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Autobauer: Opel wird zum Chaos-Auto-Club

von Martin Seiwert

Stracke scheiterte an schlechten Zahlen. So titeln die Zeitungen. Der Opel-Chef habe miese Verkaufszahlen zu verantworten und muss eben weg. Die Erklärung für den für den völlig unerwarteten Rücktritt scheint gefunden.

Karl-Thomas Neumann

Der angeschlagene Autohersteller Opel hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Der Aufsichtsrat hat den ehemaligen Volkswagen-Manager Karl-Thomas Neumann nun offiziell zum neuen Chef bestimmt. Er soll den Posten zum 1. März antreten. Neumann war bis zum Sommer 2012 für das China-Geschäft von Volkswagen verantwortlich. Dass er den Posten als Nachfolger von Opel-Übergangschef Thomas Sedran bekommen würde, wurde schon vergangenes Jahr berichtet. Zunächst wurde allerdings mit einem späteren Amtsantritt Neumanns gerechnet, da seine Verpflichtungen bei VW noch bis Ende Juni liefen. Neumann erwartet eine schwierige Aufgabe: In den vergangenen Jahren hat Opel horrende Verluste angehäuft. Die GM-Tochter leidet besonders unter der Absatzkrise der Autobranche in Europa, auch weil ihr die Mutter den Zugang zu vielversprechenden Märkten außerhalb Europas verweigert. Neumann musste sich schon einmal als Krisenmanager beweisen: in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender beim Autozulieferer Continental von 2008 bis 2009. Damals strich er Tausende Jobs.

Bild: obs

Es mag stimmen, dass die Opel-Mutter General Motors (GM) Stracke wegen schlechter Absatzzahlen vom Chefsessel vertrieb. Doch gescheitert ist in diesem Fall nicht Stracke. Gescheitert ist die Europa-Strategie von GM. Denn egal was Stracke in den 15 Monaten, in denen er Opel-Chef war, gemacht oder nicht gemacht hätte – Opel stünde heute nicht anders da. Verantworten muss die Lage GM.
Sämtliche Volumenhersteller verzeichnen derzeit hohe, oft zweistellige Absatzeinbrüche in Europa. Die Modelle, mit denen Stracke dagegen ankämpfte, wurden vor drei, vier oder mehr Jahren beschlossen. Ganz zu schweigen vom Image der Marke Opel, das durch ein Dauerfeuer jahrelanger Negativschlagzeilen schon zu Strackes Amtsantritt ramponiert war. Es bräuchte einen Superman, um in gerade mal einem Jahr und mitten in der Krise mit neuen Produkten, niedrigeren Kosten und einem aufgefrischten Markenimage das Ruder herumzureißen. Doch Stracke kommt eben aus Rheinhessen und nicht vom Planeten Krypton. Wenn GM-Chef Dan Akerson etwas anderes angenommen hatte, dann muss man sich weniger um Stracke als um ihn sorgen.

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BMW

Im ersten Halbjahr legte BMW beim Umsatz um 8 Prozent zu auf insgesamt 33,5 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen lag bei 3,9 Milliarden - ein Minus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (4,1 Milliarden). Die Ebit-Marge im Segment Automobile liegt damit bei 11,6 Prozent. In Europa blieben die Zahlen annähernd stabil. Laut Branchenverband ACEA büßte die Gruppe beim Absatz in Europa ein Prozent ein, die Marke BMW an sich verlor 0,8 Prozent in Europa, Mini 1,6 Prozent. Allerdings ging es - zumindest für Mini - im Monat Juni schon wieder leicht bergauf, nämlich um 0,9 Prozent. BMW-Chef Reithofer ist zuversichtlich: „Wir sind auf dem besten Weg, im Gesamtjahr einen neuen Absatzrekord zu erzielen.“

Bild: dapd

Stracke hätte aber zumindest die Kosten entschiedener drücken müssen, könnte man erwidern. Klare, harte Schnitte, statt einer erneuten Schonfrist für das Werk Bochum bis 2017! Ja, das hätte Stracke tun können, und Opel ginge es mit ein oder zwei Werken weniger auf Dauer sicherlich besser. Aber erstens hätte das Opel in diesem, im nächsten, im übernächsten und auch im überübernächsten Jahr auf der Kostenseite nicht geholfen. Denn vor Ende 2014 durfte das Werk nicht dichtgemacht werden, und danach wären statt schöner Einsparungen erst mal hohe Abfindungszahlungen und andere Schließungskosten angefallen. Und zweitens darf es kaum Stracke angelastet werden, dass Opel mit seinen Überkapazitäten erst mal bis 2017 weitermacht. Denn sein ursprünglicher Sanierungsplan sah die Schließung des Bochumer Werks vor. Dass es dann doch anders kam, wurde erst vor wenigen Wochen entschieden und zwar nicht in Rüsselsheim, sondern in Detroit bei Akerson höchstpersönlich.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.07.2012, 19:47 UhrWahrheit29

    Es gibt zwei wesentliche Gründe für das Scheitern von Opel. Beide wurden von GM verursacht. Zum ersten können US Autobauer nur Autos für den eigenen US Markt produzieren. Sie waren mit ihren Produkten mit grösseren Stückzahlen nie auf dem Weltmarkt erfolgreich. Sie sind einfach nicht fähig gute Autos im Prämiensegment oder billige Autos für das untere Segment zu bauen. Opel könnte beides gelingen, allerdings bestimmt hier GM die Strategie in Europa und verhindert den Erfolg im Markt durch fehlende Nachhaltigkeit und mangelnde und Qualität der Produkte. Für GM zählt wie für viele US Firmen nur der schnelle Dollar. Zweites wird Opel gezielt vom Weltmarkt ausgeschlossen und damit die Produktionszahlen künstlich klein gehalten. Beide Fehler sind dem Missmanagemet von GM anzulasten und wird letztendlich Opel an die Wand fahren. Leider sind US Firmen und deren Management Beratungsresidet und gehen lieber zu Grunde anstatt ihre Fehler einzusehen.

  • 13.07.2012, 17:28 Uhrnicomanbanana

    Als Volumenhersteller verkauft Opel einfach zu wenig Autos um in die Gewinnzone zu fahren. Sämtliche Märkte bleiben Opel verwehrt. Die letzten 10 Jahre war es doch nur einer reiner Überlebenskampf. Ich sehe leider keine Zukunft für Opel. Ich vermute, daß es in ca. 7 - 8 Jahren die Firma Opel in der heutigen Form nicht mehr geben wird. Leider.

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