Aufsichtsrat: Daimler-Chefkontrolleur Bischoff in der Kritik

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Aufsichtsrat: Daimler-Chefkontrolleur Bischoff in der Kritik

von Martin Seiwert

Manfred Bischoff und Dieter Zetsche sind Kumpels aus schwerer Zeit. Investoren bemängeln die große Nähe der beiden zueinander.

Zwei Drittel aller Frauen, behaupten Modemagazine, finden Schnurrbärte grässlich. Dass dies Manfred Bischoff, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Daimler, und seinen Vorstandschef Dieter Zetsche nicht anficht, spricht für das Selbstbewusstsein der beiden. Das Daimler-Spitzenduo eint aber weitaus mehr – und sogar mehr, als kritischen Anlegern lieb ist.

Denn der Chefaufseher und der Beaufsichtigte sind Kumpels aus schwerer Zeit. Schon in den Siebzigerjahren arbeiteten sie als Daimler-Manager zusammen. In den Achtzigern saßen sie in der Geschäftsführung der brasilianischen Konzerntochter. In den Neunzigern hatten beide einen Sitz im Vorstand – Zetsche als Lenker der US-Daimler-Tochter Chrysler, Bischoff als Luftfahrtspartenchef.

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Kein Wunder, dass die beiden sich blendend verstehen. Bischoff sei der beste Kontrolleur, den er sich vorstellen könne, lobte Zetsche seinen Chefaufseher zu dessen 70. Geburtstag im Frühjahr 2012. Der Aufsichtsrat stehe voll hinter Zetsche, beteuerte Bischoff – und überraschte Investoren ein Dreivierteljahr später mit dem Plan, Zetsches Vertrag angeblich nicht nur um drei, sondern gleich um fünf Jahre zu verlängern.

Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment sieht die große Nähe der beiden Big Shots kritisch. Denn in der jetzigen Lage müsse Bischoff den Vorstandschef besonders stark hinterfragen: „Es ist nicht nur am Vorstand, etwas zu tun. Auch der Aufsichtsrat muss sich fragen lassen, was er machen will, um die Situation zu ändern.“ Unverhohlen äußert Speich, wie andere Großinvestoren auch, seine Kritik an der Personalpolitik Bischoffs: „Eine mögliche Verlängerung von Zetsches Vertrag um fünf Jahre“, so Speich, „erschließt sich mir nicht, drei Jahre wären völlig ausreichend. Dann könnte man später sehen, ob eine Verlängerung sinnvoll ist.“

Kurskorrekturen verlangt

Großinvestoren haben inzwischen einen Plan ausgearbeitet, wie Daimler wieder in die Spur kommt: Sinnvoll sei eine „andere Konzernstruktur mit kleineren, schlagkräftigeren Einheiten“. So solle etwa die Autosparte eine „separate Einheit sein und auch als solche geführt werden können“ – und nicht nur, wie ein Investor kritisiert, „im Verbund mit dem gesamten, hoch komplexen Daimler-Universum“.

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Ganz ähnlich die Stoßrichtung der Fondsgesellschaft DWS: „Wir halten nichts davon, dass Herr Zetsche sowohl Konzernchef als auch Chef der Autosparte ist“, sagt Fondsmanager Stefan Bauknecht. „Wir würden es befürworten, wenn es einen eigenen Chef für die Autosparte geben würde, damit diese Einheit mehr Freiheit hat und schneller handeln kann.“

In den kommenden Wochen, so heißt es in Frankfurt, wollen insbesondere Fondsvertreter mit dicken Daimler-Aktienpaketen bei Bischoff vorstellig werden, um den Konzernumbau und einen neuen Chef für die Autosparte zu fordern. Auf ein Gespräch mit dem Chefkontrolleur hoffen sie schon lange. Doch bislang beschied Bischoff ihre Anfragen negativ. Auch nach der Hauptversammlung im vergangenen Jahr, wo viele Großaktionäre ihrem Unmut über Zetsches Kurs Luft machten, erhielten sie keine Audienz. „Aufsichtsratschefs anderer Dax-Konzerne nehmen solch eine harsche Kritik zum Anlass, das Gespräch zu suchen“, sagt ein Fondsmanager. „Nicht so Herr Bischoff. Aber wir geben nicht auf.“

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