Außerordentliche Hauptversammlung: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum ADAC

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Außerordentliche Hauptversammlung: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum ADAC

, aktualisiert 06. Dezember 2014, 13:10 Uhr
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Der ADAC kämpft um seine Glaubwürdigkeit und lädt am 6. Dezember zu einer außerordentlichen Hauptversammlung.

von Rebecca Eisert

Rund 190 ADAC-Delegierte sind in München zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zusammengekommen, um über eine umfassende Reform des Autoclubs zu beraten - das hat es seit 1948 nicht mehr gegeben. Das Präsidium will den ADAC wieder glaubhaft machen.

2014 war ein schweres Krisenjahr für den ADAC. Nun will der Autoclub neu durchstarten und mit reformierten Strukturen Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Der Verein soll in drei Bereiche aufgeteilt werden.. Dem Totalschaden ist Deutschlands größter Autoclub mit 19 Millionen Mitgliedern nur knapp entkommen.

Warum hat der ADAC zur außerordentlichen Hauptversammlung geladen?

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Der krisengeschüttelte ADAC will sich mit einer umfassenden Strukturreform neu aufstellen und Vertrauen zurückgewinnen. Rund 190 Delegierte kamen am Samstag in München zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zusammen, um über das Programm „Reform für Vertrauen“ zu beraten. Im Kern will Europas größter Autoclub mit knapp 19 Millionen Mitgliedern ein Verein bleiben und an der Pannenhilfe sowie anderen Serviceleistungen für Auto- und Motorradfahrer festhalten. Zugleich will der ADAC für transparente Strukturen seine wirtschaftlichen Aktivitäten in eine Aktiengesellschaft ausgliedern.

Wie kam es dazu?

ADAC-Präsident Peter Meyer ist am 10. Februar von seinem Amt zurückgetreten. Der 64-Jährige war seit 2001 an der Spitze des Automobilclubs. Er zog die Konsequenzen aus dem Manipulationsskandal rund um den ADAC-Publikumspreis "Gelber Engel". Club-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte die Zahl der abgegebenen Stimmen frisiert.

34.299 Stimmen seien für den Golf abgegeben worden, so steht es in einem offiziellen ADAC-Papier - magere 3409 Stimmen sollen es nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" tatsächlich gewesen sein. Ramstetter musste gehen, der ADAC hat sich kürzlich außergerichtlich mit ihm geeinigt.

In der Folge kam eine Reihe weiterer Verfehlungen des ADAC ans Licht. So wurden Rettungshubschrauber als Shuttle für Präsidiumsmitglieder missbraucht. Die Maschinen werden aus Bundesmitteln, Krankenkassenbeiträgen, durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert.

Pannenhelfer wurden mit Prämien für das Einbauen neuer Batterien entlohnt, eine ADAC-Managerin organisierte im Jahr 2012 für ihren Sohn und dessen Kumpel Plätze in einem Ambulanz-Jet des ADAC nach Ägypten, nachdem diese ihren regulären Flug zuvor verpasst hatten.

Hauptversammlung Der ADAC sucht nach dem richtigen Weg

Der krisengeplagte ADAC will zurück in die Spur finden. Das Reformprogramm wird auf der Hauptversammlung diskutiert, konkrete Beschlüsse sind noch nicht zu erwarten – dafür allerdings Besuch aus dem Kanzleramt.

ADAC-Autos Quelle: dpa

Was hat sich seither geändert?

Als erste Reaktion auf den Skandal hatte der ADAC im Februar einen Zehn-Punkte-Plan zur Erneuerung vorgelegt. Als Sofortmaßnahmen wurde festgelegt, dass:

  • Pannenhelfer ab sofort keinen Bonus für den Verkauf von Batterien bekommen
  • ADAC-Hubschrauber künftig ausnahmslos im Rahmen der Rettungshilfe eingesetzt werden
  • kein Test mehr ohne doppelte Qualitätskontrolle stattfinden wird

Der ADAC hat in den vergangenen Monaten seine Mitglieder und seinen Angestellten befragt sowie einen externen Beitrat eingerichtet, der ihn beim Reformprozess unterstützt. Der Beirat besteht aus Jürgen Heraeus, Unicef Deutschland, Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Edda Müller von Trancparency International Deutschland und Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft.

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman arbeitete an den Reformen mit, die Großkanzlei Freshfields entwickelte eine Compliance-Struktur. Ein neuer Chief Compliance Officer soll über die Einhaltung des neuen Regelwerks für transparente und gute Unternehmenskultur wachen.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

  • Was gehört zum Unternehmen ADAC?

    Neben dem Verein hat der ADAC viele Firmen gegründet. Sie wickeln die zahlreichen Geschäfte ab. Dazu zählen etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die Firmen unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH. Insgesamt verbuchte der ADAC dort 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro. Rund 8600 Menschen arbeiten beim ADAC. Damit ist der Club ein stattliches Unternehmen, auch wenn es gemessen am Umsatz bei weitem nicht für die Top 100 in Deutschland reicht.

  • Was finanziert der ADAC mit den Beiträgen?

    2012 knackte der ADAC erstmals die Milliarden-Euro-Grenze bei den Mitgliedsbeiträgen. 2012 flossen knapp 323 Millionen Euro in Hilfeleistungen wie den Pannendienst oder die Luftrettung. Für den Mitgliederservice wie etwa Geschäftsstellen flossen knapp 155 Millionen Euro, für die Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ 53 Millionen Euro. Gut 343 Millionen Euro gingen in die Beiträge zur Gruppenversicherung für die Mitglieder.

  • Verdient der ADAC als e.V. denn Geld?

    Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Vereine kein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb sein dürfen. Deswegen hat sich im ADAC die Doppelstruktur aus Verein und den Tochterunternehmen entwickelt. Diese erzielen nicht alle Überschüsse, die Luftrettung etwa ist ein Zuschussgeschäft. Unter dem Strich nimmt der ADAC allerdings in der Regel mehr Geld ein als er ausgibt. Auch der Verein erzielt Überschüsse und zahlt Steuern. Die erwirtschafteten Mittel fließen in die Rücklage oder werden investiert. Die Struktur des ADAC war in den vergangenen Jahren immer wieder umstritten.

Was soll sich jetzt noch ändern?

Der ADAC gibt sich eine neue Struktur. Den Verein soll es weiterhin geben und in ihm auch die Pannenhilfe organisiert sein. Statt der bisherigen Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH soll es künftig eine AG geben. In ihr sollen die wirtschaftlichen Aktivitäten gebündelt sein, wie etwa Autovermietung oder Versicherungen.

Der Verein wird an dieser AG nur noch 74,9 Prozent halten, wie das Nachrichtenmagazin Spiegel in Erfahrung gebracht hat. Die restlichen 25,1 Prozent - und damit Sperrminorität und ein aktienrechtliches Vetorecht - soll einen neu zu gründende Stiftung halten. Im Aufsichtsrat der Stiftung soll es keine Vorherrschaft des ADAC geben. Die Stiftung soll gemeinnützige Aufgaben finanzieren, etwa Forschungsprojekte zur Unfallprävention oder Hilfe für Unfallopfer.

Was sind die nächsten Schritte?

Das Amtsgericht München muss entscheiden, ob der ADAC den Vereinsstatus behalten darf. Vom Ausgang des Verfahrens hängt für den ADAC viel ab. Er ist zwar kein gemeinnütziger Verein, doch auch als so genannter Idealverein genießt er Privilegien. Er darf zum Beispiel die Mitgliedsbeiträge steuerfrei vereinnahmen. Der ADAC zahlt allerdings auf zehn Prozent der Basismitgliedschaft 19 Umsatzsteuer. Bisher ist der ADAC mit dem eingetragenen Verein als Mutter konstruiert, der über Tochterfirmen – beim ADAC sind sie in der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH als Holding gebündelt – wirtschaftlich tätig ist. Entscheidend für die Beurteilung des Gerichts ist nun, ob in der neuen Konstruktion der Verein nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet ist.

Ein Idealverein soll nämlich weder Waren noch Dienstleistungen am Markt anbieten und auch nicht gewinnorientiert agieren. Er soll stattdessen in der Satzung festgelegten ideellen Zwecken dienen. Das Registergericht muss zum Beispiel die Frage klären, ob eine Tätigkeit wie die Pannenhilfe ideellen Zwecken dient oder ob sie doch eher eine Versicherungsleistung ist.

Wer wird den ADAC künftig führen?

August Markl ist auf der außerordentlichen Hauptversammlung zum neuen Präsident des ADAC gewählt worden. Der Radiologe leitet seit 2001 den Regionalclub Südbayern. Markl ist Mitglied im Verwaltungsrat des ADAC und ist Vorsitzender des ADAC Kulturkreise. Als Peter Meyer im Zuge der Krise um Fälschungen beim ADAC-Autopreis im Februar das Handtuch geworfen hatte, hatte Markl das Amt des Präsidenten bereits kommissarisch übernommen. Er hatte am Samstag keinen Gegenkandidaten und bekam 180 von 218 abgegebenen Stimmen. Markl bedankte sich für das Vertrauen.

Der Präsident wird normalerweise für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt, da es sich um einen außerordentlichen Wechsel handelt, beträgt die Amtszeit nur noch zweieinhalb Jahre.

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Ist Markl der richtige Mann dafür?

Markl genießt im ADAC großen Rückhalt - eine Grundvoraussetzung für den begonnenen Wandel. Aber er steht auch für das alte System. Kritiker bezweifeln, dass er zur Gallionsfigur des Neuanfangs werden kann. Doch keiner kennt die Strukturen und ihre Schwächen so gut wie der amtierende Interimschef. Man habe berechtigterweise viel Kritik einstecken müssen, erklärt er wenige Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung. "Die Strukturen waren intransparent, an manchen Stellen kam der Verbraucherschutz zu kurz, wir haben die Mitglieder nicht richtig eingebunden und hatten mancherorts keine gute Vereins- und Unternehmenskultur." Wer persönlich mit Markl spricht, gewinnt den Eindruck, dass er es ernst meint mit dem Neuanfang.

Fakt ist aber auch: Die Aufgabe ist riesig. Das zeigt sich etwa daran, dass der zurückgetretene Präsident Meyer noch immer Vorsitzender des mitgliederstärksten Regionalclubs Nordrhein ist. Auch scheut sich der ADAC das Thema Vertragsanwälte anzupacken. Ehrenamtliche Funktionäre bekleiden in Doppelfunktion auch das Amt eines Vertragsanwalts. Kritiker sehen hier eine Vermischung von finanziellen Interessen mit dem Ehrenamt. Die Beirats-Sprecherin Edda Müller hatte sich für eine Trennung der Funktionen stark gemacht, konnte sich damit aber wohl nicht durchsetzen.

Ein erster Sieg für die Reformer im ADAC: Die Fernbus-Kooperation mit der Post wurde gestoppt. Das habe ebenso nicht zum neuen Leitbild gepasst, wie die ADAC-eigene Werkstatt-Kette. Das Projekt wurde Anfang September gestoppt. Werkstätten, die sich bereits qualifiziert hatten, werden für ihre Aufwendungen entschädigt.

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