Automesse Detroit: Alles eine Nummer größer

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Automesse Detroit: Alles eine Nummer größer

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NAIAS: Die Neuheiten der Detroiter Automesse 2016.

von Franz W. Rother

An sparsamen Autos hat Nordamerika wegen der niedrigen Kraftstoffpreise derzeit kein Interesse, gefragt sind wieder einmal PS-starke Geländewagen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Die Detroit Auto Show dominieren erneut die Kraftprotze.

1,20 Euro der Liter Superbenzin inklusive Mehrwertsteuer? Da lacht hierzulande das Herz des Autofahrers. Noch besser sieht es derzeit in den USA aus: An der Valero-Station am Vernon Highway im Südwesten von Detroit kostete die Gallone am Wochenende 1,69 Dollar. Umgerechnet auf den Liter und Eurocent wären dies gerademal 40 Cent. Einmal volltanken bitte!

Sprit ist derzeit so billig wie lange nicht mehr. Die Schlacht der Ölproduzenten um den Weltmarkt hat die Kraftstoffpreise auf Talfahrt geschickt. Das freut die Verbraucher und hat dazu beigetragen, dass sich der Automobilhandel im abgelaufenen Jahr spürbar belebt hat. In Deutschland wurden 2015 so viele Autos verkauft wie seit sechs Jahren nicht mehr. Und auch Und auch die USA brummte das Neuwagengeschäft: Nach vorläufigen Zahlen wurden dort in den zurückliegenden zwölf Monaten rund 17,47 Millionen Autos abgesetzt, knapp sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor und etwa 100.000 Fahrzeuge mehr als im bisherigen Rekordjahr 2000.

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Zu den größten Gewinnern zählt Land Rover mit einem Plus von 37,1 Prozent, die Fiat-Tochter Jeep mit einem Plus von knapp 25 Prozent sowie GMC mit einem Zuwachs von 11,3 Prozent. Fällt Ihnen was auf? Genau: Alle drei Hersteller sind Spezialisten für die so genannten Sport Utilities, die so modischen wie wuchtigen und durstigen sportlichen Nutzfahrzeuge vom Kaliber eines Range Rover, eines Grand Cherokee oder eines Sierra.

18 Liter Realverbrauch sind keine Seltenheit

Letzteren sieht man in Europa eher selten. In Nordamerika hingegen zählt er neben dem Ford F-150 und dem Chevrolet Silverado zu den meistverkauften Fullsize Trucks. In die Kategorie fallen Geländewagen von wenigstens fünf Metern Länge, einem Kampfgewicht von bis zu 3,2 Tonnen – und einer lausigen Fuel Economy. Nach den Messungen der US-Umweltbehörde EPA kommt ein achtzylindriger und allradgetriebener GMC Sierra des Modelljahrs 2015 mit einer Gallone Benzin 19 Meilen weit. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von etwa 12,4 Litern auf 100 Kilometer. Auf dem Rollenprüfstand, wohlgemerkt, und im genormten Fahrzyklus. Im Realverkehr, in der tempolimitierten Wildbahn, sind Kraftstoffverbräuche um die 18 Liter Alltag.

Die Amerikaner lassen sich davon nicht schrecken. Die Stickoxid-Emissionen dieselgetriebener Mittelklasselimousinen made by Volkswagen lassen sie angeblich gerade um Gesundheit und Leben fürchten. Aber die Klimadebatte ist in USA noch nicht so richtig angekommen – außerhalb Kaliforniens ist der „Carbon Footprint“ von SUVs bis heute kein Thema.

