Sie hat eine Klage direkt gegen den VW-Konzern eingereicht, unter anderem wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung. Die Frau sehe sich in ihrer Erwartung enttäuscht, ökologisch unterwegs zu sein, teilte ihr Anwalt mit. Ein VW-Sprecher wollte sich zu der Klage zunächst nicht äußern, der Vorgang sei ihm nicht bekannt.

  • Bekommen die Kunden einen Leihwagen, während ihr Auto überholt wird?

    Dazu hat sich VW bislang nicht geäußert. Autohersteller sind dazu jedenfalls nicht gesetzlich verpflichtet, sagt Gabriele Emmrich von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Andere Autohersteller wie Toyota hatten einen solchen Service bei Rückrufen in der Vergangenheit schon angeboten, allerdings ging es da um weniger Autos als bei Volkswagen. Emmrich zufolge stellen Händler und Hersteller nur in Ausnahmefällen ein Leihauto zur Verfügung.

Nun kommt es darauf an, wie die Akteure mit der Situation umgehen. Branchenexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach gibt zu bedenken, dass nicht die millionenfachen Rückrufe an sich das Problem seien, sondern vor allem ihr Handling. „Der Kunde vergisst schnell, wenn vernünftig aufgearbeitet worden ist“, sagt Bratzel. Wenn es gut laufe, liege in der Krise im Idealfall sogar eine Chance, die Kundenbindung zu verstärken.

Doch aus den Kreisen des Aufsichtsrates mehren sich seit der Wahl von Pötsch an die Spitze des Gremiums am 7. Oktober die Stimmen, dass das Kontrollgremium mit dem Interimsvorsitzenden Berthold Huber ein wenig den Anschluss an das Krisen-Management im Konzern verloren hat. „Die Stimmung ist getrübt“, sagt ein Insider. So habe etwa in der vergangenen Woche die Mitteilung des Konzerns, bei der Pkw-Kernmarke künftig pro Jahr eine Milliarde Euro einsparen zu wollen, für Unruhe und Ärger gesorgt, da diese zuvor nicht mit allen Mitgliedern des sechsköpfigen VW-Präsidiums abgestimmt war. „Viele wurden von den Presseberichten überrascht und dies nicht positiv“, heißt es. Das Präsidium ist die Spitze der VW-Kontrolleure, das Zentrum der Macht.

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