ADAC in der Kritik: Solange nur die Pannenhilfe funktioniert...

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ADAC in der Kritik: Solange nur die Pannenhilfe funktioniert...

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Nach Manipulationsvorwürfen beim Autopreis "Gelber Engel" hat der ADAC Kommunikationschef, Michael Ramstetter, sein Amt und sämtliche andere Funktionen bei dem Autoclub niedergelegt.

von Rebecca Eisert, Matthias Kamp und Kristin Schmidt

Deutschlands Autoclub Nummer eins hat ein großes Problem. Weil der Kommunikationschef ein Testergebnis geschönt hat, stellt sich die Frage, wie glaubwürdig der ADAC noch ist. Aber mal ehrlich: Interessiert das die Mitglieder?

Gleich zwei große deutsche Testinstanzen haben in den vergangenen Tagen Schiffbruch erlitten: Erst die Stiftung Warentest, die im Streit mit dem Schokoladenfabrikanten Ritter Sport den Kürzeren zog und nun nicht mehr behaupten darf, dass Ritter Sport einen Aromastoff in seiner Nussschokolade falsch deklariert habe und nun der ADAC. Der Autoclub galt über Jahrzehnte als unfehlbar.

"Kein Mensch wäre doch darauf gekommen, dass da getrickst wird", sagt Peter Pirck von der Brandmeyer Markenberatung. Für ihn ist die Marke ADAC untrennbar mit Werten wie "Glaubwürdigkeit" und "Verlässlichkeit" verbunden.

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Das Image hat nun eine ordentliche Delle bekommen. "Das ist schon mehr als ein Kratzer im Lack", betont der Markenexperte, "aber ich glaube nicht, dass es langfristig negative Konsequenzen haben wird." Warum gibt sich der Markenexperte so optimistisch? Ist der Vertrauensbruch nicht eklatant? Marc-André Reinhard, Professor für Sozialpsychologie an der Uni Kassel sieht prinzipiell die Gefahr einer tiefen Vertrauenskrise: „Ein einziger Fehltritt reicht, um jahrelang aufgebautes Vertrauen zu zerstören. Das ist wie in einer Partnerschaft. Jahrzehntelange Treue ist nichts mehr wert, sobald einer der Partner fremdgeht.“

Doch liegt ein solcher Fall vor? Was sich der bisherige ADAC Kommunikationschef Michael Ramstetter geleistet hat, ist in der Tat ein starkes Stück. Jährlich vergibt der ADAC den Preis "Gelber Engel" in verschiedenen Kategorien - von der besten Familienkutsche, über das beste Stadtauto, bis hin zum "Lieblingsauto der Deutschen" schlecht hin. In der letztgenannten Kategorie hat Ramstetter gemogelt. Nicht an der Reihenfolge an sich - die sei einwandfrei verbürgt sich die Geschäftsführung. Aber die Zahl der abgegeben Stimmen hat Ramstetter - angeblich ohne jedes Mitwissen anderer ADAC-Mitarbeiter und Manager - kräftig nach oben geschönt.

34.299 Stimmen seien für den Golf abgegeben worden, so steht es in einem offiziellen ADAC-Papier - magere 3409 Stimmen sollen es nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung tatsächlich gewesen sein. Mal eben die zehnfache Stumme anzugeben, ist dreist. Und es stellt sich die Frage warum? Hat Ramstetter am Ende Geld für das Schönen der Zahlen erhalten. Darauf deutet nichts hin. Die Hersteller bestreiten vehement, Einfluss auf der Ergebnis genommen zu haben. Preisträger Volkswagen betont, niemals finanzielle Zuwendungen gemacht zu haben, um das Ergebnis zu eigenen Gunsten zu verändern.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

  • Was gehört zum Unternehmen ADAC?

    Neben dem Verein hat der ADAC viele Firmen gegründet. Sie wickeln die zahlreichen Geschäfte ab. Dazu zählen etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die Firmen unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC. Damit ist der Club ein stattliches Unternehmen, auch wenn es gemessen am Umsatz bei weitem nicht für die Top 100 in Deutschland reicht.

  • Was finanziert der ADAC mit den Beiträgen?

    2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Für den Mitgliederservice wie etwa Geschäftsstellen flossen knapp 155 Millionen Euro, für die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung für die Mitglieder.

  • Verdient der ADAC als e.V. denn Geld?

    Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Vereine kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb sein dürfen. Deswegen hat sich im ADAC die Doppelstruktur aus Verein und den Tochterunternehmen entwickelt. Diese erzielen nicht alle Überschüsse, die Luftrettung etwa ist ein Zuschussgeschäft. Unter dem Strich nimmt der ADAC allerdings in der Regel mehr Geld ein als er ausgibt. Auch der Verein erzielt Überschüsse und zahlt Steuern. Die erwirtschafteten Mittel fließen in die Rücklage oder werden investiert. Die Struktur des ADAC war in den vergangenen Jahren immer wieder umstritten.

Die Wut über das geschönte Ranking und die offensichtlich fehlende Kontrolle ist groß - auch bei den Autobauern: „Das ist eine riesige Sauerei“, heißt es bei einem großen deutschen Automobilhersteller. Dass gerade ein gemeinnütziger Verein mit manipulierten Zahlen arbeite, sei ein Unding. Andererseits: So richtig wundern könne man sich über die jetzt ans Licht gekommen Unstimmigkeiten auch nicht, heißt es mit Blick auf die Ergebnisse der ADAC-Umfragen aus den vergangenen Jahren. Ohnehin seine die zahllosen Preise und Trophäen, mit denen Autos prämiert würden, wenig aussagekräftig.

Fand Ramstetter das Ergebnis zu wenig eindeutig? Fürchtete er gar um das Renommee des Clubs und seiner Auszeichnungen, wenn bekannt würde, wie wenige Mitglieder sich in Wirklichkeit an der Wahl beteiligt haben? Was Ramstetter zu seiner Tat verleitete, weiß nur er.

Fakt ist, er hat dem ADAC schwer zu gesetzt. Die Stimmung unter den Mitarbeitern des ADAC beschrieb Obermair als schlecht. „Es ist ein emotionaler Mix aus Empörung, Wut, Fassungslosigkeit.“ Den rund 19 Millionen Club-Mitglieder dürfte es nicht viel anders gehen - wieder einmal.

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