Autoindustrie: Chinas Autobauer kämpfen um ihren Markt

Autoindustrie: Chinas Autobauer kämpfen um ihren Markt

von Miguel Zamorano und Rebecca Eisert

Wie sich Chinas Autobauer aus der Klammer ihrer europäischen Kooperationspartner befreien wollen.

Auf dem Global Automotive Forum, das im Oktober 2011 im Chengdu stattfand, traten die Chefs der chinesischen Autobauer reihenweise ans Mikro. Sie sprachen über die technologischen Defizite ihrer Autos und den Vorsprung, den die westlichen Hersteller haben. „Es war das erste Mal, dass die Chefs so offen Tacheles gesprochen haben“ erzählt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach verwundert. Er war in Chengdu dabei.

Anzeige

Prognose Welt-Automarkt 2012

  • USA

    Nach Prognosen des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach steigen die Absätze im US-Markt auf 14 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Das ist der höchste Stand seit 2007.

  • China

    In China wird in 2012 mit einem niedrigen einstelligen Wachstum gerechnet und einem Absatz von dann 12,6 Millionen Pkw.

  • Russland

    Russland könnte mit einem geschätzten Pkw-Absatz von 3,2 Millionen erstmals Deutschland als fünftgrößten Einzelmarkt ablösen.

  • Deutschland - Europa

    Für den deutschen Markt wird mit einem leichten Rückgang der Pkw-Neuzulassungen auf etwa 3,1 Millionen gerechnet. Der Pkw-Absatz in Westeuropa wird um fast 6 Prozent sinken.

In den vergangenen Jahren fielen die chinesischen Modelle mit Pauken und Trompeten durch die Sicherheitstest der Euro-NCAP. Die Organisation führt Chrashtests für alle großen Hersteller durch. 2007 etwa wollte Brilliance eine günstige Luxuslimousine in Europa etablieren. Der BS6 bekam im Euro-NCAP- Crashtest einen von fünf Sternen, 2009 schaffte der kleinere Brilliance BS4 nicht mal den. Beim Frontalzusammenstoß mit 64 Stundenkilometern riss das Bodenblech auf, die Fahrgastzelle kollabierte und der Kopf des Dummies knallte wegen eines Airbag-Fehlers nahezu ungebremst auf das Lenkrad. Eine Blamage für die Chinesen.

Sicherere Autos

Doch die chinesischen Autobauer haben aus ihren Fehlern gelernt. Der Hersteller Geely erreichte kürzlich beim Euro-NCAP-Text vier Sterne mit seinem Modell Emgrand EC7 - so viele wie die Luxuslimousine Jaguar XF oder auch der Jeep Grand Cherokee. Mit besserer Qualität und sichereren Autos wollen Chinas Autobauer irgendwann auch im Westen Punkten, doch zu erst geht es darum, den heimischen Markt zu erobern.

Von China in die ganze Welt

Paul Lin, Manager von BYD (Build your Dreams), dem nach eigenen Angaben zweitgrößten Hersteller nach Absatz hinter Konkurrent Geely und Cherry, gab sich 2011 auf dem Automobilsalon in Genf selbstbewusst: "2015 sind wir Marktführer in China", sagte er. 2025 wolle er gar weltweit in der Branche die Nummer eins sein. Davon ist BYD noch ein gutes Stück entfernt. Auch, wenn das Unternehmen eine beachtliche Entwicklung hinter sich. Erst 2003 ist der Batterie-Hersteller ins Autogeschäft eingestiegen, 2010 hat er 520.000 Autos in China verkauft. Weniger als geplant, aber immerhin.

Bisher sind 64 Prozent der verkauften Wagen in China ausländische Marken, die in Kooperation mit mehrheitlich westlichen Herstellern vor Ort gefertigt werden. SAIC (Shanghai Industrial Automotive Corporation) und FAW (First Automobile Works) kooperieren mit VW und die Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC) arbeitet mit Daimler und Hyundai zusammen.

Infografik Deutsche Automobilhersteller in China

Wo die deutschen Automobilhersteller in China produzieren, wie viele Menschen dort arbeiten und wie die Kapazitäten ausgebaut werden sollen.

Infografik: Deutsche Automobilhersteller in China

Diese Kooperationen wurden einst von der politischen Führung vorgeschrieben, in der Hoffnung, die einheimischen Hersteller würden aus dieser Zusammenarbeit am meisten profitieren.

Schlechtes Image

Doch mit der Zusammenarbeit entstand auch eine große Abhängigkeit von den internationalen Partnern. BYD kooperiert ebenfalls mit Volkswagen und hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit Daimler gegründet. Das Image der ausländischen Marken ist weit besser als das der einheimischen. „Das ist aber nicht allein ein Problem des Image allein,“ sagt der Experte Bratzel, „das Thema Innovation und Produktqualität ist auch ein Problem“.

In diesem Bereich haben die westlichen Hersteller aus Sicht von Bratzel noch einen deutlichen Vorsprung. „VW und Co. wussten, dass sie mit der Kooperation in China mehr auf Innovationen und Entwicklung setzen mussten“, sagt Bratzel, „und das haben sie auch getan. Ein Beispiel: die Spritzspartechnologie. Da haben die Hersteller im Westen enorme Fortschritte gemacht.“ So haben die Hersteller ihren Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aus Fernost ausgebaut, die noch in den Kinderschuhen steckt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%