Aktien-Manipulation: Doppelagent Piëch in geheimer Mission

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Aktien-Manipulation: Doppelagent Piëch in geheimer Mission

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Von den derzeitigen Ermittlungen gegen den ehemaligen Porsche-Aufsichtsrat sind alle damaligen Mitglieder, und somit auch der VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch betroffen. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt sie der Kursmanipulation.

von Martin Seiwert

Ist der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch in Manipulationen des Aktienmarktes verstrickt? Er selbst will nichts gewusst haben, die Staatsanwaltschaft Stuttgart dagegen vermutet, dass er mit dem bereits angeklagten Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gemeinsame Sache machte.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft nicht nur den Ex-Porsche-Vorständen Wendelin Wiedeking und Holger Härter vor, den Aktienmarkt durch falsche Aussagen manipuliert zu haben. Sie ermittelt in der Sache auch gegen sämtliche Mitglieder des Porsche-Aufsichtsrats im Jahr 2008 und damit auch gegen den VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.

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Neu ist das alles nicht - die WirtschaftsWoche berichtete schon vor knapp zwei Monaten exklusiv über die Ermittlungen gegen die Porsche-Aufsichtsräte - aber spannend ist die Angelegenheit allemal. Denn die Recherchen der Staatsanwälte zielen auf eine zentrale Frage: Wie sehr ist Piëch in die möglichen Manipulationen verstrickt?

Porsche Weitere Manager im Visier

Nach der Anklage der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin  Wiedeking und den ehemaligen Porsche-Finanzvorstand Holger Härter sind weitere Personen in das Visier der Fahnder geraten.

Der frühere Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking (l.) und der Ex-Finanzvorstand Holger Härter im Juli 2009. Quelle: dpa

Der Enkel des Porsche-Gründers ist Großaktionär von Porsche und VW und zugleich Aufsichtsrat bei Porsche sowie Aufsichtsratschef bei VW. In dieser Vierfachrolle war Piëch sowohl Teil des gescheiterten Übernahmeangriffs von Porsche auf Volkswagen in den Jahren 2005 bis 2009, als auch der führende Kopf der Abwehr des VW-Konzerns. Piëch griff sich, sozusagen, selbst an. Und als der Übernahmeversuch 2009 scheiterte, weil Porsche das Geld ausging, und der von der Insolvenz bedrohte Sportwagenbauer den VW-Konzern um Hilfe anflehte, saß sich Piëch am Verhandlungstisch faktisch selbst gegenüber. Diese Phänomen ist sonst nur bei katholischen Heiligen bekannt: Bilokation, die Existenz einer Person zur gleichen Zeit an zwei verschiedenen Orten.

In der Terminologie der Betriebswirtschaft drängt sich dagegen ein ganz anderer Begriff auf: Compliance. Kann es mit rechten Dingen zugehen, wenn der oberste Kontrolleur des größten deutschen Industriekonzerns Angreifer und Angegriffener, Käufer und Verkäufer, Kreditgeber und Kreditnehmer zugleich ist? Wem diente er in seiner Doppelagenten-Rolle? Den Interessen der VW-Aktionäre, wie es sein Amt als oberster Volkswagen-Kontrolleur vorschreibt? Den eigenen Interessen als Porsche-Aktionär? Oder den Interessen der Familien Porsche und Piëch?

Piëch ist sich der Brisanz dieser Fragen wohl bewusst und zieht sich vorerst auf eine beliebte Position zurück: Nichtwissen. Er habe gar nicht gewusst, was das Porsche-Management bei dem Übernahmeversuch so alles trieb, verkündete er im Mai 2009 vor Journalisten: "Es ist mir nie gelungen, Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte zu gewinnen. Man versicherte mir stets, alles sei in Ordnung. Ich habe dann erst über den VW-Finanzvorstand, Herrn Pötsch, davon erfahren. Und das ist auch nicht der richtige Weg."

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