Abgasskandal: Audis offene Abgasrechnung könnte Milliarden kosten

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Abgasskandal: Audis offene Abgasrechnung könnte Milliarden kosten

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Der 3,0-Liter-Diesel wurde unter anderem im Audi A6, A7 Sportback, A8 und Q7 eingebaut.

Bei den 2,0-Liter-Motoren hat sich VW in den USA mit den Behörden geeinigt. Nun geht es um die großen 3,0-Liter-Maschinen von Audi, Porsche und VW. Wie teuer wird die nächste Etappe zur Aufarbeitung des Abgas-Skandals?

Bislang blieb Audi im Abgas-Skandal relativ unauffällig im Schatten der Konzernmutter Volkswagen. Das ändert sich spätestens am Donnerstag: Im US-Verfahren um manipulierte Emissionswerte soll der deutsche Oberklasse-Autobauer dem zuständigen Gericht bei einer Anhörung (16:00 Uhr deutscher Zeit) konkrete Vorschläge zur Beseitigung einer illegalen Abgastechnik in Zehntausenden Dieselfahrzeugen unterbreiten. An dieser Aufgabe scheitern Audis Ingenieure bisher – eine Lösung könnte womöglich teuer werden.

Worum geht es?

In den USA, wo „Dieselgate“ im September 2015 ins Rollen kam, drehte sich die Affäre bislang vor allem um etwa 475.000 VW-Dieselwagen mit 2,0-Liter-Motoren. Um den Abgas-Rechtsstreit beizulegen, handelte VW mit US-Klägern den bis dato größten Vergleich der Automobilgeschichte aus: Bis zu 14,7 Milliarden Dollar sollen Kunden und US-Behörden erhalten, weitere 1,8 Milliarden Dollar nimmt der Konzern zur Entschädigung von Autohändlern und US-Bundesstaaten in die Hand.

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Doch eine Großbaustelle bleibt offen. Denn den Behörden zufolge haben auch rund 85.000 größere Dieselautos eine verbotene Abgastechnik an Bord. Hier stammen die 3,0-Liter-Motoren von der Konzerntochter Audi, die sich deshalb um die Schadensbegrenzung kümmern muss. Auch in diesem Fall läuft alles auf einen teuren Vergleich hinaus. Nach einer monatelangen Hängepartie stellte der zuständige US-Richter Charles Breyer ein Ultimatum – bei der heutigen Anhörung will er detaillierte Pläne sehen, wie die Fahrzeuge in einen legalen Zustand umgerüstet oder aus dem Verkehr gezogen werden können.

Milliarden-Vergleich im VW-Dieselskandal Die Einigung reicht nicht

Der Weg ist frei für den größten Vergleich der Autogeschichte: US-Richter Breyer hat seine finale Zustimmung zum Milliarden-Vergleich mit den US-Klägern gegeben. Ausgestanden ist der Skandal aber damit noch lange nicht.

ARCHIV - ILLUSTRATION - Das Licht einer Taschenlampe erhellt das Logo eines Dieselfahrzeuges vom Typ VW, fotografiert am 04.10.2015 in Frankfurt (Oder). Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa «VW-Dieselaffäre weitet sich aus - auch 3-Liter-Motoren im Visier» vom 02.11.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Warum braucht Audi so lange?

Die Vorwürfe gegen die Ingolstädter VW-Tochter waren erst später aufgekommen, deshalb hatte Breyer mehr Zeit für eine Einigung zugestanden. Zudem ist der Fall etwas anders gelagert – obgleich die US-Behörden sowohl VW als auch Audi den Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung („defeat device“) zum Austricksen von Emissionstests vorwerfen, sind die Programme nicht identisch. Audi wies die Anschuldigungen zunächst zurück und machte ein Versäumnis beim Zulassungsverfahren für den Konflikt verantwortlich. Betrugsabsichten streitet man ab.

Die Angelegenheit ist technisch hochkomplex – das zumindest betont VW-Anwalt Robert Giuffra immer wieder. Eine Umrüstung aller der Zehntausenden Dieselwagen scheint unmöglich, monatelanges Getüftel der Audi-Ingenieure war bisher vergeblich. Doch Breyers Geduld neigt sich dem Ende zu. Dass die Autos noch unterwegs seien, obwohl sie gegen US-Umweltrecht verstießen, bezeichnete der Richter bereits im August als „untragbar“. Bei Audi zeigte man sich zuletzt aber zuversichtlich, nun eine überzeugende Lösung liefern zu können.

Die Milliarden-Buße für VW im Überblick

  • Wozu genau wurde VW verdonnert?