US-Absatz deutscher Hersteller 2000-2025

  • 2000

    Audi: 80.372 Einheiten, Marktanteil 0,5 Prozent

    BMW: 189.424 Einheiten, Marktanteil 1,1 Prozent

    Mercedes: 205.615 Einheiten, Marktanteil 1,2 Prozent

    Porsche: 22.926 Einheiten, Marktanteil 0,1 Prozent

    Volkswagen: 355.479 Einheiten, Marktanteil 2,1 Prozent

  • 2005

    Audi: 90.116 Einheiten, Marktanteil 0,5 Prozent

    BMW: 266.200 Einheiten, Marktanteil 1,6 Prozent

    Mercedes: 224.257 Einheiten, Marktanteil 1,3 Prozent

    Porsche: 31.934 Einheiten, Marktanteil 0,2 Prozent

    Volkswagen: 224.195 Einheiten, Marktanteil 1,3 Prozent

  • 2010

    Audi: 101.594 Einheiten, Marktanteil 0,9 Prozent

    BMW: 219.121 Einheiten, Marktanteil 1,9 Prozent

    Mercedes: 224.939 Einheiten, Marktanteil 1,9 Prozent

    Porsche: 25.322 Einheiten, Marktanteil 0,2 Prozent

    Volkswagen: 256.831 Einheiten, Marktanteil 2,2 Prozent

  • 2015 (Prognose)

    Audi: 180.372 Einheiten, Marktanteil 0,5 Prozent

    BMW: 357.967 Einheiten, Marktanteil 2,1 Prozent

    Mercedes: 381.279 Einheiten, Marktanteil 2,3 Prozent

    Porsche: 55.457 Einheiten, Marktanteil 0,3 Prozent

    Volkswagen: 373.756 Einheiten, Marktanteil 2,2 Prozent

    Quelle: IHS Global

  • 2020 (Prognose)

    Audi: 242.466 Einheiten, Marktanteil 1,4 Prozent

    BMW: 372.418 Einheiten, Marktanteil 2,2 Prozent

    Mercedes: 406.387 Einheiten, Marktanteil 2,4 Prozent

    Porsche: 62.417 Einheiten, Marktanteil 0,4 Prozent

    Volkswagen: 572.524 Einheiten, Marktanteil 3,4 Prozent

    Quelle: IHS Global

  • 2025 (Prognose)

    Audi: 244.833 Einheiten, Marktanteil 1,5 Prozent

    BMW: 359.314 Einheiten, Marktanteil 2,1 Prozent

    Mercedes: 392.827 Einheiten, Marktanteil 2,3 Prozent

    Porsche: 51.421 Einheiten, Marktanteil 0,3 Prozent

    Volkswagen: 603.310 Einheiten, Marktanteil 3,6 Prozent

    Quelle: IHS Global

Von den 20 meistverkauften Autos im Dezember vergangenen Jahres waren zwölf Fahrzeuge SUVs, schwere Pickups oder stylische Crossover-Fahrzeuge. Erstmals seit Jahren stieg nach Erhebungen der Universität von Michigan zum Jahresende der Kraftstoffverbrauch der verkauften Neuwagen wieder – auf durchschnittlich 9,4 Liter pro Kilometer. Zum Vergleich: In Westeuropa lag der Wert zum Jahresanfang 2015 bei umgerechnet 5,2 Litern.

Eine Trendwende ist nicht abzusehen. Schon gar nicht auf der North American International Auto Show, der größten Automesse Nordamerikas: Think Big lautet erneut das Motto, wenn am Montagmorgen in der Cobo Hall die ersten von insgesamt 40 Welt- und Nordamerika-Neuheiten enthüllt werden. Volkswagen, von Dieselgate gezeichnet und von Umweltschützern wie Staatsanwälten gejagt, wird sich schuldbewusst und umweltbewegt zeigen und seine Scheinwerfer auf ein Konzept-Auto „Cross Coupé GTE“ lenken – ein mittelgroßes SUV mit Hybridantrieb und einer Motorleistung von insgesamt 360 PS.

Das intelligente Zusammenspiel von einem Sechszylinder Benziner (!) und zwei Elektromotoren an der Hinterachse soll den Kraftstoffverbrauch angeblich von weniger als 3,4 Litern ermöglichen. Nein, nicht im Standgas, sondern bei gemäßigter Geschwindigkeit und auf einem Rollenprüfstand. Über den Asphalt wird der Wagen in dieser Form ohnehin nie rollen: Der neue siebensitzige SUV, der ab Herbst im VW-Werk Chattanooga produziert wird, muss sich erst einmal mit einem Ottomotor begnügen.

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