Autonomes Elektroauto: Wie die Zulieferer das Auto der Zukunft erfinden

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Autonomes Elektroauto: Wie die Zulieferer das Auto der Zukunft erfinden

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Das „Smart Urban Vehicle“ von ZF kommt auch in die kleinsten Parklücken – gesteuert per Smartwatch.

von Sebastian Schaal und Rebecca Eisert

Egal ob Elektroauto, Connected Car oder autonomes Fahren: Bei dem Rennen um die neuen Technologien stellen sich zur Zeit die Zulieferer gut auf. Graben ZF, Bosch und Co. den Autobauern das Wasser ab?

So schlimm ist der Zustand unserer Straßen nicht. Schlaglöcher und Baustellen allein können kaum erklären, dass in Deutschland immer mehr SUV gekauft werden. Den wenigsten Kunden geht es dabei um Geländegängigkeit. Längst sind SUV so praktisch und variabel wie Kombis oder Großraumlimousinen und ersetzen zunehmend die klassischen Fahrzeugtypen.

Gleichzeitig sind die Dickschiffe in der Stadt denkbar unpraktisch. Zu hoch fürs Innenstadt-Parkhaus, zu breit für viele Parklücken und besonders übersichtlich sind sie auch nicht. Es gibt wahrlich bessere Autos für den Weg zwischen Büro, Kindergarten und Supermarkt.

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Womit die Zulieferer zu kämpfen haben

  • Hoher Finanzbedarf

    Immer mehr Innovationen müssen von den Zulieferern selbst kommen. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben steigen dadurch stark an. Die Zulieferer müssen stärker in Vorleistung gehen und tragen damit ein höheres unternehmerisches Risiko.

  • Globalisierung

    Die Autokonzerne bauen immer mehr Werke in Asien oder Mexiko. Damit steigt der Druck auf die Zulieferer, ebenfalls in neue Standorte zu investieren.

  • Benachteiligung von Mittelständlern

    Global agierende Autokonzerne schreiben ihre Aufträge immer öfter für die weltweite Produktion aus. Viele mittelständische Zulieferer können weder die geforderten Stückzahlen herstellen noch den Konzernen einfach ins Ausland nachfolgen.

  • Hoher Preisdruck

    Autokonzerne wie PSA und GM bilden immer öfter Einkaufsgemeinschaften, gleichzeitig steigt die Zahl von Modulbaukästen für die identische Teile in sehr hoher Stückzahl benötigt werden. Beides führt dazu, dass der Preisdruck steigt. Die Zahl der Zulieferer, die das leisten kann, sinkt.

Doch in Zukunft könnte auch das größte SUV wendig wie ein Kleinwagen werden. Das „Smart Urban Vehicle“ kommt in nur einem Zug auch in die engsten Parklücken. Das Geheimnis: Eine neuartige Vorderachse erlaubt es, die Räder fast querzustellen. Das Auto wird so extrem wendig. Die Besonderheit: Der Prototyp kommt nicht von einem Autobauer, sondern vom Zulieferer ZF.

ZF kann jetzt mehr als Fahrwerk und Getriebe

„Gefühlt dreht das Auto auf der Hinterachse“, lobt ZF-Chef Stefan Sommer, seine Entwicklung. Keine zwei Monate, nachdem ZF den amerikanischen Konkurrenten TRW für 12,5 Milliarden Euro übernommen hat, zeigen die beiden Zulieferer wie sie sich das Auto für die Großstadt der Zukunft vorstellen. Das intelligente Fahrwerk und der Elektromotor kommen vom Bodensee, die neue Lenkung und die Fahrassistenten aus den USA.

Das Demonstrationsfahrzeug ist eine Kampfansage an Bosch und Continental. Mit der TRW-Übernahme ist ZF zum drittgrößten Autozulieferer herangewachsen, beide Unternehmen kommen auf einen kumulierten Umsatz von 32 Milliarden Euro. Die beiden Branchenführer liegen mit 33 Milliarden Euro (Bosch) und 34 Milliarden Euro (Conti) nur noch knapp davor.

Die Nachricht des „Smart Urban Vehicle“, ist klar: Seht her, wir können jetzt mehr als Fahrwerke und Getriebe! Denn der Prototyp kommt nicht nur in engste Lücken, sondern macht das auch selbstständig: Der Fahrer muss beim Parken nicht einmal im Auto sitzen. Smartphone oder -watch mit der App für die Einparkautomatik reichen. Sind vorne und hinten jeweils 30 Zentimeter Platz, rangiert der Wagen wie von Geisterhand in die Lücke.

Die großen Zulieferer profitieren

Das Ziel von ZF: Die notwendige Technik für das vollautomatisierte Fahren sollen die Autobauer aus einer Hand kaufen – ihrer natürlich. Die Spanne reicht hier von speziellen Achsgetrieben über die Kamera- und Radarsysteme bis hin zu der Software, die alle Fahrmanöver berechnet und dem Bediensystem, über das der Fahrer die Befehle gibt.

Ein so breites Angebot mit einzigartigen Funktionen kann sich für die Zulieferer nicht nur bei der Nachfrage auszahlen. „Vor allem die großen Systemzulieferer in der Liga von Bosch und Conti können mit neuen Entwicklungen auf Gebieten wie autonomes Fahren punkten und dadurch ihr Position gegenüber den Herstellern stärken“, sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management an der Hochschule Bergisch Gladbach.

Valeo-Chef Aschenbroich "Mit Übernahmen zerstört sich ein Unternehmen selbst"

Der französische Autozulieferer Valeo hat ambitionierte Pläne: Jedes Jahr will er um acht Prozent wachsen. Im Interview erklärt Valeo-Chef Jacques Aschenbroich, wie der Angriff auf Bosch und Continental gelingen soll.

Bei Fahrassistenzsystemen sieht sich Valeo als führend. Quelle: AP

Ein weiteres Gebiet, auf dem die Zulieferer im Moment Kompetenzen aufbauen, ist die Elektromobilität. Auf der IAA im September will Continental einen innovativen Elektroantrieb vorstellen. Dabei werden die bislang getrennten Bauteile Elektromotor, Getriebe und Leistungselektronik zu einer Einheit zusammengefasst. Dadurch lassen sich viele Komponenten einsparen, der ganze Antrieb wird kleiner und vor allem günstiger. Ein weiterer Vorteil: Da das System den Leistungsbereich von rund 80 bis 160 PS abdecken soll, kann es sowohl in einem Plug-In-Hybrid als auch in einem reinen Elektroauto verbaut werden.

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