Absatzkrise in Russland: Opel schraubt Produktion zurück

Absatzkrise in Russland: Opel schraubt Produktion zurück

Seit Jahren hofft Opel auf Wachstum in Russland. Doch Turbulenzen werfen die Rüsselsheimer dort immer wieder zurück. Mit dem Russland-Ukraine-Konflikt und dem schwachen Rubel spitzt sich die Lage nun zu.

Opel tritt angesichts der Absatzkrise in Russland auf die Bremse: Der Autohersteller fährt seine Produktion in dem Land zurück, 500 Mitarbeiter sollen gehen. Zudem wird das Werk in St. Petersburg künftig nur noch im Einschichtbetrieb gefahren, wie die Tochter des US-Konzerns General Motors am Dienstag am Stammsitz in Rüsselsheim mitteilte. Gleichzeitig tauscht GM Europa sein Spitzenpersonal vor Ort aus: Die Leitung des Russlandgeschäfts übernimmt mit sofortiger Wirkung die bisherige Chefin für Einkauf und Logistik der Opel Gruppe, Susanna Webber. Ihr Vorgänger Andy Dunstan, der das Russland-Geschäft erst seit November 2013 verantwortete, muss ins zweite Glied rücken: Er wird Vize-Präsident in Russland.

Die stärksten Marken auf Russlands Automarkt

  • Lada

    Mit 456.309 verkauften Fahrzeugen ist Lada die stärkste Marke auf dem russischen Markt mit einem Anteil von über 20 Prozent. Die Marke des Herstellers AvtoVaz verliert allerdings seit Jahren an Bedeutung. Im Vergleich zu 2012 wurden 2013 gut 15 Prozent weniger Ladas verkauft.

  • Renault

    Renault-Nissan hält über direkte und indirekte Beteiligungen fast 50 Prozent an Russlands größtem Autobauer AvtoVaz (Lada). Renault verkaufte im vergangenen Jahr 210.099 Modelle in Russland (+11%) und ist damit mit einem Marktanteil von gut 8 Prozent die zweitstärkste Marke. Durch seine enge Verflechtung mit dem Lada-Hersteller hat Renault einen sehr hohen Anteil von lokalen Zulieferern. Die so genannte Sourcing-Quote liegt bei 80 Prozent.

  • Kia

    Die Koreaner haben derzeit rund 7 Prozent Marktanteil mit 198.018 verkauften Modellen. Sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Hyundai

    Die Schwester-Marke von Kia kann sich ebenfalls gut behaupten. Sie verkaufte 1881.153 Autos in Russland – vier Prozent mehr als 2012.

  • Chevrolet

    Auch die Amerikaner machen in Russland gute Geschäfte - noch. Die Schwester-Marke von Opel verkaufte 2013 genau 174.649 Autos. 15 Prozent weniger als 2012. Mutterkonzern General-Motors hat entschieden, dass Chevrolet in Europa nur noch bis 2016 verkauft wird, dann soll Opel die Märkte übernehmen.

Die Russland-Aktivitäten von GM werden erst seit Jahresbeginn von Europa aus gesteuert. Zuvor war General Motors International Operations (GMIO) dafür verantwortlich. Noch 2013 war Russland nach Deutschland und Großbritannien der drittgrößte Markt für den Hersteller, wie Opel-Chef Karl-Thomas Neumann betonte. Nach Firmenangaben verkaufte GM 2013 rund 275 000 Autos in dem Land. Doch aktuell stecke dieser Markt in ernsten Turbulenzen, begründete Neumann die Maßnahmen: „Wir glauben an das langfristige Potenzial Russlands, aber Volumen und Preise sind momentan unter starkem Druck und der Rubel verliert weiter an Wert.“

In den ersten acht Monaten des Jahres sank der Automobil-Gesamtmarkt in Russland nach den Angaben um 12,1 Prozent. Die Opel-Gruppe traf es noch härter: Der GM-Marktanteil mit den Marken Opel, Chevrolet und Cadillac sei in dem Zeitraum von rund 9 Prozent auf 7,8 Prozent gefallen. „Da dies alles Einfluss auf unsere Geschäftsergebnisse hat und im weiteren Jahresverlauf auch weiter haben wird, ergreifen wir jetzt Maßnahmen, um das Risiko zu minimieren und auf Kurs zu bleiben“, sagte Neumann.

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Tatsächlich dürfte sich der russische Automarkt nach Überzeugung von Experte Ferdinand Dudenhöffer in den kommenden Monaten noch schlechter entwickeln als zu Jahresbeginn: „In Russland muss man mit gut 20 Prozent Markteinbruch in der zweiten Hälfte des Jahres rechnen.“ Derzeit gebe es keine Anzeichen, dass sich Russland wieder schnell erholen könnte. Das treffe Hersteller, die wie Opel überwiegend in Europa aktiv sind, besonders hart. Aktuell hat die Opel Gruppe in Russland etwa 4000 Mitarbeiter, davon knapp 2000 in St. Petersburg. Dort werden der Opel Astra und der Chevrolet Cruze gebaut. Da der Absatz bröckelt, soll die Belegschaft in dem Werk verkleinert werden: Opel will rund 500 Mitarbeitern freiwillige Abfindungsangebote unterbreiten.

Andere GM-Fahrzeuge kommen aus den Werken der Partner Avtotor und GAZ in Kaliningrad und Nischni Nowgorod. Der Chevrolet Niva wird im GM-Avtovaz Joint-Venture in Togliatti produziert. Insgesamt fertigt die Opel-Gruppe nach Unternehmensangaben rund 90 Prozent der Autos, die in Russland verkauft werden, vor Ort.

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