Auch der Astra betroffen?: DUH weitet Abgas-Vorwürfe gegen Opel aus

Auch der Astra betroffen?: DUH weitet Abgas-Vorwürfe gegen Opel aus

, aktualisiert 13. Mai 2016, 18:29 Uhr
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Der Opel Astra (im Bild die Kombi-Variante "Sports Tourer") ist Europas Auto des Jahres 2016.

Die Deutsche Umwelthilfe verschärft die Vorwürfe gegen Opel, die Abgasreinigung bei Dieselmodellen manipuliert zu haben. Betroffen sein sollen die Modelle Zafira und Astra. Jetzt schaltet sich das Kraftfahrbundesamt ein.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verschärft ihre Vorwürfe gegen den Autobauer Opel, die Abgasreinigung bei Dieselmodellen manipuliert zu haben. Bei einem Astra hätten Messungen auf der Straße "alarmierende Werte und Abschalteinrichtungen" offenbart, teilte die Umweltorganisation am Freitag in Berlin mit.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ordnete eine Überprüfung der Ergebnisse an: „Ich habe das Kraftfahrt-Bundesamt heute angewiesen, weitere Messungen bei Opel-Fahrzeugen durchzuführen - mit dem Fokus auf die heute veröffentlichten Abgas-Beeinflussungen“, sagte der CSU-Politiker.

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Eine Untersuchungskommission seines Ministeriums lud Vertreter von Opel für die nächste Woche vor. Opel habe diesen Termin laut Dobrindt zugesagt. Die Rüsselsheimer betonten erneut, keine Abschalt-Software einzusetzen, und zweifelten die Tests der Umweltschützer an.

Tags zuvor hatte die DUH ähnliche Vorwürfe im Zusammenhang mit einem getesteten Opel Zafira erhoben. Beide CDTi-Modelle haben eine 1,6-Liter-Maschine. Der Verein will Opel wegen Verbrauchertäuschung belangen.

"Wir fordern von Opel-Vorstand Karl-Thomas Neumann einen sofortigen Verkaufs- bzw. Auslieferungsstopp für alle Diesel-Fahrzeuge mit rechtswidrigen Abschalteinrichtungen", sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. "Wegen falscher Leistungsversprechen bei der Abgasreinigung und damit Täuschung und Schädigung von vielen zehntausend Kunden hat die DUH ein Rechtsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet und bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt Anzeige erstattet." Die Anzeige beziehe sich auf den Zafira, den Astra und auch den Insignia. Letzteren hat der Verein aber noch nicht selbst getestet.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

  • Die Vorgaben in Deutschland

    Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

  • Wer testet?

    Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

  • Kritik an Prüfung

    Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

  • Weitere Prüfungen

    Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

  • Geplante neue Prüfmethode

    Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Das Rüsselsheimer Unternehmen hatte am Donnerstag bekräftigt, man habe keine Software eingesetzt, die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird. Zu den übrigen Vorwürfen hielt sich Opel zunächst bedeckt.

"Der Opel Zafira arbeitet zu 90 Prozent der Zeit in einem nicht-legalen Modus“, sagte Resch. Die Abgasreinigung werde je drei Grad über und unter dem Laborprüf-Temperaturbereich von 20 bis 30 Grad Celsius deaktiviert – außerdem über Tempo 140, bei bestimmten Luftdruck-Werten und Motordrehzahlen. "Das ist für uns vorsätzliches Verhalten." Auch bei 20 bis 30 Grad Außentemperatur zeigten der betreffende Zafira und Astra bei Straßenmessungen der Umwelthilfe überhöhte Stickstoffwerte.

Saubere Abgase nur unter bestimmten Bedingungen

"Motoren werden modellübergreifend entwickelt und eingesetzt", erklärte Resch. "Es geht einfach um Profitmaximierung", meinte er zu den mutmaßlichen Motiven im Diesel-Skandal. Dabei habe jahrelange "Kumpanei" mit der Politik geholfen. Die Vorwürfe der Umwelthilfe gegen Opel seien mit denen gegen von Volkswagen vergleichbar. VW ist bisher der einzige Hersteller in Deutschland, der Manipulationen eingeräumt hat.

Auch bei schnellem Beschleunigen werde die Abgasreinigung abgeschaltet. In der Spitze erreichten die Emissionswerte des Opel Astra mehr als das Achtfache des Grenzwerts. Ein Opel-Sprecher konnte dazu zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Diesel-Skandal Neue Manipulations-Vorwürfe gegen Opel

Die Deutsche Umwelthilfe erhebt neue Manipulationsvorwürfe gegen Opel: Offenbar seien unbekannte Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung eines Zafiras entdeckt worden. Opel stellt die Ergebnisse in Frage.

Ein Opel Zafira im Bochumer Werk (Archivbild): Frühere Vorwürfe der DUH wegen angeblich erhöhter Abgaswerte hatte das Unternehmen stets zurückgewiesen. Quelle: dpa

Sollten sich die neuen Vorwürfe gegen Opel bestätigen, zeichnet sich folgendes Bild ab: Die Abgasnachbehandlung wurde voll auf den Prüfstandzyklus zugeschnitten.

  • Im Labor wird bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad gemessen – außerhalb dieses "Thermofensters" wird die Nachbehandlung offenbar stark heruntergefahren.
  • Im NEFZ-Normtest werden Geschwindigkeiten von höchstens 120 km/h simuliert – sobald der Wagen schneller fährt, kann er sich also nicht mehr auf einem Prüfstand befinden.
  • Im NEFZ-Normtest wird nur sehr moderat beschleunigt – steigt die Drehzahl über 2400 Umdrehungen pro Minute, kann sich das Auto nicht in einem Normtest befinden.
  • Keines der zugelassenen deutschen Prüfzentren befindet sich mehr als 850 Meter über dem Meeresspiegel – befindet sich das Auto entsprechend hoch, kann es sich nicht in einem Normtest befinden.
  • Vor einem zulässigen Normtest muss das Auto bei 20 bis 30 Grad abgestellt gewesen sein – die DUH hatte Opel bereits früher vorgeworfen, diese „Konditionierung“ zu erkennen und in einen Prüfstandmodus zu schalten.

Opel hat sich zusammen mit anderen deutschen Autoherstellern wie Audi, Porsche, Mercedes und Volkswagen bereits verpflichtet, in diesem Jahr insgesamt 630.000 Fahrzeuge wegen auffällig hoher Abgaswerte zurückzurufen und nachzubessern. Beim Astra wären wesentlich mehr Fahrzeuge betroffen als beim Zafira.

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