Altran-Chef de Carlo: "Marchionne hat bewiesen, dass er es kann"

Altran-Chef de Carlo: "Marchionne hat bewiesen, dass er es kann"

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Cosimo de Carlo - CEO der Innovationsberatung Altran.

von Rebecca Eisert

Cosimo de Carlo, Chef einer der weltweit größten Innovations- und Technologieberatungen, stellt Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne ein gutes Zeugnis aus.

Sergio Marchionne will Alfa Romeo und Jeep in Europa zu Premiummarken auszubauen, Lancia soll als Marke außerhalb Italiens verschwinden, Fiat soll neuen Schwung etwa durch ein neues Modell im B-Segment bekommen. Sind das die richtigen Maßnahmen, um das Überleben des Konzerns zu sichern?
Ja. Fiat Chrysler Automobils krankt an einer nicht optimalen Modellsegmentierung innerhalb der Gruppe: Der Schwerpunkt liegt zu sehr auf kleinen Fahrzeugen mit wenig Mehrwert und Marge und zu wenig auf profitableren Segmenten, die den Kunden Zusatznutzen bieten. In der Vergangenheit hat Fiat-Chrysler einen wesentlichen Punkt vernachlässigt: Die Historie und die Gene der jeweiligen Marken mit technologischem Know-how und Innovation zu kombinieren.

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Das müssen Sie erklären.
Fiat-Chrysler muss sich wieder stärker auf den jeweiligen Markenkern, auf das Markenerbe konzentrieren. Damit meine ich Faktoren, die die Marke Fiat in den vergangenen Dekaden sehr erfolgreich gemacht haben: ‚Made in Italy‘, Design und den Coolness-Faktor, den die Marke einst transportiert hat. Der neue Konzern muss zu den alten Traditionen zurückkehren. Sprich: Sportlichkeit der Marke Alfa Romeo und amerikanischer Spirit für Geländewagen von Jeep.

Zur Person

  • Cosimo de Carlo

    Cosimo De Carlo ist seit 1. Januar 2014 CEO der Innovations- und Technologieberatung Altran. Davor leitete er den Bereich Automotive, Infrastructure and Transports mit weltweiter Verantwortung.

    Altran wurde 1982 in Paris gegründet und zählt mit über 21.000 Mitarbeitern sowie 1,63 Milliarden Euro Umsatz zu den führenden Beratungsunternehmen für Innovation und High-Tech-Engineering-Services. In Deutschland hat Altran rund 3.000 Mitarbeiter. Zu den Kunden zählen unter anderem Audi, BMW, Daimler, Bosch, Porsche und Volkswagen.

Dafür muss sich FCA auf Innovationen konzentrieren: Die Kunden brauchen einen Mehrwert, nur dann sind sie auch bereit, für ein Fahrzeug etwas mehr zu bezahlen. Der Fiat 500 oder die neuen Maserati-Modelle zeigen, wie erfolgreich die Kombination von italienischem Design und technologischer Leidenschaft sein können. Entscheidend für das Gesamtkonzept ist aber der Zeitfaktor: Wie schnell ist FCA in der Lage, die Marken Alfa Romeo oder Fiat wieder zu stärken?

Fiat Das Ende eines Traditionsunternehmens

Sergio Marchionne verwandelt Fiat in den Wurmfortsatz einer seelenlosen italo-amerikanischen Holding – in der vagen Hoffnung, mit Alfa Romeo und Maserati vielleicht einmal zu VW oder BMW aufzuschließen.

Quelle: Bloomberg

Maserati gilt als gelungenes Beispiel für den Aufbau einer Premiummarke im Fiat-Chrysler Konzern. Passt diese Blaupause auch für Jeep und Alfa Romeo?
Maserati ist ein gutes Beispiel. Wir sehen, dass das Aufrechterhalten von alten Traditionen zum Erfolg beitragen kann. Es ist die Kombination aus Verbrennungsmotoren nach guter alter Ferrari-Tradition, neuen Technologien und italienischem Design von der Karosserie bis zum Innenraum sowie neuen Fahrassistenz- und Connectivity-Systemen. Gerade solche neuen Features betrachten die Kunden auch bei einer Sportmarke wie Maserati heutzutage als Standard. Entscheidende Kaufkriterien sind auch für einen Maserati nicht nur der Motor und die Leistung, sondern eben auch diese anderen Innovationen, die die Kaufentscheidung wesentlich beeinflussen. Nur damit kann so ein Produkt wie Maserati Marktanteile von BMW, Audi oder Daimler gewinnen.

Alle drei Marken haben ihre jeweilige eigene Historie und ihre Tradition: Maserati steht für „Granturismo“, Jeep ist das Allrad-Fahrzeug par excellence mit Abenteuer im Blut und Alfa steht seit jeher für Sportlichkeit und Fahrspaß. Kombiniert mit den technologischen Ansprüchen der Kunden lässt sich auf der jeweiligen Tradition der Marken aufbauen und das Produktportfolio erweitern.

Premiummarken zeichnen sich durch einen hohen Grad an technischer Innovation aus. Davon hat man bei Fiat in den vergangenen Jahren nicht viel gesehen. Wo sehen Sie Nachholbedarf?
In Sachen CO2-Ausstoß hat Fiat primär durch sein großes Angebot im Kleinwagensegment profitiert, aber wenig in die tatsächliche Senkung der Ausstoßmengen investiert. Die niedrigen Absatzzahlen haben dann immer wieder neue Investitionen gebremst. Jetzt muss FCA die fantastische Entwicklung des Chrysler-Konzerns in den letzten Monaten als Sprungbrett für den Aufbau der anderen Marken der Gruppe nutzen. Das bedeutet Investition in weitere Innovationen.

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