ADAC-Jahresbilanz: Skandale machen dem ADAC noch immer zu schaffen

ADAC-Jahresbilanz: Skandale machen dem ADAC noch immer zu schaffen

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Die Last der Krisen liegt noch immer auf dem ADAC.

von Matthias Kamp

Die Skandale hinterlassen beim ADAC Spuren: Wenn Präsident Markl am Mittwoch das Zahlenwerk für das vergangene Jahr präsentiert, dürfte er einen deutlichen Gewinnrückgang für die Wirtschaftstöchter des Clubs verkünden.

Auf der Hauptversammlung des ADAC vergangenen Monat gab sich August Markl Mühe, den entschlossenen Reformer zu mimen. Der Präsident des von Krisen geschüttelten Automobilclubs versuchte etwa mit erheblichem Druck, die Gründung einer sogenannten Compliance GmbH durchzusetzen. Mit weit reichenden Kompetenzen ausgestattet, soll die neue Einheit Unregelmäßigkeiten und Schummeleien wie bei der Verleihung des Gelben Engel künftig verhindern.

Doch mit der Vermittlung von Aufbruchsstimmung ist es immer noch schwierig. Wenn Markl am Mittwoch in München die Jahresbilanz 2014 vorlegt, holt ihn die Vergangenheit wieder ein.

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Markl wird der Öffentlichkeit aller Voraussicht nach erklären, die Wirtschaftstöchter des Clubs hätten im vergangenen Jahr einen Gewinn von 100,9 Millionen Euro erwirtschaftet – gut 12 Prozent weniger als im Jahr zuvor. So steht es zumindest im vorläufigen, noch nicht testierten Jahresabschluss der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH (BuW), der der WirtschaftsWoche vorliegt. Grund für den Einbruch ist der erhöhte Aufwand für die Bewältigung der Krise.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

  • Was gehört zum Unternehmen ADAC?

    Neben dem Verein hat der ADAC viele Firmen gegründet. Sie wickeln die zahlreichen Geschäfte ab. Dazu zählen etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die Firmen unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC. Damit ist der Club ein stattliches Unternehmen, auch wenn es gemessen am Umsatz bei weitem nicht für die Top 100 in Deutschland reicht.

  • Was finanziert der ADAC mit den Beiträgen?

    2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Für den Mitgliederservice wie etwa Geschäftsstellen flossen knapp 155 Millionen Euro, für die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung für die Mitglieder.

  • Verdient der ADAC als e.V. denn Geld?

    Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Vereine kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb sein dürfen. Deswegen hat sich im ADAC die Doppelstruktur aus Verein und den Tochterunternehmen entwickelt. Diese erzielen nicht alle Überschüsse, die Luftrettung etwa ist ein Zuschussgeschäft. Unter dem Strich nimmt der ADAC allerdings in der Regel mehr Geld ein als er ausgibt. Auch der Verein erzielt Überschüsse und zahlt Steuern. Die erwirtschafteten Mittel fließen in die Rücklage oder werden investiert. Die Struktur des ADAC war in den vergangenen Jahren immer wieder umstritten.

In der Tochter des ADAC Vereins sind die kommerziellen Aktivitäten der Münchner gebündelt. Dazu gehören unter anderem Anbieter von Rechtsschutz- und Schutzbriefversicherungen, eine Autovermietung sowie ein Verlag. Mit gut 122,3 Millionen Euro erzielte die ADAC-Schutzbrief-Versicherung die höchsten Einnahmen. Dahinter rangieren die Rechtsschutz-Versicherung, die Finanzdienste und die Autoversicherung.

Die Unternehmensleitung des ADAC sieht die Entwicklung gelassen. Diese sei „trotz der im Zusammenhang mit der Preisverleihung ‚Gelber Engel‘ am 16. Januar 2014 erhobenen Manipulationsvorwürfe gegen den ADAC, die nachfolgende negative Presseberichterstattung und die dadurch ausgelöste Krise des Vereins“ zufriedenstellend, heißt es in dem vorläufigen Jahresabschluss.

Deutlich besser sieht es bei der BuW-Mutter, dem ADAC e.V., aus. Der nämlich verbuchte nach Informationen, die der Wirtschafstwoche vorliegen, 2014 einen Nettogewinn von 16,9 Millionen Euro, nach 4,6 Millionen Euro im Jahr zuvor. Wichtigste Einkommensquelle: die nach wie vor sprudelnden Mitgliedsbeiträge. In der Kartei der Münchner stehen noch immer gut 18,9 Millionen zahlende Autofahrer, gerademal 18.956 weniger als vor der Compliance-Krise. Da kann getrickst und gemogelt werden bis zum Abwinken – die Deutschen halten ihrem ADAC die Treue.

Markl muss Akzente setzen

Man kann nur hoffen, dass Markl, der durchaus als glaubwürdiger Reformer gilt, einige Akzente setzen kann, um Auswüchse wie in der Vergangenheit zu verhindern. Bei seiner geplanten Compliance Service GmbH, die künftig die 18 Regionalclubs und die Zentrale in München überwachen soll, stößt der ADAC-Präsident auf heftigen Widerstand der mächtigen Regionalfürsten.

Wohl nicht ganz zu Unrecht monieren diese, es sei problematisch, das arbeitsrechtliche Direktionsrecht gegenüber den Mitarbeitern der Regionalclubs einer externen GmbH zu übertragen. Mehr als fragwürdig ist auch die Idee, in den Regionalclubs Maulwürfe zu installieren, die an die Compliance GmbH berichten sollen. Als sicher gilt, dass die externe Einheit - wenn überhaupt - nur in abgespeckter Form kommen wird.

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Auf Kritik stoßen aber auch die Kosten der Reformen. Teilnehmer einer Verwaltungsratssitzung berichten, für die Umstrukturierung habe der ADAC im vergangenen Jahr 15 Millionen Euro ausgegeben; im laufenden Jahr fiele nochmal ein ähnlich hoher Betrag an.

Viel Geld geht für Berater drauf: Zur Bewältigung der unschönen Vergangenheit und Verhinderung künftiger Fehlentwicklungen beschäftigte der Automobilclub gleich mehrere Berater-Teams.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte untersuchte die Stimmenzahlen beim Autopreis „Gelber Engel“ und bestätigte die Manipulationen, um die Krisenkommunikation kümmerte sich zeitweilig die Agentur CNC Communications. Nach wie vor an Bord sind die Großkanzlei Freshfields, die für den rechtlichen Rahmen der Reform verantwortlich ist, sowie die Unternehmensberatung Oliver Wyman, die das ganze Reformprojekt steuert.

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