Audi: US-Umweltbehörde EPA will offenbar Software prüfen

Audi: US-Umweltbehörde EPA will offenbar Software prüfen

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Die US-Umweltbehörde EPA will laut einem Bericht die Audi-Software prüfen.

Behörden in den USA und Europa nehmen die VW-Tochter Audi in die Mangel. Im Fokus stehen angebliche Täuschungen beim schädlichen Klimagas CO2. Und es geht nicht nur um Diesel-Fahrzeuge.

Die US-Umweltbehörde EPA nimmt eine möglicherweise illegale Software-Funktion in Modellen der VW-Tochter Audi einem Medienbericht zufolge genauer unter die Lupe. In der kommenden Woche müssten hochrangige Techniker des VW-Konzerns bei der EPA antreten, schreibt die „Bild am Sonntag“. Auch das US-Justizministerium hat demnach mehrere Audi-Ingenieure vorgeladen.

In Deutschland sollen Prüfer der Zeitung zufolge Audi-Fahrzeuge genauer testen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führe im Rahmen einer Sonderprüfung bei zahlreichen Audi-Modellen nun eigene Messungen durch, dabei gehe es vor allem um den Ausstoß des schädlichen Klimagases CO2. Das Bundesverkehrsministerium teilte am Sonntag mit, das KBA gehe dem Sachverhalt nach.

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Es geht um den Vorwurf, der Autobauer habe CO2-Messwerte auf illegale Weise manipuliert. Die „Bild am Sonntag“ hatte in der vergangenen Woche berichtet, die kalifornische Umweltbehörde Carb habe im Sommer eine illegale Software-Funktion in Modellen der Ingolstädter Konzerntochter entdeckt. Diese habe Audi nicht nur für Diesel eingesetzt, sondern auch für Benziner.

Welche Schadstoffe im Abgas stecken

  • Stickoxide

    Stickoxide (allgemein NOx) gelangen aus Verbrennungsprozessen zunächst meist in Form von Stickstoffmonoxid (NO) in die Atmosphäre. Dort reagieren sie mit dem Luftsauerstoff auch zum giftigeren Stickstoffdioxid (NO2). Die Verbindungen kommen in der Natur selbst nur in Kleinstmengen vor, sie stammen vor allem aus Autos und Kraftwerken. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen, zu Atemproblemen oder Augenreizungen führen sowie Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei.

  • Kohlenstoffdioxid

    Kohlendioxid (CO2) ist in nicht zu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Klimagas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht laut Umweltbundesamt rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland – hier spielt CO2 die größte Rolle. Es gibt immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos und mehr Lkw-Transporte. Außerdem mehren sich Hinweise darauf, dass Autobauer nicht nur bei NOx-, sondern auch bei CO2-Angaben jahrelang getrickst haben könnten.

  • Schwefeldioxid

    Bei der Treibstoff-Verbrennung in vielen Schiffsmotoren fällt auch giftiges Schwefeldioxid (SO2) an. In Autos und Lkws entsteht dieser Schadstoff aber nicht, was am Kraftstoff selbst liegt: Schiffsdiesel ist deutlich weniger raffiniert als etwa Pkw-Diesel oder Heizöl und enthält somit noch chemische Verbindungen, die bei der Verbrennung in Schadstoffe umgewandelt werden.

  • Feinstaub

    Winzige Feinstaub-Partikel entstehen entweder direkt in Automotoren, Kraftwerken und Industrieanlagen oder indirekt durch Stickoxide und andere Gase. Die Teilchen gelangen in die Lunge und dringen in den Blutkreislauf ein. Sie können Entzündungen der Atemwege hervorrufen, außerdem Thrombosen und Herzstörungen. Der Feinstaub-Ausstoß ist in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre deutlich gesunken. Städte haben Umweltzonen eingerichtet, um ihre Feinstaubwerte zu senken.

