Autobauer in Brasilien: Das Risiko am Zuckerhut

ThemaAutobauer

Autobauer in Brasilien: Das Risiko am Zuckerhut

Bild vergrößern

Für deutsche Autobauer ist das aufwändige Geschäft in Brasilien voller Risiko

von Alexander Busch

Um die Reichen im Land zu bedienen, sind Audi, BMW und Mercedes gezwungen, in Brasilien zu fertigen. Doch die Eröffnung eigener Fabriken ist nicht ohne Risiko – für den Export taugt Brasilien nichts.

Wer die neueste Fabrik von BMW besuchen will, muss sich aufmachen nach Joinville. Die 500.000-Einwohner-Stadt liegt im Süden von Brasilien und nennt sich das „Manchester“ des Landes, in Anspielung auf die Textil- und Schwerindustrie der englischen Metropole, die es in der Region noch heute gibt. Von hier sind es weitere 50 Minuten Autobahnfahrt durch subtropischen Regenwald, bis der Besucher endlich vor einer eigentümlichen Fabrik steht: weiß, aus Blechwänden, ohne Schild und ohne den Namen des Eigentümers.

Die anonyme Halle spielt eine wichtige Rolle für BMW. Denn hier bereitet der bayrische Autobauer seine Offensive in Brasilien vor. „Das Firmenschild hat der lokale Zulieferer noch nicht fertig bekommen“, erklärt Gerald Degen. Der 44-jährige Manager, der zuvor in China und im Stammwerk in München arbeitete, zieht seit zwei Jahren die erste Produktion der Bayern in Brasilien hoch. Sein Zeitplan ist eng: Nach nur zehn Monaten Bauzeit laufen auf dem Areal, auf dem zuvor Rinder grasten, die ersten 3er-Limousinen vom Band.

Anzeige

Deutsche liegen im Premium-Automarkt Brasilien vorne

  • BMW

    BMW hat als größte Premiummarke 2014 in Brasilien 13.515 Fahrzeuge* verkauft – bei einem Gesamtmarkt für Premiumautos von 50.205 Stück.

    *Januar bis November

    Quelle: Anfavea

  • Audi

    Auf BMW folgt Audi mit 11.334 Stück.

  • Mercedes

    Wie auch in Deutschland muss sich Mercedes mit Rang drei begnügen. In Brasilien reichen dafür 10.367 Autos.

  • Porsche

    Porsche hat 2014 in Brasilien 745 Fahrzeuge verkauft.

  • Lexus

    Wie auch in Europa ist die Toyota-Edeltochter Lexus im Vergleich zur deutschen Konkurrenz abgeschlagen – 205 Stück.

  • Jaguar

    Edle Limousinen und Sportwagen sind in Brasilien weniger gefragt. Jaguar kam 2014 auf 354 Stück.

  • Land Rover

    Die Jaguar-Schwester Land Rover zeigt mit seinen SUV-Modellen, was in Brasilien gefragt ist. Die Briten setzten 2014 8.541 Autos ab – und kommen damit fast an die drei deutschen Marken heran.

  • Mini

    Auch für Premium-Kleinwagen gibt es in Brasilien einen Markt, Mini verkaufte 2.278 Stück.

  • Volvo

    Volvo konnte 2014 in Brasilien 2.866 Autos verkaufen.

Zwar stammen viele der 15.000 Einzelteile noch aus dem Stammwerk in München und von Zulieferern in Deutschland. Doch in einem Jahr sollen die Lackiererei und der Karosseriebau starten und damit die örtliche Wertschöpfung erhöhen. Dann werden hier neben den Serien 1 und 3 auch die geländegängigen Limousinen X1, X3 sowie die Mini-Variante Countryman produziert. 200 Millionen Euro lässt sich BMW das neue Werk kosten.

Autoimporteuren das Geschäft verhagelt

Weder die Fabrik noch die Eile, die Degen an den Tag legt, entspringen reinem unternehmerischem Kalkül. Denn eigentlich würden die Münchner ihre Autos weiterhin gern nach Brasilien exportieren, und zwar aus ihren Werken mit den hohen Stückzahlen und niedrigen Produktionskosten – wie etwa im amerikanischen Spartanburg oder in der bayrischen Landeshauptstadt. So haben sie schöne Wachstumsraten in Brasilien erreicht.

Doch das dürfen Ausländer nicht mehr so einfach. Vor drei Jahren verhagelte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff den Autoimporteuren das Geschäft, indem sie eine Fahrzeugsteuer von 30 Prozent verhängte. Zusammen mit dem üblichen Importzoll von 35 Prozent bedeutete das einen Aufschlag von 65 Prozent auf den Ladenpreis. Damit waren Anbieter wie BMW, die nur importierten, nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber Konkurrenten, die in Brasilien auch produzieren.

Die Regierung will auf diese Weise verhindern, dass Brasilien zu einem reinen Absatzmarkt für Pkws wird. Stattdessen soll der bevölkerungsreichste Staat Südamerikas mit seinen 200 Millionen Einwohnern einen Teil der Wertschöpfung der weltweiten Autoproduktion erbringen. Aus dem Dekret von vor drei Jahren ist inzwischen ein Deal mit der Branche geworden: Je mehr ein Autobauer im Land fertigt und in neue Technologien investiert, desto höhere Steuervergünstigungen erhält er. Auch wer eine Fabrik baut, kommt in den Genuss von Steuererleichterungen für Importe.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%