Auto-Zulieferer: Magna kauft Getriebe-Spezialisten Getrag

Auto-Zulieferer: Magna kauft Getriebe-Spezialisten Getrag

, aktualisiert 16. Juli 2015, 16:39 Uhr
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Der kanadisch-österreichische Magna-Konzern kauft Getrag.

Getrag wird kanadisch: Der Zuliefer-Riese Magna hat den schwäbischen Getriebe-Spezialisten gekauft. Die Gründerfamilie war seit längerem auf der Suche nach einem finanzstarken Partner – der nun gefunden ist.

Die Neuordnung bei den Autozulieferern geht weiter: Der kanadisch-österreichische Konzern Magna kauft für etwa 1,75 Milliarden Euro den deutschen Getriebehersteller Getrag, wie beide Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Mit Magna an der Seite stoße Getrag in eine ganz neue Dimension vor, sagte der Chef des bisherigen Familienunternehmens, Mihir Kotecha. Mit dem neuen Eigentümer werde das Unternehmen künftig noch robuster gegen Marktschwankungen.

Kotecha sagte in einer Telefonkonferenz weiter, die Auftragsbücher des Unternehmens seien gut gefüllt. Magna-Chef Don Walker sagte, im Zuge der laufenden Überprüfung habe man festgestellt, dass der Ausbau des Bereichs Antriebsstrang eine strategische Priorität habe. Getrag sei ein Technologieführer in seinem Produktbereich. Im Zuge des Geschäfts übernimmt Magna auch Schulden in Höhe von 700 Millionen Euro. Insgesamt werde damit der mehr als 80 Jahre alte Familienbetrieb aus Untergruppenbach in Baden-Württemberg bei dem Geschäft mit 2,45 Milliarden Euro bewertet.

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Der konsolidierte Umsatz betrug im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Euro, hinzu kommen weitere 1,6 Milliarden Euro an Erlösen aus Gemeinschaftsunternehmen. Getrag stellte im vergangenen Jahr 3,9 Millionen Getriebe her und beschäftigte weltweit 13.500 Mitarbeiter, davon 4950 in Deutschland.

Womit die Zulieferer zu kämpfen haben

  • Hoher Finanzbedarf

    Immer mehr Innovationen müssen von den Zulieferern selbst kommen. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben steigen dadurch stark an. Die Zulieferer müssen stärker in Vorleistung gehen und tragen damit ein höheres unternehmerisches Risiko.

  • Globalisierung

    Die Autokonzerne bauen immer mehr Werke in Asien oder Mexiko. Damit steigt der Druck auf die Zulieferer, ebenfalls in neue Standorte zu investieren.

  • Benachteiligung von Mittelständlern

    Global agierende Autokonzerne schreiben ihre Aufträge immer öfter für die weltweite Produktion aus. Viele mittelständische Zulieferer können weder die geforderten Stückzahlen herstellen noch den Konzernen einfach ins Ausland nachfolgen.

  • Hoher Preisdruck

    Autokonzerne wie PSA und GM bilden immer öfter Einkaufsgemeinschaften, gleichzeitig steigt die Zahl von Modulbaukästen für die identische Teile in sehr hoher Stückzahl benötigt werden. Beides führt dazu, dass der Preisdruck steigt. Die Zahl der Zulieferer, die das leisten kann, sinkt.

IG Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger bedauerte den Verkauf. „Andererseits begrüßen wir es, dass mit Magna ein strategischer Investor gefunden wurde, bei dem Getrag gut ins Portfolio passt“, meinte Zitzelsberger. Die klare Erwartung sei, dass die Arbeitsplätze erhalten blieben und die Standorte zukunftssicher gemacht würden. „Darüber werden wir zeitnah Gespräche mit der Unternehmensleitung führen.“

Es sei kein Stellenabbau geplant, sagte ein Getrag-Sprecher auf Anfrage. Insgesamt besitzt das Unternehmen weltweit 23 Produktions- und Entwicklungsstandorte. Der Zulieferer war 2009 - während der weltweiten Wirtschaftskrise - mit einer Bürgschaft vom Land Baden-Württemberg gestützt worden, damit die Arbeitsplätze geschützt werden. Mittlerweile kann der Zulieferer aber sein Wachstum aus dem laufenden Geschäft finanzieren.

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Noch nie waren die Methoden der Autokonzerne gegenüber kleinen und mittelgroßen Subunternehmern so brutal. Und die Umgangsformen drohen weiter zu verrohen, weil Volkswagen, BMW und Co. Milliarden sparen wollen.

Auto-Zulieferer geraten zunehmend unter Druck Quelle: dpa Picture-Alliance

Magna will die Übernahme bis Ende 2015 abschließen. Dem Geschäft müssen die Kartellbehörden noch zustimmen. Getrag-Chef Kotecha sagte weiter, in der Vergangenheit habe es immer mal Gespräche gegeben.

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So hat das Stiftungsunternehmen ZF Friedrichshafen mit Sitz am Bodensee in der Vergangenheit den US-Zulieferer TRW Automotive gekauft. Das Unternehmen rückte damit unter die größten Zulieferer weltweit auf, steigt ins Geschäft mit Elektronik und Sicherheitstechnik im Auto ein und baut sich neue Kompetenz beim automatisierten Fahren auf. Zusammen kommen ZF und TRW derzeit auf rund 30 Milliarden Euro Jahresumsatz und beschäftigen etwa 138 000 Beschäftigte weltweit.

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