Abgasskandal: Datendiebstahl rückt Bosch ins Zentrum der Ermittlungen

exklusivAbgasskandal: Datendiebstahl rückt Bosch ins Zentrum der Ermittlungen

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Bosch-Logo.

von Martin Seiwert

Bosch rückt als Lieferant der Motorsteuerung für die VW-Schummelmotoren stärker in den Fokus der Ermittler. Ein gigantischer Datendiebstahl könnte die wahren Hintergründe der Dieselgate-Manipulationen enthüllen.

Der Traditionskonzern Bosch droht ins Zentrum des Abgasskandals zu geraten. Die WirtschaftsWoche berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe (Freitag; Digitalausgabe ab Donnerstag, 20 Uhr) von der Auswertung umfangreicher Dateien, die in die Hände der Staatsanwaltschaft Stuttgart gelangt sind. Sie enthalten Details über die Rolle von Bosch bei der Manipulation von Abgaswerten.

Ein ehemaliger Mitarbeiter hatte zwischen 2009 und 2011 große Mengen von Daten zur Motorsteuerung kopiert und anschließend versucht, sie an Autotuner zu verkaufen. Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen den Mann war die Staatsanwaltschaft Stuttgart 2011 in den Besitz der Daten gekommen. Sie fließen nun in das Ermittlungsverfahren ein, das die Staatsanwaltschaft Ende 2015 gegen Bosch eingeleitet hat. „Wir prüfen, inwieweit die damals gesicherten Beweismittel für unser bereits laufendes Ermittlungsverfahren gegen Bosch relevant sind“, bestätigte die Staatsanwaltschaft.

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Nach Informationen der WirtschaftsWoche stammen die Daten aus einer Bosch-Abteilung in Feuerbach bei Stuttgart. Sie sollen unter anderem streng geheime Motorsteuerprogramme, Emissionsmessdaten von Motoren und die E-Mail-Kommunikation ganzer Abteilungen umfassen. Wie mehrere Insider der WirtschaftsWoche erklärten, hatte die Abteilung auch die Aufgabe, zusammen mit Technikern von VW jene Software zu entwickeln, die den Betrug bei Volkswagen ermöglichte.

Die weltweit größten Autozulieferer

  • Platz 10

    Faurecia (Frankreich)

    Umsatz 2016: 18,711 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 18,770 Milliarden Euro
    Veränderung: -0,3 Prozent
    Hauptprodukte: Sitze und Innenausstattung

    Quelle: Berylls Strategy Advisors

  • Platz 9

    Michelin (Frankreich)

    Umsatz 2016: 20,907 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 21,199 Milliarden Euro
    Veränderung: -1,4 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 8

    Bridgestone-Firestone (Japan)

    Umsatz 2016: 22,485 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 24,094 Milliarden Euro
    Veränderung: -6,7 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 7

    Aisin (Japan)

    Umsatz 2016: 27,977 Milliarden Euro

    Umsatz 2015: 24,133 Milliarden Euro
    Veränderung: +15,9 Prozent
    Hauptprodukte: Getriebe, Bremssysteme, Karosserie- und Motorenteile

  • Platz 6

    Hyundai Mobis (Südkorea)

    Umsatz 2016: 30,227 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 28,096 Milliarden Euro
    Veränderung: +7,6 Prozent
    Hauptprodukte: Cockpit-, Frontend- und Chassismodule

  • Platz 5

    ZF Friedrichshafen (Deutschland)

    Umsatz 2016: 32,353 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 27,113 Milliarden Euro
    Veränderung: +19,3 Prozent
    Hauptprodukte: Fahrwerks- und Antriebssysteme, Elektronik/Software

  • Platz 4

    Magna (Kanada)

    Umsatz 2016: 34,587 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 29,408 Milliarden Euro
    Veränderung: +17,6 Prozent
    Hauptprodukte: Karosserie & Fahrwerksysteme, Exterieur-Ausstattungen

  • Platz 3

    Denso (Japan)

    Umsatz 2016: 36,301 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 34,299 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,8 Prozent
    Hauptprodukte: Klimasysteme, Motorsteuerung, Human-Machine-Interface

