ADAC-Affäre: Gesamter Westfalen-Vorstand im Kreuzfeuer

ADAC-Affäre: Wie ein Präsident sich verrennt

Gesamter Westfalen-Vorstand im Kreuzfeuer

Im Gutachten kritisiert Freshfields nicht nur Reimer, sondern die Arbeit des kompletten Vorstands in Westfalen im Zusammenhang mit den Immobilieninvestitionen. Die Dokumentation der Beschlüsse und deren Grundlagen sei problematisch, die behauptete „sorgfältige Prüfung“ lasse sich nicht belegen, selbst wenn sie stattgefunden haben sollte. Peinlich für den ADAC: Freshfields stellt auch fest, dass sich die Westfalen für die Bauprojekte alleine auf die Renditeberechnungen des Architekten gestützt haben, der ihnen die Projekte vorgeschlagen hat. Unabhängige Renditeberechnungen konnten sie bei ihrer Untersuchung nirgends finden.

Die Verfehlungen sind für die Freshfields-Anwälte so eklatant, dass sie auch mögliche Schadenersatzforderungen gegen den Vorstand und sogar strafrechtliche Konsequenzen diskutieren. „Herr Reimer und weitere Vorstandmitglieder haben sich im Zusammenhang mit den Bauvorhaben Gelsenkirchen und Hagen gegenüber dem Verein pflichtwidrig verhalten“, stellen sie fest. Nach den derzeitig vorliegenden Informationen könne „auch nicht ausgeschlossen werden, dass sich Herr Reimer und weitere Vorstandsmitglieder diesbezüglich gegebenenfalls schadenersatzpflichtig gemacht haben.“

ADAC Trotz Reform ein Fall für die Pannenhilfe

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Pannenhilfe für die gelben Engel Quelle: dpa/Montage

Für eine abschließende Bewertung, darauf weisen die Juristen allerdings ebenfalls hin, seien erst noch die vertiefenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen von KPMG abzuwarten. Erst dann lasse sich sagen, ob dem ADAC Westfalen ein Schaden entstanden sei oder künftig drohe sowie in welcher Höhe. Auch die Beurteilung der strafrechtlichen Frage, ob eine Untreue vorliegen könnte, hängt hiervon ab. Der Sprecher des ADAC Westfalen will sich zu diesem Punkt des Gutachtens ebenfalls nicht äußern und verweist wiederum auf die noch laufenden Untersuchungen. Dass der gesamte Vorstand in Westfalen in der Kritik steht, könnte wiederum bis nach München durchschlagen.

Die Verquickungen von ADAC-Chefjurist Kaessmann

Denn Reimer ist für Markl nicht das einzige Problem. Aus dem Vorstand des ADAC Westfalen kommt nicht nur der bisherige Schatzmeister, mit Werner Kaessmann hat noch ein weiterer Westfalen-Grande eine Schlüsselposition in München inne: Er ist Generalsyndikus des ADAC e.V., also der oberste Jurist im ADAC. „Seine Aufgabe ist die juristische Beratung der Führungsgremien des ADAC und die Leitung der Syndikusorganisation“, heißt es in der ADAC-Satzung. Im Regionalclub Westfalen ist Kaessmann ebenfalls Syndikus.

Als solcher spielte er für Reimer bisher den obersten Feuerwehrmann, versuchte im Vorstand und im Vorstandsrat die Brände zu löschen, die der interne Rechnungsprüferbericht und später das Freshfields-Gutachten entfacht hatten. Kaessmann ist aber auch geschäftlich so eng mit dem ADAC Westfalen verbunden, dass dies den Argwohn mancher Mitglieder weckt.

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Die Last der Krisen liegt noch immer auf dem ADAC. Quelle: dpa

Der Rechtsanwalt ist selbst Vertragsanwalt des ADAC, übernimmt also auf Kosten des ADAC die Beratung von Mitgliedern bei der für diese kostenlosen Erstberatung. Unter den sechs Anwälten seiner Kanzlei ist noch ein weiterer ADAC-Vertragsanwalt. Die Kanzlei hat zwei Standorte in Dortmund: Den Hauptsitz in der früheren Geschäftsstelle des ADAC Westfalen – einer Immobilie, die nach Informationen der WirtschaftsWoche nach wie vor im Besitz des Vereins ist – sowie einen zweiten Sitz in der aktuellen ADAC-Geschäftsstelle.

Verflechtungen sollen aufgelöst werden

Die Verquickung von Vertragsanwaltstätigkeit und ADAC-Führungspositionen hatte schon im vergangenen Jahr im Zuge des ADAC-Skandals Wellen geschlagen. Auch beim ADAC Westfalen ist man sich offensichtlich bewusst geworden, dass eine derart enge Verbindung wie die mit Kaessmann pikant ist.

Auf eine Anfrage der WirtschaftsWoche an Kaessmann und den ADAC Westfalen teilt der Pressesprecher mit, dass die Kanzlei Kaessmann die Büroräume in der neuen ADAC-Geschäftsstelle „auf ausdrücklichen Wunsch“ des ADAC Westfalen angemietet habe – dort aber zum Jahresende ausziehen werde. Die Tätigkeit als Vertragsanwalt beendet Kaessmann ebenfalls, ab 1. September dieses Jahres wird er sie aufgeben. In der alten Geschäftsstelle werde die Kanzlei künftig sogar größere Flächen anmieten, dort zahle sie „eine ortsübliche Miete“ – wie die ermittelt wurde, sagt der Sprecher allerdings nicht.

Ein Westfalen-Mitglied sieht dagegen in den Geschäftsbeziehungen zwischen dem ADAC und Kaessmann den nächsten Punkt, der nach den Vorwürfen gegen Reimer nun aufgeklärt werden müsse. „Die sauberste Lösung für den ADAC Westfalen wäre in meinen Augen, dass der Gesamtvorstand inklusive Geschäftsführer und Syndikus zurücktritt“, sagt er der WirtschaftsWoche. Sollte es dazu kommen, würde Markl nach dem Schatzmeister mit dem Generalsyndikus eine zweite Schlüsselfigur verlieren. Und selbst noch weiter in die Klemme geraten.

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