    Der Konzern hat mit US-Klägern einen Vergleich ausgehandelt. Demnach muss VW die knapp 15 Milliarden Dollar für verschiedene Dinge ausgeben: für einen Umweltfonds und die Förderung von emissionsfreien Autos etwa. Der weitaus größte Teil wird aber an Kunden fließen, die in den USA einen manipulierten VW oder Audi besitzen.

  • Wie hoch ist die Entschädigung für US-Kunden?

    Die reine Entschädigung für Autobesitzer soll zwischen 5100 und knapp 10.000 Dollar pro Fahrzeug liegen. Das kommt darauf an, wie alt das Auto ist. Zusätzlich muss der Konzern den Kunden anbieten, ihre Autos zurückzukaufen. Die Diesel-Besitzer sollen dabei so viel Geld bekommen, wie ihr Auto vor Bekanntwerden der Manipulationen wert war.

  • Wird es in den USA keinen Rückruf geben wie in Deutschland?

    Jein. Generell haben US-Kunden eine Wahlmöglichkeit: Entweder Rückruf mit einer Nachbesserung oder Rückkauf, also Rückgabe. Diese Varianten stehen in Deutschland und Europa nicht zur Auswahl. Dafür hat der Rückruf hierzulande schon begonnen und in den nächsten Wochen soll er weiter Fahrt aufnehmen, so dass zum Jahresende alle 2,5 Millionen Diesel in Deutschland nachgebessert sein könnten. In den USA hat VW bis Mai 2018 Zeit, um sich technische Nachbesserungslösungen von den Behörden absegnen zu lassen. Das gilt dort als deutlich kniffliger.

  • Was bedeutet eine Entscheidung in den USA für deutsche Kunden?

    Wahrscheinlich nicht viel. Volkswagen hat wiederholt betont, dass eine Entschädigung wie in den USA in Europa und damit auch in Deutschland nicht infrage komme. Vorstandschef Matthias Müller selbst hat das mehrfach ausgeschlossen. Verbraucherschützer kritisieren, dass Kunden in den USA mehr bekommen sollen. Einige Anwaltskanzleien haben sich zum Ziel gesetzt, auch für betroffene Autobesitzer in Europa Schadenersatz zu erstreiten. Die Erfolgsaussichten sind aber aufgrund der unterschiedlichen Rechtssysteme ungewiss.

  • Ist die Abgas-Affäre für VW nach einer US-Lösung ausgestanden?

    Nein. Zum einen müssen sich nicht alle Kläger in den USA einem Vergleichsvorschlag anschließen und können individuell weiter klagen. Auch von drei US-Bundesstaaten sind inzwischen Klagen eingegangen. Zum anderen muss VW auch außerhalb der USA viele Verfahren bewältigen. In Deutschland fordern ebenfalls Kunden Entschädigungen oder Rückkäufe. Gerichte haben hier in ersten Instanzen unterschiedlich geurteilt. Zudem fühlen sich zahlreiche VW-Aktionäre von dem Konzern zu spät über die Manipulationen informiert. Sie wollen sich Kursverluste erstatten lassen.

Was für ein Szenario droht Audi?

Mittlerweile geht es bei den Verhandlungen vor allem um die Frage, wie viele der größeren Fahrzeuge mit 3,0-Liter-Motoren – teure Dickschiffe wie Porsche Cayenne und VW Touareg, vor allem aber etliche Audi-Luxusmodelle – zurückgekauft werden müssen. „Man muss sich auf eine Größenordnung von zwei bis vier Milliarden Dollar einstellen“, schätzt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Er orientiert sich bei seiner Rechnung am bereits geschlossenen Vergleich für die kleineren VW-Fahrzeuge.

Welche Modelle unter den Diesel-Vergleich fallen

  • VW Beetle

    Baujahre 2013-2015

  • VW Golf

    Baujahre 2010-2015

  • VW Jetta

    Baujahre 2009-2015

  • VW Passat

    Baujahre 2012-2015

  • Audi A3

    Baujahre 2010-2013 und 2015

Audis Rückstellungen sind bislang deutlich geringer. Doch letztlich würden die Kosten ohnehin bei der Volkswagen AG auflaufen und deren Aktionären zur Last fallen. Sollte eine Einigung mit den US-Behörden ausbleiben, könnte Breyers Gericht einen Prozess gegen den deutschen Autobauer eröffnen. Dass sich der VW-Konzern doch noch auf der Anklagebank wiederfindet, gilt zwar als sehr unwahrscheinlich. Doch als Drohkulisse schwingt dieses Szenario weiter im Hintergrund mit, das machte Klägeranwältin Elizabeth Cabraser bereits deutlich.



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