
Demondialisation, zu Deutsch: Entglobalisierung. Der eigenwillige Begriff ist das neue Lieblingswort des französischen Industrieministers Arnaud Montebourg. Frankreichs Wirtschaftsprobleme, so die Diagnose des Sozialisten, würden gelöst, sobald sich das Land von der Globalisierung verabschiede, die die Industrie zerstöre. Schließlich hätten all jene Nationen die zurückliegenden Krisen überstanden, „die keine Angst hatten, einzugreifen, zu reglementieren, zu dirigieren und zu sanktionieren“.
Starke Einbrüche bei den Franzosen
An welche Art von Eingriffen Montebourg dabei denkt, wird sich an diesem Mittwoch zeigen, wenn er in Paris seinen Plan zur Rettung der schwer angeschlagenen französischen Autoindustrie vorlegt. „Entglobalisierung“ dürfte in diesem Fall heißen: Abschottung von der teutonischen Konkurrenz. Mit Abgaben, die gezielt den Verkauf deutscher Premiummarken erschweren, wollen die französischen Sozialisten Peugeot, Citroën und Renault in der Euro-Krise den Rücken stärken.
Hilfe haben die gallischen Traditionsmarken dringend nötig. Denn ihre Verkaufszahlen sind im ersten Halbjahr zweistellig eingebrochen. Verschärft sich die Euro-Krise, geht es im kommenden Jahr weiter bergab. Peugeot will 8000 Stellen streichen und ein Werk bei Paris schließen.
Bild: PressebildAngriff auf dem Markt der Kompakten: Der Autobauer Daimler hat am Montag seine neue A-Klasse vom Band rollen lassen und trotz des schwachen Markts in Europa ein neues Rekordjahr in Aussicht gestellt. „Für das Gesamtjahr gehen wir davon aus, den Absatzrekord des letzten Jahres nochmals übertreffen zu können“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Rastatt.
Bild: dapdTrotz eines rückläufigen Gesamtmarktes habe Daimler weitere Marktanteile gewonnen. Hoffnungsträger für das laufende Jahr ist auch die neue Generation des kleinsten Mercedes. Seit dem Verkaufsstart Mitte Juni habe es mehr als 40.000 Bestellungen für den neuen Kompakten gegeben, der vor allem jüngere Käufer ansprechen soll.
Bild: dpaDaimler bläst damit zum Angriff auf Audi und BMW, an deren Absatz die Stuttgarter bis 2020 vorbeiziehen möchten. 2011 lag Mercedes hier hinter der Konkurrenz. Zetsche betonte: „Wir sind zuversichtlich, dass wir spätestens 2020 vorne liegen werden.“
Bild: PressebildDie neue A-Klasse gehört zusammen mit der im vergangenen Herbst vorgestellten B-Klasse zur Kompaktwagen-Offensive von Daimler und soll noch mindestens drei Ableger bekommen. Ende nächsten Jahres soll in Rastatt ein kompakter Offroader als nächstes A-Klasse-Modell vom Band rollen. „Jeder dritte Käufer der neuen B-Klasse ist vorher ein anderes Fahrzeug gefahren“, sagte Zetsche. Bei der A-Klasse ziele Daimler „auf Eroberungsraten von bis zu 50 Prozent“.
Bild: PressebildFachleute schätzen die Erfolgsaussichten des neuen Kompakten hoch ein. „Die Chancen stehen gut“, sagte Autoexperte Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen, der Nachrichtenagentur dpa. „Allgemein geht ja die Nachfrage stärker in Richtung kompaktere Fahrzeuge.“ Er halte die A-Klasse für die wichtigste Produktneuerung von Mercedes in den vergangenen 10 bis 15 Jahren.
Bild: dpaFür ihre Kompaktwagen-Offensive wollen die Schwaben künftig weiter viel Geld in die Hand nehmen: Insgesamt investiert Daimler allein in Rastatt 1,2 Milliarden Euro. 600 Millionen sind bereits geflossen, die andere Hälfte soll in diesem und im kommenden Jahr folgen.
Angriff auf dem Markt der Kompakten: Der Autobauer Daimler hat am Montag seine neue A-Klasse vom Band rollen lassen und trotz des schwachen Markts in Europa ein neues Rekordjahr in Aussicht gestellt. „Für das Gesamtjahr gehen wir davon aus, den Absatzrekord des letzten Jahres nochmals übertreffen zu können“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Rastatt.
Das Kontrastprogramm läuft keine Flugstunde westlich. Vergangene Woche im badischen Rastatt: Die Mitarbeiter des örtlichen Daimler-Werks sind in Partylaune. Konzernchef Dieter Zetsche nimmt im Blitzlichtgewitter seinen Produktionsvorstand Wolfgang Bernhard in den Arm, beide strecken den erhobenen Daumen in die Kameras.
Grund für die gute Stimmung ist der Produktionsstart der neuen Mercedes A-Klasse. 500 neue Stellen entstehen, und 1,2 Milliarden Euro investiert Zetsche hier in den noblen Kompaktwagen. 2012 werde der Konzern trotz der heraufziehenden Wirtschaftskrise einen neuen Verkaufsrekord aufstellen, verkündet Zetsche stolz und verpasst seinen Branchenkollegen in Frankreich wie in Italien einen Seitenhieb: „Wir finden es gut, wenn Überkapazitäten abgebaut werden.“
Werksschließungen in Frankreich und auf der Apenninen-Halbinsel, dagegen Milliardeninvestitionen für den Ausbau von Daimler-, BMW- und Audi-Fabriken in Deutschland; Entlassungen bei französischen Autokonzernen, aber verkürzte Werksferien in deutschen Fahrzeugfabriken wegen der hohen Nachfrage; bestenfalls Mittelfeld in Innovationsrankings für Peugeot-Citroën, Renault und Fiat, jedoch Spitzenränge für BMW, VW und Daimler.
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