Audi: Audi deckt Verstrickungen des Vorgängerunternehmens Auto Union in NS-Verbrechen auf

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Der Audi-Betriebsrat will die Rentenkasse umbenennen.

von Harald Schumacher

Audi hat in den vergangenen vier Jahren seine NS-Vergangenheit aufgearbeitet.

Eine mehr als 500 Seiten umfassende von zwei Historikern verfasste Studie, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorlag und am Montag als Buch erscheint, kommt zum Ergebnis, dass sich das Audi-Vorgängerunternehmen Auto Union „aus kriegswirtschaftlichen Interessen heraus in einem skandalösen Maße in den KZ-Komplex einbinden“ ließ. In sieben Konzentrationsaußenlagern, die von der SS für Auto Union eingerichtet wurden, wurden mehr als 3700 KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ausgebeutet. Weitere 16.500 Zwangsarbeiter, die nicht in Konzentrationslagern interniert waren, arbeiteten ebenfalls für Auto Union in Zwickau und Chemnitz. Rund ein Viertel der Häftlinge war jüdisch.

Im Lager Leitmeritz, einem Außenlager des KZ Flossenbürg, wurden weitere Tausende KZ-Häftlinge beim Bau einer Untertagefabrik eingesetzt. Laut Studie „steht die moralische Verantwortung“ des Auto-Union-Managements „für die Zustände in Leitmeritz, wo 18.000 KZ-Häftlinge eingesetzt wurden, von denen 4500 den Tod fanden, außer Frage.“

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Gemessen an der Zahl von insgesamt 50.000 Konzern-Mitarbeitern war der Anteil der Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge bei der Auto Union vergleichsweise hoch: „Auf dem Weg in die Riege der schwerstbelasteten Rüstungskonzerne wie Flick oder IG Farben kam das Kriegsende dem Auto-Union-Konzern zuvor“, ordnet die Studie die Verhältnisse bei Auto Union ein: „Nur das nahe Kriegsende verhinderte einen noch umfänglicheren KZ-Häftlings-Einsatz. Entsprechende Planungen lagen bereits vor.“

Als den wichtigsten Verantwortlichen für den Einsatz der KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter identifiziert die Studie den bislang im Unternehmen hoch geehrten Gründer der sächsischen Auto Union, Richard Bruhn. Bruhn führte die Auto Union von 1932 bis 1945 und nach der Neugründung im Westen von 1949 bis 1956. Nach dem Zusammenschluss mit NSU wurde das Unternehmen 1985 in Audi umbenannt.

Ab 1942 seien die Auto-Union-Entscheidungen fast ausschließlich Bruhn selbst anzulasten, heißt es in der Studie. „Über Regime-Nähe bedarf es bei Auto Union keiner Diskussion.“ Sie war „fest in das NS-Regime eingebunden“, der Ausbau zum internationalen Rüstungskonzern „eigeninitiiert“. Bruhn hielt „engste Beziehungen“ zur NSDAP, war seit 1933 Mitglied, später Wehrwirtschaftsführer und als einer der führenden Rüstungsmanager monatelang häufiger bei Albert Speer und Adolf Hitler in Berlin als in seinem Chemnitzer Büro.
1953 erhielt Bruhn das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, außerdem verlieh ihm die RWTH Aachen den Ehrendoktor. Audi ist nach Volkswagen, Daimler und BMW der letzte deutsche Autobauer, der sich den Ereignissen im „Dritten Reich“ stellt. Die neue Studie mit dem Titel „Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz bei der Auto Union AG Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“ wurde von dem Audi-Historiker Martin Kukowski und dem Chemnitzer Geschichtsprofessor Rudolf Boch verfasst. Sie erscheint im Franz Steiner Verlag.

Audi-Betriebsratschef Mosch "sehr betroffen über NS-Verstrickungen" der Auto Union - Ingolstadt bereitet Umbenennung von Straße vor

Audi-Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch äußerte sich gegenüber der WirtschaftsWoche „sehr betroffen über das Ausmaß der Verstrickungen der damaligen Auto-Union-Führung in das System der Zwangsarbeit und Sklavenarbeit. Dieses Ausmaß war mir nicht bewusst“, so Mosch. Der Betriebsratschef will sich nun für die Umbenennung einer der Audi-Pensionskassen einsetzen: „Ich werde im Aufsichtsrat der Pensionskasse eine Umbenennung vorschlagen, um Bruhn aus dem Namen ,Dr.-Richard-Bruhn-Hilfe-Altersversorgung der Auto Union‘ zu streichen.“
Audi will auch auf noch lebende Zwangsarbeiter zugehen, die für die Auto Union gearbeitet haben. Vor gut einer Woche hat Audi entschieden, auf die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zuzugehen, „um die Zwangsarbeitergeschichte rund um das KZ-Außenlager Leitmeritz aufzuarbeiten“. Die dortigen Häftlinge haben für die Auto Union gearbeitet. „Wir setzen auf Aufklärung“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler der WirtschaftsWoche.
Die Studie belastet auch Audi-Gründervater Richard Bruhn schwer. Seine Verstrickung in Nazi-Verbrechen könnte zur Umbenennung der nach ihm benannten Bruhnstraße in Ingolstadt führen. In der Studie wird er für den Einsatz und Tod von tausenden KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern mitverantwortlich gemacht. Außerdem wird ihm größte Nähe zum NS-Regime vorgeworfen. Bruhn war Chef des Audi-Vorgängers Auto Union im Dritten Reich und nach dem Krieg Gründer der Auto Union in Ingolstadt, die später in Audi umbenannt wurde.
Die Stadt Ingolstadt will Konsequenzen ziehen. „Es wird wohl darum gehen, ob die Bruhnstraße umbenannt wird“, sagte Oberbürgermeister Christian Lösel der WirtschaftsWoche. Sobald der Stadt die Audi-Studie vorliege, würden Ältestenrat und Stadtrat eingeschaltet. Audi hat die NS-Vergangenheit seines Vorläufers Auto Union in einer Studie aufarbeiten lassen, die am Montag als Buch erscheint.

Download: Erweiterter Forschungsbericht Auto Union
Download: Umfang und Interpretation des Einsatzes von Zwangsarbeitern für den Auto-Union-Konzern im Zweiten Weltkrieg

Die ganze Geschichte können Sie in unserem E-Magazin lesen oder in unserer App fürs iPhone und iPad.

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