Autoindustrie: Nach Abgasskandal Elektroantriebe vorantreiben

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Autoindustrie: Nach Abgasskandal Elektroantriebe vorantreiben

Als große Branche stoße man eben auf offene Ohren - die Autoindustrie verteidigt in der VW-Debatte ihr Verhältnis zu den Regierenden. Und nennt sogleich ein Anliegen, für das sie politische Hilfe will.

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen rückt aus Sicht der Industrie Elektroantriebe noch stärker in den Blickpunkt. „Die modernsten und effizientesten Benziner und Diesel werden noch eine ganze Zeit gebraucht“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), der Deutschen Presse-Agentur. „Gleichzeitig kommt es aber darauf an, die Elektromobilität noch entschiedener, auch durch entsprechende Rahmenbedingungen, voranzutreiben.“

Die Branche hatte schon vor dem Skandal weitere Impulse gefordert, etwa steuerliche Anreize. Sonst sei das Ziel der Bundesregierung nicht erreichbar, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen.

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Der frühere Bundesverkehrsminister widersprach dem Vorwurf, zwischen der Branche und Politik bestehe eine zu große Nähe. „Die Politik hat uns nie einfach blind etwas abgenommen“, sagte Wissmann. Man habe auch nie versucht, sich unlautere Vorteile zu verschaffen. „Dass aber die Automobilindustrie mit Informationen Gehör findet, bei einer Industrie, von der in Deutschland fast fünf Millionen Menschen abhängen, finde ich eigentlich selbstverständlich.“

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Dass andere Hersteller wegen der Krise nun weniger Autos verkaufen, erwartet Wissmann nicht. Er rief alle Unternehmen auf, die Vorschriften genau einzuhalten. „Denn klar ist: Ein solch schwerwiegender Vorgang kostet Vertrauen, und der darf sich auf keinen Fall wiederholen.“ Europas größter Autobauer Volkswagen wird seit September von einem Skandal um manipulierte Schadstoffmessungen erschüttert, Millionen Autos müssen in die Werkstatt. Dies habe aber nicht die ganze deutsche Autoindustrie in die Krise gestürzt, hob Wissmann hervor. „Wir haben Hunderte von Unternehmen, Herstellern und Zulieferern. Man darf nicht, wenn Fehler gemacht werden bei einem, auf alle schließen.“ Weltweit, auch auf den wichtigen Absatzmärkten in Asien und Amerika, könne man da sehr wohl unterscheiden.

Die VW-Führung habe zugesagt, der Vertrauenskrise mit maximaler Transparenz und Konsequenz zu begegnen. „Ich glaube, der Weg, der gegangen wird, über eine grundlegende Erneuerung der Compliance-Organisation - auch mit einer entsprechenden neuen Vorstandsfrau - ist der strategisch richtige und gleichzeitig der Ansatz, mit eisernem Besen zu kehren.“

VW-Skandal Chefin der kalifornischen Umweltbehörde kritisiert VW scharf

Mary Nichols, Chefin der kalifornischen Umweltbehörde „California Air Resources Board“ (CARB), kritisiert den Umgang von Volkswagen mit dem Abgasskandal scharf.

VW Quelle: AP

Der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen rückt aus Sicht der Industrie Elektroantriebe noch stärker in den Blickpunkt. „Die modernsten und effizientesten Benziner und Diesel werden noch eine ganze Zeit gebraucht“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), der Deutschen Presse-Agentur. „Gleichzeitig kommt es aber darauf an, die Elektromobilität noch entschiedener, auch durch entsprechende Rahmenbedingungen, voranzutreiben.“

Die Branche hatte schon vor dem Skandal weitere Impulse gefordert, etwa steuerliche Anreize. Sonst sei das Ziel der Bundesregierung nicht erreichbar, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen.

Der frühere Bundesverkehrsminister widersprach dem Vorwurf, zwischen der Branche und Politik bestehe eine zu große Nähe. „Die Politik hat uns nie einfach blind etwas abgenommen“, sagte Wissmann. Man habe auch nie versucht, sich unlautere Vorteile zu verschaffen. „Dass aber die Automobilindustrie mit Informationen Gehör findet, bei einer Industrie, von der in Deutschland fast fünf Millionen Menschen abhängen, finde ich eigentlich selbstverständlich.“

Dass andere Hersteller wegen der Krise nun weniger Autos verkaufen, erwartet Wissmann nicht. Er rief alle Unternehmen auf, die Vorschriften genau einzuhalten. „Denn klar ist: Ein solch schwerwiegender Vorgang kostet Vertrauen, und der darf sich auf keinen Fall wiederholen.“

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