Audis Entwicklungschef muss weichen: VW schickt neuen Hoffnungsträger an Audis Technikfront

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KommentarAudis Entwicklungschef muss weichen: VW schickt neuen Hoffnungsträger an Audis Technikfront

von Martin Seiwert

Audi bekommt einen neuen Entwicklungschef. Die Botschaft ist unüberhörbar: Im Multimarkenkonzern Volkswagen gibt Wolfsburg mehr denn je den Ton an.

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Bisher war Ulrich Hackenberg Entwicklungschef bei VW, jetzt nimmt er diese Position bei Audi ein

Was seit gestern als Gerücht die Runde machte, ist nun offiziell: Ulrich Hackenberg, bisher Entwicklungschef der Marke Volkswagen, ist neuer Audi-Entwicklungschef. Der 63-jährige Hackenberg löst den acht Jahre jüngeren Wolfgang Dürheimer ab, der eine neue Aufgabe im VW-Konzern bekommen soll. Hackenberg übernimmt zusätzlich „die markenübergreifende Entwicklungssteuerung des Volkswagen Konzerns“, wie Volkswagen heute mitteilte.

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Hackenberg wird damit wenige Jahre vor der Rente eine der wichtigsten Führungskräfte des VW-Konzerns. Mit dem erfahrenen Ingenieur schickt VW-Chef Martin Winterkorn einen seiner engsten Vertrauten nach Ingolstadt – ganz offensichtlich nicht als Dauerlösung, sondern als Feuerwehrmann. Hackenberg soll Brände löschen, die Dürheimer nach Ansicht der Wolfsburger Führungsspitze nicht in den Griff bekommt.

Audi tut sich seit Jahren schwer mit der eigenen Maxime „Vorsprung durch Technik“. Technischen Vorsprung bei Sicherheits- und Assistenzsystemen beweist derzeit Mercedes, bei Leichtbau und Elektroantrieb hat BMW die Nase vorn. Das Carsharing von Daimler und BMW platzt aus allen Nähten – Audi muss bei diesem Thema gänzlich passen. Die Ingolstädter irren seit Jahren durch die Vielzahl alternativer Antriebsoptionen, kündigen Vorstöße an, um sie alsbald wieder abzublasen. Wenig aufregende neue Modelle wie etwa der Kleinwagen A1, der dem BMW Mini kaum das Wasser reichen kann, vervollständigen das Bild: Es läuft nicht wirklich rund bei Audi.

Noch ist Audi im Großen und Ganzen im Lot, wirft schöne Gewinne ab und hat als solide Premiummarke prima Zukunftsperspektiven. Deshalb wird auch Audi-Chef Rupert Stadler in Wolfsburg noch nicht in Frage gestellt. Doch an der Technikfront soll sich schnell etwas bewegen und dafür schickt Winterkorn nun seinen Buddy Hackenberg. Der glücklose Dürheimer muss schon nach einem dreiviertel Jahr wieder weichen. 

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Als Winterkorn selbst noch Audi-Chef war, gab es einen mächtigen Manager-Zirkel um Winterkorn namens „HDH“. Eines der beiden H stand für Hackenberg. Als Winterkorn nach Wolfsburg wechselte, blieb Hackenberg an seiner Seite. Die beiden waren es schließlich, die zusammen mit dem VW-Produktionsvorstand Hubert Waltl und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech das VW-Baukastensystem für die Entwicklung und die Produktion ersannen und umsetzten. Gut möglich, dass Hackenberg auch für die saubere Eingliederung von Audi in das Baukastensystem sorgen soll.

Fest steht, dass Hackenberg künftig auch konzernweit die Entwicklungskoordination übernimmt. Damit werden die VW-Marken, die alle auch eigene Entwicklungschefs haben, noch stärker kontrolliert, die Prozesse in Wolfsburg noch stärker zentralisiert. Auf die offizielle Zuständigkeit für die Entwicklungssteuerung darf sich Hackenberg etwas einbilden. Denn im VW-Vorstand sind „Forschung und Entwicklung“ ansonsten Chef-Sache. Es ist der Zuständigkeitsbereich, den Winterkorn für sich persönlich reserviert hat.

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