  • Platz 2

    Continental (Deutschland)

    Umsatz 2016: 40,550 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 39,232 Milliarden Euro
    Veränderung: +3,4 Prozent
    Hauptprodukte: Brems-, Fahrwerk- und Sicherheitssysteme, Reifen

  • Platz 1

    Bosch (Deutschland)

    Umsatz 2016: 43.936 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 41,657 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,5 Prozent
    Hauptprodukte: Antriebs-, Sicherheits- und Komfortsysteme

„In der Abteilung, aus der die Daten stammen, wusste man seit 2005, dass es um Betrugssoftware geht“, sagt ein Insider: „In den Daten steht drin, welche Betrügereien wann und von wem ab 2005 programmiert wurden und wer davon wusste.“ Vor allem aber könnten die Daten eine ganz neue Dimension des Abgasskandals enthüllen. So gehe es nicht nur um die bereits bekannte Manipulation der Stickoxidemissionen von Dieselfahrzeugen. „Es geht auch um andere Schadstoffe wie etwa Rußpartikel, und es geht um Benzinmotoren“, so der Insider zur WirtschaftsWoche.

Die entwendeten Daten haben nach Informationen der WirtschaftsWoche einen Umfang von 1,3 Terabyte, was der Datenmenge von rund 1800 CD-ROM entspricht. Die 16 716 Datensätze enthalten Vorserien- und Serienversionen von Diesel- und Benzinmotorensteuerungen, die bei Bosch der Geheimhaltung unterlagen. Enthalten sind Informationen zu etlichen Volkswagenmodellen wie Passat, Golf oder Tiguan, aber auch von Seat-, Škoda- und Bentley-Modellen. Ein großer Teil der Dateien betrifft Audi und wurde in einem Ordner mit der Bezeichnung „Vertraulich“ abgelegt.

Wie Bosch 2015 abgeschnitten hat

  • Konzern

    Umsatz: 70,6 Milliarden Euro (2014: 64,2 Mrd.)*
    Ebit: 4,6 Milliarden Euro (2014: 3,7 Mrd.)*
    Operative Rendite: 6,5 Prozent (2014: 5,7 Prozent)
    Nettogewinn: 3,54 Milliarden Euro (2014: 2,64 Mrd.)

    Quelle: Geschäftsbericht 2014/2015

    *Pro-Forma-Angaben mit Automotive Steering und BSH Hausgeräte, die 2015 übernommen wurden: Ohne die beiden Sparten lag der Umsatz 2014 bei 49 Milliarden Euro, das Ebit bei 3,0 Milliarden Euro.

  • Mobility Solutions (Autozulieferer)

    Umsatz: 41,7 Milliarden Euro (2014: 37,2 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): 3.505 Millionen Euro (2014: 2.586 Mio.)
    Operative Rendite: 8,4 Prozent (2014: 7,0 Prozent)

  • Industrial Technology

    Umsatz: 6,6 Milliarden Euro (2014: 6,7 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): -104 Millionen Euro (2014: 67 Mio.)
    Operative Rendite: -1,6 Prozent (2014: 1,0 Prozent)

  • Consumer Goods (u.a. Werkzeuge und Hausgeräte)

    Umsatz: 17,1 Milliarden Euro (2014: 15,6 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): 1.226 Millionen Euro (2014: 1.031 Mio.)
    Operative Rendite: 7,2 Prozent (2014: 6,6 Prozent)

  • Energy and Building Technology

    Umsatz: 5,1 Milliarden Euro (2014: 4,6 Mrd.)
    Operativer Gewinn (Ebit): 224 Millionen Euro (2014: 171 Mio.)
    Operative Rendite: 4,4 Prozent (2014: 3,7 Prozent)

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PremiumHeikle Daten Welche Rolle spielt Bosch im Abgasskandal?

Bosch steckt als Lieferant der Motorsteuerung mit im VW-Abgasskandal. Bislang blieb es aber ruhig um Bosch. Bis jetzt: Bei einem Datenraub wurden Informationen entwendet, die Bosch zum Verhängnis werden könnten.

Bosch-Chef Volkmar Denner Quelle: dpa
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