ADAC: Reformpläne für den ADAC nehmen Gestalt an

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ADAC: Reformpläne für den ADAC nehmen Gestalt an

von Franz W. Rother

Auf einer außerordentlichen Sitzung in Köln beschlossen Präsidium und Verwaltungsrat ein 10-Punkte-Programm für den Umbau des Automobilclubs.

Pannenhelfer erhalten künftig keine Prämie mehr, wenn sie ADAC-Mitgliedern eine neue Starterbatterie verkaufen, Rettungsflieger und -hubschrauber dürfen künftig nur noch Kranke oder Verletzte transportieren. Alle Organisationsstrukturen und sämtliche Geschäfte werden überprüft, und im Internet richtet der Club eine externe Beschwerdestelle ein. Zudem achtet künftig ein hauptamtlicher Chief Compliance Officer (CCO) darauf, dass in der Clubzentrale und auch in den Regionalkreisen alles mit rechten Dingen zugeht: Das sind einige Details eines Zehn-Punkte-Programms, mit dem der von Affären schwer erschütterte Automobilclub Vertrauen zurückgewinnen und die massenhaften Austritte von Mitgliedern stoppen will.

Beschlossen wurde es am Donnerstagnachmittag auf einer außerordentlichen Sitzung von Präsidium und Verwaltungsrat in Köln. Personelle Veränderungen sind vorerst allerdings nicht geplant: Der 18-köpfige Verwaltungsrat stellte sich in der Sitzung demonstrativ hinter das ehrenamtliche ADAC-Präsidium um Peter Meyer. Dieser will bis zum Ende aller Untersuchungen im Amt bleiben und dann den Mitgliedern die Vertrauensfrage stellen.

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Die Führungsspitze des ADAC kündigte einen umfassenden Reformprozess an, der von Wirtschaftsprüfern der Unternehmensberatung Deloitte und von Compliance-Spezialisten der Rechtsanwaltskanzlei Freshfield begleitet werden soll. Diskutiert werden in den kommenden Wochen alle Leistungen und Produkte, unter die Lupe genommen werden sollen Studien, Tests und Auszeichnungen, die der Club durchführt oder vergibt, Prozesse und Rechtsformen, aber auch die Führungsstrukturen. Zudem sollen die 19 Millionen Mitglieder des Clubs in Zukunft intensiver beteiligt werden – an der Diskussion politischer Ziele ebenso wie bei der Verwendung von Mitteln. In Kürze wird im Internet eine externe Website freigeschaltet, über die Mitglieder auch anonym Hinweise auf Missstände oder Fehlentwicklungen geben sollen.

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„Angesichts der Vorwürfe der vergangenen Wochen sind wir überzeugt, dass der ADAC eine Zäsur braucht und sich neu ausrichten muss“, erklärte Präsident Meyer nach der Sitzung in Köln. Er wolle „alles Etablierte auf den Prüfstand“ stellen und „Strukturen, Abläufe, Regeln und auch unsere bisherige Kultur kritisch hinterfragen“ – in der Münchener Clubzentrale ebenso wie in den 18 Regionalclubs. Kritisch begleitet werden soll der Reformprozess ein Kreis von drei bis fünf „glaubwürdigen“ Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Eine Liste von insgesamt 15 potenziellen Kandidaten arbeitet die ADAC-Spitze gerade ab – zwei sagten schon ab.

Der ADAC war vor drei Wochen durch Manipulationen in einer Kategorie des Autopreises „Gelber Engel“ in die Schlagzeilen geraten: Bei der Wahl des Lieblingsautos der Deutschen durch die Leser der Clubzeitschrift Motorwelt war vom Kommunikationschef des ADAC die Zahl der Voten um den Faktor 10 erhöht worden und möglicherweise auch die Reihenfolge der Automodelle im Ranking verändert worden. Experten von Deloitte haben die Wahl mittlerweile eingehend untersucht. In der kommenden Woche wollen sie ihre Ergebnisse präsentieren. 

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