Abgas: Wertverluste deutscher Diesel gehen in die Milliarden

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Deutsche Verbraucher leiden durch den Abgasskandal.

von Martin Seiwert

In einer Studie für die WirtschaftsWoche hat das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen berechnet, wie viel Geld deutsche Besitzer von Diesel durch den Abgasskandal verlieren. Die Schäden gehen in die Milliarden.

Eigentlich liegt es nahe: Der VW-Skandal müsste gebrauchte Dieselautos im Wert mindern. Denn ausgelöst durch den Skandal wurde ein Großteil der heute käuflichen Dieselautos als Stickoxid-Schleudern entlarvt, die nur auf dem Papier Grenzwerte einhalten, nicht aber im Alltagsbetrieb. Um bis zu 20 Prozent, so fürchteten Autohändler nach Bekanntwerden des Skandals, würde der Wert gebrauchter Diesel einbrechen. Tatsächlich passierte an der Gebrauchtwagenfront aber erst einmal wenig, die Preise blieben nahezu stabil.

Doch nicht einmal zwei Jahre nachdem die Manipulationen bei VW aufflogen, zeichnen sich nun einige klare Trends in den neusten Statistiken ab.

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  • Erstens: Über Jahrzehnte waren Diesel die wertstabilsten Autos. Doch ausgelöst durch den Skandal hat sich Situation komplett gedreht – seit Ende 2015 sind Diesel als Gebrauchtwagen weniger Wert als Benziner.

  • Zweitens: Bei den Wertverlusten geht die Schere zwischen Benzinern und Dieseln immer weiter auseinander. So ist ein gebrauchter Benziner nach drei Jahren noch 56,4 Prozent des Listenneupreises wert. Daran hat sich seit Jahresbeginn praktisch nichts geändert. Bei den Dieseln dagegen geht es abwärts. Knapp einen Prozentpunkt verloren sie zwischen Januar und Mai.

  • Drittens: Diese Zahlen basieren auf konservativen Berechnungen. Sie stammen vom Marktforscher DAT, einer Gesellschaft der Verbände der Autohersteller. Die Autobauer haben naturgemäß kein Interesse an einem schnellen Preisverfall der Diesel.

Auf der Grundlage der DAT-Zahlen hat Professor Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Universität Duisburg für die WirtschaftsWoche berechnet, wie groß der Wertverlust bei Dieselautos in Deutschland insgesamt ist und welche weiteren Schäden drohen. Dabei berücksichtigte er zunächst nur die Dieselautos, die 2014 verkauft wurden. Denn für sie gelten die aktuellen Zahlen von DAT, die sich immer auf dreijährige Gebrauchte beziehen.

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Laut der Studie lag der Diesel-Pkw-Neupreis im Jahre 2014 im Durchschnitt bei 36.400 Euro. Bei einem von DAT ermittelten Wertverlust von 1,1 Prozent bei dreijährigen Gebrauchten würde pro Fahrzeug ein Wertverlust von 400 Euro eintreten. „Bei 1,45 Millionen Zulassungen im Jahr 2014 würde das dann 580 Millionen Euro entsprechen“, heißt es in der Studie: „Auf die deutschen Automarken Audi, BMW, Ford, Mercedes, Opel, VW würde mit 424 Millionen Euro der weitaus größte Teil davon entfallen. Diese Autobauer stellten 71 Prozent der Diesel-Pkw-Neuzulassungen des Jahres 2014.“ Dies ist nur der Restwertverlust des Jahrgangs 2014. Andere Fahrzeugjahrgänge sind damit noch nicht berücksichtigt. Es ist davon auszugehen, dass für die Jahre 2015, 2016 und 2017 ähnliche Verluste anfallen und sich der Schaden somit in Milliardenhöhe bewegt.

In ganz Europa wird Diesel-Absatz schwächer

Sobald Fahrverborte einsetzen, werden diese Restwertverluste nach Einschätzung von Dudenhöffer „noch deutlich steigen“. Zwar würden Leasing-Gesellschaften und Händler versuchen, gebrauchte Diesel in den Export zu schieben, so dass ein Teil der Verluste „abgefangen“ werden, aber das Aufbauen der Transportkanäle sei zeit- und kostenaufwendig. Gingen die deutschen Diesel ins europäische Ausland, so Dudenhöffer, „muss dort mit einem Überangebot an Diesel-Pkw gerechnet werden, mit entsprechendem Preisdruck im Gebrauchtwagenmarkt“. Insofern würden „die deutschen Restwertverluste nach Frankreich, Italien, Spanien und andere Länder exportiert“. Der Diesel-Restwertverfall in Deutschland infiziere damit Europa mit der Konsequenz, dass die Diesel-Marktanteile auch im Neuwagen Geschäft im europäischen Ausland sinken. Fazit der Studie: „Der Diesel-Absatz wird also in den nächsten Jahren Stück für Stück in Europa schwächer werden.“   

   

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Wenn die diskutierten Fahrverbote in deutschen Städten kommen, werde der Restwertverlust, so heißt es in der Untersuchung, „deutlich schneller steigen“: „Unterstellt man einen Restwertverfall bei dreijährigen Diesel-Pkw in der Höhe von zehn Prozent, muss mit einem Restwertverlust in Deutschland von insgesamt 5,3 Milliarden Euro gerechnet werden.“ Auch diese Zahl gilt nur für die Autos, die innerhalb eines Jahres verkauft werden. Sind mehrere Jahrgänge im gleichen Umfang betroffen, addiert sich der Restwertverlust auf eine zweistellige Milliardensumme.

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