ADAC-Hauptversammlung: ADAC-Präsident Markl ist Reformer, kein Leader

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ADAC-Hauptversammlung: ADAC-Präsident Markl ist Reformer, kein Leader

von Florian Zerfaß

Bei der Hauptversammlung in Bochum versucht ADAC-Präsident August Markl, die kritischen Regionalclubs auf seine Reformlinie einzuschwören. Mitreißen kann er die Delegierten allerdings nicht.

August Markls Schlüsselwort lautet „gemeinsam“. Immer wieder beschwört der Präsident auf der ADAC-Hauptversammlung die Gemeinsamkeit, wirbt um die widerspenstigen Regionalclubs, die insbesondere an der geplanten Compliance-Struktur heftige Kritik üben. Bei der Weiterentwicklung des Reformprogramms, so Markl, sei vor allem eine wesentliche Erkenntnis aus dem vergangenen Jahr berücksichtigt worden: „Nämlich, dass wir als ADAC nur gemeinsam erfolgreich sein können.“
Doch trotz aller Betonung der Gemeinsamkeit, mitreißen kann Markl die Delegierten nicht. Ein verhaltener, kurzer Schlussapplaus, kein einziger Zwischenapplaus. Wie im Halbschlaf verfolgt das Auditorium den Vortrag des Präsidenten. Ein Delegierter schickt während Markls Rede eine SMS: „Mein Nachbar und ich halten uns mit Witzen wach.“

ADAC Trotz Reform ein Fall für die Pannenhilfe

ADAC-Präsident August Markl hatte ehrgeizige Ziele. Inzwischen zeigt sich: Die Erneuerung des größten europäischen Autoclubs kommt auch ein Jahr nach dem Skandal um den Gelben Engel nicht voran.

Pannenhilfe für die gelben Engel Quelle: dpa/Montage

Die Rede zeigt das große Problem dieser zauderhaften Präsidentschaft: Markl ist ein überzeugter Reformer, aber ein schwacher Leader. Er betont Demut, versucht die Dinge im Konsens zu regeln, gilt allerorten im ADAC als umgänglich und angenehm. Doch Leidenschaft kann er nicht wecken. In den nächsten Monaten wird Markl unter Beweis stellen müssen, dass er auch die nötige Führungsstärke hat.

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Markl muss Führungsqualitäten zeigen

Der Präsident muss gleich an zwei Fronten dagegen halten. Die eine sind die vielen Berater, die Millionen kosten und starken inhaltlichen Einfluss auf den Reformprozess nehmen. Insbesondere die umfangreichen Mandate für die Großkanzlei Freshfields sind vielen im ADAC ein Dorn im Auge. „Die krallen sich jetzt im Fell fest, um es hinterher verteilen zu können“, sagt ein Delegierter. Freshfields, argwöhnt ein anderer, wolle ein möglichst aufwändiges Compliance-System, damit die Kanzlei später viele Aufträge für Compliance-Untersuchungen bekommen könne.
Gerade an diesem Punkt, der Compliance-Struktur, zeigt sich die zweite Konfliktlinie: Die mächtigen Regionalclubs, die sich insbesondere gegen die geplante zentrale Compliance Gmbh und deren weitreichende Befugnisse sperren. Sie soll nach den Entwürfen ohne konkreten Anlass Kontrollen in den Regionalclubs durchführen können und auch an der Regional-Geschäftsführung vorbei Mitarbeitern Weisungen erteilen dürfen.


Auch wenn Markl Unterstützung bekam von Jürgen Heraeus, dem Vorsitzenden des ADAC-Beirats, der sich ebenfalls für die geplante zentrale Compliance GmbH aussprach: Sie wird bestenfalls in gerupfter Form kommen. Bei einer geplanten Satzungsänderung zur Compliance-Struktur gaben Markl und das Präsidium nach. Sie wollten zunächst in der Satzung festschreiben lassen, dass „die zentrale Compliance-Funktion [...] durch eine gemeinsame Einrichtung des ADAC e.V. und der Regionalclubs“ ausgeübt wird.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

  • Was gehört zum Unternehmen ADAC?

    Neben dem Verein hat der ADAC viele Firmen gegründet. Sie wickeln die zahlreichen Geschäfte ab. Dazu zählen etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die Firmen unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC. Damit ist der Club ein stattliches Unternehmen, auch wenn es gemessen am Umsatz bei weitem nicht für die Top 100 in Deutschland reicht.

  • Was finanziert der ADAC mit den Beiträgen?

    2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Für den Mitgliederservice wie etwa Geschäftsstellen flossen knapp 155 Millionen Euro, für die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung für die Mitglieder.

  • Verdient der ADAC als e.V. denn Geld?

    Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Vereine kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb sein dürfen. Deswegen hat sich im ADAC die Doppelstruktur aus Verein und den Tochterunternehmen entwickelt. Diese erzielen nicht alle Überschüsse, die Luftrettung etwa ist ein Zuschussgeschäft. Unter dem Strich nimmt der ADAC allerdings in der Regel mehr Geld ein als er ausgibt. Auch der Verein erzielt Überschüsse und zahlt Steuern. Die erwirtschafteten Mittel fließen in die Rücklage oder werden investiert. Die Struktur des ADAC war in den vergangenen Jahren immer wieder umstritten.

Die Verankerung einer zentralen, gemeinsamen Einrichtung von ADAC und Regionalclubs in der in der Satzung hätte das Einfallstor für die Compliance GmbH sein können, die in den Regionalclubs auf so viel Widerstand stößt. Dass die Hauptversammlung dieser Satzungsänderung zugestimmt hätte, darf als unwahrscheinlich gelten. Das Präsidium änderte jedenfalls seinen Vorschlag. Statt einer zentralen Einrichtung heißt es jetzt in der Satzung nur noch, dass es einen Compliance-Ausschuss und einen Leiter Compliance geben soll - was ohnehin schon in der bereits verabschiedeten Compliance-Richtlinie so vorgesehen ist.

In diesem Punkt haben die Regionalfürsten ihren Präsidenten also ausgebremst. Markl erklärte nach der Satzungsänderung, er könne keinem Regionalclub vorschreiben, sich zu beteiligen. Er hält dennoch unverdrossen an seinen Plänen fest. Mit den Beschlüssen und den vorhergehenden Beratungen in Bochum sei ein Beitritt aller zur Compliance GmbH sogar „sehr wahrscheinlich“ geworden. „Das Präsidium wünscht sich das und arbeitet daran." Doch der Widerstand in den Regionalclubs ist massiv. Eine ganze Reihe von ihnen hat sich gegen die Compliance GmbH in der geplanten Form ausgesprochen, der ADAC Nordrhein, mit 2,8 Millionen Mitgliedern größter Regionalclub, hat sogar schon per Vorstandsbeschluss festgelegt, sich an der GmbH nicht zu beteiligen.


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