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Automobilbau: Der Kampf um das Milliardengeschäft mit Elektroautos

von Martin Seiwert

Das Wettrennen um das Geschäft mit dem Elektroauto ist entbrannt. Die Unternehmensberatung McKinsey hat exklusiv für die WirtschaftsWoche einen Index erstellt, der vierteljährlich misst, welches Land die Nase vorn hat. Die Autonation Deutschland liegt zurzeit nur auf Platz drei.

Ein Strom-Ladekabel am Quelle: AP
Ein Strom-Ladekabel am Ladestecker eines Elektro-Fahrzeuges Quelle: AP
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Den 3. Mai 2010 müssen sich die Chefs der deutschen Autobauer in ihren Kalendern dick anstreichen. Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel werden sie in Berlin mit den Spitzen der Stromkonzerne, Verbandsfunktionären und Wissenschaftlern zum Elektroauto-Gipfel zusammenkommen. Die Manager müssen der Kanzlerin erklären, wie sie das Elektroauto auf Deutschlands Straßen bringen wollen. Auch die Gastgeberin muss Farbe bekennen: Will sie den Weg frei machen für eine üppige staatliche Anschubfinanzierung des E-Autos, wie von den Autobauern gefordert? Oder lässt sie die PS-Branche angesichts leerer Haushaltskassen abblitzen?

Das Spitzentreffen in der Hauptstadt markiert einen Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte – den Anfang vom Ende des benzin- oder dieselgetriebenen Autos. Hersteller und Zulieferer stecken schon jetzt täglich Millionen Euro in die Entwicklung des Konkurrenzproduktes, des Elektrofahrzeuges. Fabriken für die E-Mobile werden bereits heute bis ins Detail geplant. „Jeder Euro, der heute ins Elektroauto fließt, fehlt beim Verbrennungsmotor“, sagt der Vorstand eines großen deutschen Zulieferers. „Die Umverteilung vom Automobil zum Elektromobil hat begonnen.“

Damit ist der Weg der wichtigsten Industrie Deutschlands vorgezeichnet. „Der Trend zum Elektroauto ist unumkehrbar und wird in der Branche von niemand mehr ernsthaft bezweifelt“, sagt Christian Malorny, Direktor und Autoexperte bei der Unternehmensberatung McKinsey. Klimaschutzauflagen, steigende Ölpreise und das zunehmende Umweltbewusstsein der Autofahrer lassen den Herstellern keine andere Wahl. „Das ist eine Revolution für die Industrie. Es bedeutet, dass die Karten völlig neu gemischt werden.“

Wettlauf um Subventionen

Die spannende Frage wird sein, wer am Ende das große Geschäft mit der neuen Mobilität macht. Wie schnell wird sich das Elektroauto durchsetzen? Welche Nation wird den Ton angeben? Werden es die Amerikaner sein, die ihre heimischen Hersteller mit Milliarden Forschungs-Dollar überhäufen? Oder machen die Chinesen das Rennen, die bei der Batterie, dem wichtigsten Teil des Elektroautos, zur Weltspitze gehören? Oder werden die Deutschen ihre Innovationskraft bei Motoren und Premiumfahrzeugen nun auch beim Elektroauto voll ausspielen?

Um diese Fragen zu beantworten, hat die Unternehmensberatung McKinsey exklusiv für die WirtschaftsWoche einen Index erstellt, der vierteljährlich die Entwicklung der Elektromobilität in ausgewählten Industrienationen misst. Der Index nennt sich „Electric Vehicle Index“, kurz: Evi. Er vereinigt eine große Zahl wichtiger Kennziffern rund um das Elektroauto und ist der erste seiner Art weltweit (Lesen Sie hier mehr zum Electric Vehicle Index).

Obwohl die Entwicklung erst am Anfang steht, zeigt Evi bereits deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern. Überraschend: Am weitesten ist das Feld für die Elektroautos zurzeit in den USA bereitet – trotz der angeschlagenen eigenen Autoindustrie und obwohl sich die Verbraucher bislang kaum um umweltfreundliche Mobilität scherten. Frankreich folgt knapp dahinter auf dem zweiten Platz. Im Schulterschluss mit dem Elektroauto-Promoter Shai Agassi und dessen Unternehmen Better Place stürzt sich Renault förmlich auf das E-Auto.

