Automarkt bricht ein: Katerstimmung bei Chinas Audi-Händlern

Automarkt bricht ein: Katerstimmung bei Chinas Audi-Händlern

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Kaum Besserung in Sicht. Autohändler Qain in Shangahi

von Philipp Mattheis

Monatelang meldeten deutsche Autohersteller in China Rekordabsätze. Die Nachfrage war da schon längst eingebrochen. Was ist da los? Zu Besuch bei einem Audi-Händler.

Menschen, die sehr schnell zu Geld gekommen sind, haben oft einen eigenwilligen Stil. Chinesen bilden da keine Ausnahme. Die vier Männer im Ausstellungsraum eines Audi-Händlers tragen unter anderen türkise Lackschuhe, karottenförmige Baumwollhosen, knallenge, semitransparente schwarze T-Shirts und Gürtel mit faustgroßen Hermes-Schnallen.

Sie haben Glatze, Geld, ignorieren das Rauchverbot, trinken grünen Tee und scheinen es gewohnt zu sein, dass junge Frauen sie bedienen. Ansonsten aber sind sie freundlich, und Geschäftsführer Tony Qian freut sich zurzeit ohnehin über jeden Kunden. „Das ist die schlechteste Phase, seit ich in der Branche arbeite“, sagt der 43-Jährige.

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Fahrzeugproduktion und -absatz in China seit 2008

  • 2008

    Produktion: 6,74 Millionen Autos und 2,56 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 6,76 Millionen Autos und 2,63 Millionen Nutzfahrzeuge

    Quelle: Statista.de

  • 2009

    Produktion: 10,38 Millionen Autos und 3,41 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 10,33 Millionen Autos und 3,31 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2010

    Produktion: 13,9 Millionen Autos und 4,37 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 13,76 Millionen Autos und 4,3 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2011

    Produktion: 14,49 Millionen Autos und 3,93 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 14,47 Millionen Autos und 4,03 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2012

    Produktion: 15,52 Millionen Autos und 3,75 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 15,5 Millionen Autos und 3,81 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2013

    Produktion: 18,09 Millionen Autos und 4,03 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 17,93 Millionen Autos und 4,06 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2014

    Produktion: 19,92 Millionen Autos und 3,8 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 19,7 Millionen Autos und 3,79 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2015

    Produktion (Januar-März): 5,31 Millionen Autos und 0,89 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz (Januar-März): 5,31 Millionen Autos und 0,85 Millionen Nutzfahrzeuge

Qian leitet seit 2011 eine Audi-Niederlassung in Minhang, einem Randbezirk in Shanghai, mit 140 Angestellten. 1440 Autos muss Qian laut Vertrag im Jahr verkaufen. Nur dann erhält er von Audi einen Bonus. Wobei „Vertrag“ vielleicht nicht das richtige Wort ist, denn das impliziert eine Abmachung zwischen zwei Partnern. Zwischen Qian und Audi läuft es etwas einseitiger ab: Er erhält eine E-Mail, in der steht, wie viele Autos er verkaufen soll. Die muss er ausdrucken, unterschreiben und zurückschicken. Verhandlungsspielraum? Null. Proteste werden ignoriert.

Lange Zeit funktionierte das System

Lange Zeit hatte Qian auch gar keinen Grund zu protestieren. Das System funktionierte gut, ohne dass irgendjemand daran etwas auszusetzen hatte. Chinas Automobilmarkt wuchs jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich. Und besonders gerne kauften die Chinesen deutsche Nobelautos. Mercedes, BMW, Audi. Die Prognosen für die kommenden Jahre überschlugen sich: 20 Millionen verkaufte Wagen 2015. 50 Millionen 2020.

Doch seit ein paar Monaten brechen die Zahlen ein. Volkswagen verkaufte allein im Juni 20 Prozent weniger Autos als im Vorjahr. Audi senkte die Absatzprognose von 600.000 Fahrzeugen 2015 auf den Vorjahresstand von 578.000. Audi-Chef Dietmar Voggenreiter, der das China-Geschäft über sechs Jahre lang leitete, ließ sich vergangenen Monat nach Ingolstadt versetzen. Und BMW kündigte an, seine Händler in China mit einem Millionenprogramm zu unterstützen.

Schwäche in China Audi senkt Absatzprognose

Vier von zehn Audis werden inzwischen in China verkauft. Deshlab bekommen die Ingolstädter die schwächere Nachfrage in Fernost stark zu spüren – und kassieren ihre Absatzprognose. Dennoch soll 2015 ein Rekordjahr werden.

Audi will auch 2015 einen Verkaufsrekord einfahren – trotz der Schwäche in China. Quelle: dpa

Qian sieht weniger die Konkurrenz von BMW oder Mercedes als Gefahr als die eigenen Händler. „Der nächste Audi-Laden ist gerade einmal 15 Minuten entfernt“, sagt er. „Der Wettbewerb ist gnadenlos.“

Steigende Immobilienpreise stützten den Boom

Auf den Druck können die Händler nur reagieren, indem sie die Preise senken. Teilweise werden Nachlässe von über 30 Prozent gewährt. Qian passt seine Preise wöchentlich an. Lange aber, meint er, kann das nicht so weitergehen. Dabei ist er noch nicht einmal am schlimmsten dran, denn sowohl der Standort Shanghai als auch der Markt für Premiumfahrzeuge sind vom neuen Abschwung weniger hart betroffen.

Über Jahre hinweg funktionierte Chinas Wirtschaft, weil die Immobilienpreise stiegen. Die Menschen kauften Wohnungen, und weil die Preise stiegen, bekamen sie Kredite, um sich damit iPhones, Kühlschränke und deutsche Autos zu kaufen. Seit einigen Monaten aber fallen die Preise für Wohnungen.

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