Abgas-Skandal : VW kürzt Investitionen deutlich

ThemaVolkswagen

Abgas-Skandal : VW kürzt Investitionen deutlich

, aktualisiert 20. November 2015, 13:59 Uhr
Bild vergrößern

VW-Chef Müller hat nun bekannt gegeben, dass der Konzern seine Investitionen kürzt.

Der Abgas-Skandal zwingt Volkswagen zum Sparen. Der Autokonzern muss seine Investitionen deutlich kappen. "Was nicht zwingend notwendig ist, wird gestrichen oder geschoben", erklärt Konzern-Chef Müller.

Angesichts der immensen Kosten für den Abgasskandal kürzt Volkswagen die Investitionen. VW werde für das Jahr 2016 die Sachinvestitionen auf maximal zwölf Milliarden reduzieren. Das sei eine Milliarde Euro weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, sagte VW-Chef Matthias Müller nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg.

Eigentlich hätte in den kommenden Jahren sogar deutlich mehr ausgegeben werden sollen. Der Aufsichtsrat hatte beschlossen, in den Jahren 2015 bis 2019 insgesamt 85,6 Milliarden Euro zu investieren - also gut 17 Milliarden pro Jahr. Dabei beliefen sich die Sachinvestitionen auf 64,3 Milliarden Euro - also knapp 13 Milliarden jährlich. Welche Summen in den Folgejahren investiert werden, ist noch unklar.

Anzeige

Die noch immer nicht absehbaren Auswirkungen des Abgas-Skandals zwingen VW zum Priorisieren. Müller: "Was nicht zwingend notwendig ist, wird wie angekündigt gestrichen oder geschoben."

VW-Abgas-Skandal Bosch rückt ins Visier der US-Ermittler

Im Abgas-Skandal bei VW nehmen die US-Ermittler nun auch den Zulieferer Bosch ins Visier. Bislang gibt es keine Beweise für ein Fehlverhalten, doch soll geprüft werden, ob Bosch von den Schummeleien wusste.

Das Zentralgebäude des Zentralbereichs Forschung und Vorausentwicklung der Robert Bosch GmbH, aufgenommen am 30.09.2015 in Renningen (Baden-Württemberg. Der Technologiekonzern Bosch eröffnet am 14.10.2015 ein neues, 300 Millionen Euro teures Forschungszentrum. Foto: Marijan Murat/dpa (zu lsw Meldung: «Bosch eröffnet Forschungszentrum für 1700 Tüftler - Merkel als Gast» vom 11.10.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Um zu sparen, wird zum Beispiel das geplante neue Designzentrum in Wolfsburg zunächst nicht gebaut. Außerdem soll der Bau einer Lackiererei in Mexiko überprüft werden. Der Nachfolger des Phaeton wird verschoben, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Weitere Ausgaben und Investitionen stehen auf dem Prüfstand.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Der Volkswagen-Chef sieht trotz der gekürzten Investitionen nach wie vor keine akute Gefahr für die Jobs der Kernbelegschaft. "Gemeinsam mit den Arbeitnehmer-Vertretern werden wir weiterhin alles dafür tun, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten", sagte der Manager. VW werde nicht auf Kosten der Zukunft sparen, sondern sich auf die Technologien der Zukunft konzentrieren. Der Autokonzern hatte bereits angekündigt, die Elektromobilität und die Digitalisierung vorantreiben zu wollen.

Milliardenschaden

VW ist in einer schweren Krise, seitdem der Konzern Mitte September zugegeben hatte, mit Hilfe einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Dabei ging es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Außerdem hat VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Analysten schätzen den möglichen Schaden für den Konzern auf 20 bis 40 Milliarden Euro, einige rechnen sogar mit noch mehr.

In einem ersten Schritt hatte VW 6,7 Milliarden Euro für technische Nachbesserungen der manipulierten Dieselautos zurückgelegt. Weitere Risiken durch die später hinzugekommenen falschen CO2-Werte wurden zunächst auf zwei Milliarden Euro veranschlagt.

Weitere Artikel

Der neue Konzernchef Müller hatte bereits kurz nach seiner Amtsübernahme angekündigt, wegen der Krise alle Investitionen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Noch vor einem Jahr hatte Volkswagen bis 2019 Ausgaben von 85,6 Milliarden Euro angepeilt. Das Geld sollte in neue Modelle, die Werke sowie umweltfreundliche Technologien fließen.

Die europäische Kommission räumt Volkswagen bei der Aufklärung der Abgas-Affäre mehr Zeit ein. Bis Ende Dezember müsse der Autobauer nun Informationen zu den Manipulationen darlegen, teilte die Kommission am Freitag mit. Volkswagen habe um die Verlängerung gebeten. Nach dem Bekanntwerden falscher CO2-Werte hatte die EU die Mitgliedsstaaten um Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gebeten. Bis Ende November sollten etwaige Informationen vorgelegt werden.
In den USA muss der Autobauer bis diesen Freitag einen Plan für technische Lösungen vorlegen, um den Abgasbetrug zu beenden. Am Firmensitz in Wolfsburg tagt zur Stunde der Aufsichtsrat.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%