Eher unerfreulich dagegen ist die gegenwärtige Position Deutschlands. Europas erfolgreichste Autonation liegt mit erkennbarem Abstand nur auf Platz drei.

Es sind vor allem die staatlichen Förderprogramme mit einem Umfang von 22 Milliarden Euro, die die USA in die Spitzenposition hieven. Aber die Amerikaner helfen dem Auto mit Elektromotor auch ganz ohne Scheckbuch auf die Sprünge und sind damit nach Einschätzung von McKinsey weltweit vorbildlich: mit kostenlosen Parkplätzen für E-Autos etwa oder freier Fahrt für E-Mobile auf Bus- und Taxi-Spuren.

17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.05.2010, 18:23 UhrAnonymer Benutzer: LUIS-Elektroauto

    bislang kommen die deutschen Automobilkonzerne kaum über Ankündigungen und den Prototypen-Status hinaus. Nehmen wir das beispiel Volkswagen: Jetzt wird großspurig ein E-Golf angekündigt, der in drei Jahren (!) auf den Markt kommen soll und dann auch nur über eine Reichweite von 150 Kilometern verfügen wird.

    Der aktuelle Stand der Technik ist so, dass eine Reichweite von 200 Kilometern und mehr möglich ist - wie etwa LUiS mit dem LUiS 4U green (www.luis.de) unter beweis stellt. Welche Rolle soll dann in drei Jahren ein E-Golf mit einer dann mit Sicherheit nicht mehr konkurrenzfähigen Reichweite spielen. Entwickelt Volkswagen die eigene Technologie in dieser Zeit nicht weiter?

    Angesichts solcher Ankündigungen ist der dritte Platz kein Wunder. Mal sehen, ob die "Nationale Plattform Elektromobilität", die Kanzlerin Merkel heute ins Leben ruft, einen neuen Schub bringen wird.

  • 29.04.2010, 19:17 UhrAnonymer Benutzer: Skarrin

    @Montserrat: Wenn ich Sie richtig verstehe, dann haben Sie zwar nicht die geringste Ahnung, welche Stoffe in modernen Akkus enthalten sind und wie Recycling funktioniert, sind aber trotzdem aus Prinzip dagegen.

    ich vermute weiter, Sie halten sich aber trotzdem für einen "mündigen bürger" mit dem totalen Durchblick?

  • 21.04.2010, 19:22 UhrAnonymer Benutzer: pevo

    ich benötige überhaupt kein Auto, sondern Mobilität. Soll Wirtschaften und Leben in D weiterhin flächendeckend auf heutigem Standard möglich sein, ist das mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht darstellbar, da ein bus nur noch 4 Sitze hätte und faktisch dem individualverkehr entspräche, nur mit zusätzlichem Fahrer. Noch schlimmer ist ein großer bus, der mit nur einem Fahrgast übers Land fährt.

    Egal ob fossil oder elektro, wenn für eine menschliche Nutzlast von 70kg 1,5to Material bewegt werden muss, ist das ineffizient.
    Politische und technische Zielsetzung: Auf die jeweiligen Verhältnisse Stadt/Land angepasste infrastruktur, ggfls. öffentlich betrieben oder in Form privat mietbarer Fahrzeuge.

    Private Anschaffung und betrieb von 2to Stahl im öffentlichen Verkehrsraum sollte richtig teuer werden.

    Dazu wären schonmal klare Vorgaben für die Gewichtsobergrenze eines typischen 4 Sitzers erforderlich:
    Kein PKW darf mehr als das doppelte der transportierten Nutzlast wiegen, ein Golf dann ggfls. noch 600 Kg. Goodbye 7er bMW & E-Klasse.
    Damit werden z.b. Elektroeinsitzer richtig interessant. Die lassen sich mit 1KWh/100km bewegen, allerdings nicht mit Tempo 200 und Klimaanlage.

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