    Feinstaub entsteht aber nicht nur in den Motoren. Auch der Abrieb von Reifen und Bremsen löst sich in feinsten Partikeln. Genauso entstehen im Schienenverkehr bei jedem Anfahren und Bremsen feiner Metallabrieb an den Schienen. All das landet ebenfalls als Feinstaub in der Luft.

  • Katalysatoren

    Katalysatoren haben die Aufgabe, gefährliche Gase zu anderen Stoffen abzubauen. In Autos wandelt der Drei-Wege-Kat giftiges Kohlenmonoxid (CO) mit Hilfe von Sauerstoff zu CO2, längere Kohlenwasserstoffe zu CO2 und Wasser sowie NO und CO zu Stickstoff und CO2 um. Der sogenannte Oxidations-Kat bei Dieselwagen ermöglicht jedoch nur die ersten beiden Reaktionen, so dass Dieselabgase noch mehr Stickoxide enthalten als Benzinerabgase. Eingespritzter Harnstoff („AdBlue“) kann das Problem entschärfen: Im Abgasstrom bildet sich so zunächst Ammoniak, der anschließend in Stickstoff und Wasser überführt wird.

Dem Bericht zufolge konnten bestimmte Audi-Modelle mittels einer sogenannten Lenkwinkel-Erkennung feststellen, ob sie auf einem Rollenprüfstand sind und schalteten dann in einen „saubereren“ Fahrmodus. Die Vorwürfe sollen sich auf Motoren beziehen, von denen bislang nicht öffentlich bekannt war, dass sie im Fokus von Ermittlern stehen. Die „Bild am Sonntag“ berichtete, Audi habe diese Prüfstanderkennung jahrelang genutzt. Im Mai 2016 habe das Unternehmen den Einsatz dann gestoppt.

Auch VW-Juristen haben sich nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ zuletzt intensiv mit der möglichen Manipulation von Abgaswerten bei der Konzerntochter beschäftigt. Bei der Lenkwinkel-Erkennung kommen sie den Berichten zufolge zu dem Schluss, es sei „nicht auszuschließen“, dass Behörden diese als unzulässig einstuften. Demnach hätten die VW-Juristen außerdem festgestellt, dass nicht nur Fahrzeuge mit dem achtstufigen Automatikgetriebe AL 551 betroffen seien, sondern auch solche mit dem siebenstufigen DL 501, das sich in Modellen wie dem A5, A6 und A7 befinde.

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Audi-Slogan "Vorsprung durch Technik" Quelle: dpa

„Aufgrund der laufenden Gespräche mit den Behörden in den USA können wir uns lediglich zu der Situation in Europa äußern“, teilte Audi am Sonntag mit. Gegenüber dem KBA als zuständiger europäischer Genehmigungsbehörde habe Audi die technischen Hintergründe zu adaptiven Schaltprogrammen erläutert und technische Informationen zur Verfügung gestellt. „Weitere Gespräche mit dem KBA werden folgen.“ Im normalen Fahrbetrieb unterstützten diese lernenden Systeme den Fahrer, indem sie die Schaltpunkte an die jeweilige Fahrsituation optimal anpassten. „Adaptive Schaltprogramme können bei Prüfstandsmessungen zu verfälschten und nicht reproduzierbaren Ergebnissen führen.“

In den Vereinigten Staaten steht Audi wegen mehr als 80.000 Dieselautos mit illegaler Abgastechnik ohnehin schon unter Druck. Die Fahrzeuge sind mit 3,0-Liter-Motoren unterwegs, die laut US-Behörden mit einer speziellen Software zur Manipulation von Stickoxidwerten ausgestattet sind.

Sollte keine Möglichkeit gefunden werden, diese nach US-Recht verbotenen Programme zu beseitigen, drohen teure Rückkäufe der betroffenen Fahrzeuge. Es geht um teure Wagen wie Porsche Cayenne, VW Touareg und Audi-Luxusmodelle.

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