Audi-Chefdesigner Marc Lichte: Wie Audi 2017 den Neustart zeigen will

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Audi-Chefdesigner Marc Lichte: Wie Audi 2017 den Neustart zeigen will

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Audi-Chefdesigner Marc Lichte soll den Auftritt der Marke umkrempeln.

von Stefan Grundhoff

Audi hat schwere Jahre hinter sich. Personalien floppten, das Design schlief ein und dann noch der Dieselskandal. 2017 soll ein Neustart für die Marke mit den vier Ringen werden – symbolisiert durch ein neues Design.

Zunächst schien es so, als käme Audi in der Öffentlichkeit weitgehend unbehelligt um Dieselgate herum. Doch als sich die Wogen insbesondere im Ausland weitgehend längst geglättet hatten, geriet das Ringe-Quartett und ihr Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler wegen Unregelmäßigkeiten bei dem Dreiliter-Diesel und einer anhaltenden Mauertaktik gegenüber den Aufklärungsorganen in den USA doch noch ernsthaft unter Druck.

Für die Audi-Verantwortlichen kam die Weihnachtspause daher gerade Recht. Neues Jahr – neues Glück – heißt es bei den Ingolstädtern wohl mehr als bei jedem anderen Autohersteller aus deutschen Landen. 2017 soll den Neustart bringen und genau der ist dringend nötig. Auf der North American International Autoshow in Detroit will Audi den Startschuss für ein stimmungsvolles Jahr 2017 setzen, das eine Trendwende in der Unternehmensgeschichte sein soll.

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Gut, dass man hierfür vorgebaut hat. Die Ingolstädter zeigen in den wenig stimmungsvollen Cobo-Hallen im Herzen von Downtown Detroit ihr bläulich schimmerndes Audi Q8 Concept. Mit großer Verzögerung endlich ein Konkurrenzmodell für den lange enteilten Bestseller BMW X6, der bereits in seiner zweiten Generation unterwegs ist und den ihm plagiativ hinterhereilendem Konkurrenten Mercedes GLE Coupé.

Das Q8 Concept ist eine Studie im Serienkleid, denn wer dem Blauling unter den eng geschnittenen Rock schaut, wird an der Karosserie gravierende Ähnlichkeiten zum späteren Serienmodell erspähen, das 2018 auf die internationalen Märkte rollt. Das schicke SUV-Coupé mit Designanleihen an Ur-Quattro ruft bei Audi eine neue Designsprache ins Leben – unter der Federführung des Chefdesigners Marc Lichte.

Neuer A8 soll Fortschritt zeigen

Für Marc Lichte, vor knapp drei Jahren von Wolfsburg nach Ingolstadt berufen, um die visuelle Audi-Lethargie endlich zu beenden, gab es seit Ende 2013 hinter zugezogenen Vorhängen alle Hände voll zu tun. Zunächst noch in VW-Diensten kreierte er in abendlichen Überstunden den neuen Audi A8, der im Herbst 2017 in den Handel rollt und den übermächtigen Konkurrenten Mercedes S-Klasse und 7er BMW nicht mehr chancenlos hinterhertrotten soll.

Lichte, gebürtiger Arnsberger mit eingebauten Zeichen-, Segel- und Sportwagengenen, legte nach dem A8 gleich noch die kleineren Brüder A6 und A7 sowie die erst nachträglich kreierte 2014er Los-Angeles-Studie des Prologue nach. „Unseren Modellen fehlte aus Sicht mancher Kunden die nötige Differenzierung“, erklärt Marc Lichte, „das wird sich zukünftig ändern. Jedes Audi-Modell hat einen eigenen Charakter und wird dies in seiner Formensprache zum Ausdruck bringen – sowohl im Exterieur als auch im Interieur.“

Audi-Chef in der Kritik Warum Rupert Stadler nicht mehr unantastbar ist

Falsche Abrechnungen, ungeklärte Vorwürfe und ein unglückliches Auftreten im Abgasskandal: Audi-Chef Rupert Stadler hat Fehler gemacht und Förderer im Konzern verloren. Ein weiterer Fehltritt könnte ihn den Job kosten.

Es wird eng für Audi-Chef Rupert Stadler. Quelle: imago

Audi hat in Sachen Design dringenden Handlungsbedarf. Die Studien der letzten Jahre verschwanden in Ingolstädter Katakomben und Serienmodelle wie A4, A5 oder Q5 sehen zu sehr nach ihren Vorgängergenerationen aus, teilweise wie aus dem Gesicht geschnitten. Marc Lichte werkelte seit Anfang 2014 zwischen den Welten. Nach drei Jahren Bauzeit eröffnet im kommenden Sommer das neue Designcenter in Ingolstadt. 40 Kreativkräfte können ihren Gedanken unter einem Dach im neuen sechsgeschossigen Bau, 71 Meter lang und 107 Meter breit, nicht zuletzt dank 5.100 Quadratmetern Glasfassade freien Lauf lassen.

Das Audi Q8 Concept dürfte auf der NAIAS 2017 für manch hoch gezogene Augenbraue sorgen. Doch der Trommelwirbel in Richtung A8 wird noch wichtiger, denn er soll innen wie außen ein neuer Designansatz sein und die Marke nach oben positionieren.

Verlorene Freunde und neue Gegner für Audi-Chef Rupert Stadler

  • Martin Winterkorn – Verschwundener Verbündeter

    Der Ex-VW-Chef stolperte über den Abgasskandal.

  • Ferdinand Piëch – Verschwundener Verbündeter

    Der frühere VW-Aufsichtsratschef spielt keine große Rolle mehr.

  • Ulrich Hackenberg – Verschwundener Verbündeter

    Einst gefeierter Audi-Technikchef, jetzt tief im Skandalsumpf.

  • Jörg Hofmann – Neuer Widersacher

    Der IG-Metall-Chef verlangt als VW-Aufsichtsrat eine zügige Skandalbewältigung.

  • Matthias Müller – Neuer Widersacher

    Der VW-Chef verliert die Geduld mit Stadler.

  • Stephan Weil – Neuer Widersacher

    Dem Ministerpräsidenten Niedersachsens liegt Wolfsburg näher als Ingolstadt.


Der etablierte Singleframe-Kühlergrill bleibt bestehen, doch im Gegensatz zum blassen A8 der Gegenwart soll der D5, wie er intern heißt, ein lautes Ausrufezeichen sein. Er wirkt flacher und kraftvoller, während von der Seite insbesondere die stark konturierten Radläufe ins Auge stechen. „Mit dem Audi Q8 Concept und dann in der Serie mit dem Audi A8 wird ein komplett neues Bedienkonzept ohne Schalter eingeführt – ein Grundprinzip, dem alle nachfolgenden Modelle folgen werden“, so Lichte.

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