Autonomes Fahren: Deutsche erwarten Zeitersparnis durch selbstfahrende Autos

Autonomes Fahren: Deutsche erwarten Zeitersparnis durch selbstfahrende Autos

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Fahren ohne Hände am Steuer: In sündhaft teuren Prototypen testen die Autobauer bereits das autonome Fahren.

Die Deutschen sind bei selbstfahrenden Autos skeptisch, die technischen Herausforderungen sind groß. Laut einer Umfrage sehen viele aber auch Vorteile: Sie wollen zum Beispiel schneller ans Ziel kommen.

Jahre vor dem Marktstart gibt es bereits hohe Erwartungen an selbstfahrende Autos. So erhoffen sich 62 Prozent der Menschen in Deutschland eine Zeitersparnis bei Fahrten, jeweils 60 Prozent rechnen mit einem geringeren Unfallrisiko und mehr Fahrkomfort, wie eine am Dienstag vorgestellte repräsentative Umfrage der Unternehmensberatung BearingPoint ergab. Rund 70 Prozent sehen demnach durch autonomes Fahren eine bessere Mobilität für Ältere oder Menschen mit Behinderung.

Zugleich sehen 60 Prozent große bis sehr große Herausforderungen in einer sicheren Technik. Für 53 Prozent ist der Datenschutz ein Problem – allerdings hätten Befragte im Alter unter 30 Jahren da deutlich weniger Bedenken.

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Noch viele Hürden für selbstfahrende Autos

  • Was ist autonomes Fahren?

    Autopiloten sind in Flugzeugen Standard. Auch in Schiffen übernimmt zumindest außerhalb der Häfen oft der Computer das Ruder. Am Ende geht es auch beim autonomen Fahren um einen Autopiloten, der das Fahrzeug steuert. Doch der Autoverkehr ist komplex. Auf der Autobahn können die Prototypen der Industrie bereits ohne größere Probleme ohne Eingriffe des Fahrers unterwegs sein. Im Stadtverkehr wird es schon schwieriger. Halbautomatische Funktionen sind allerdings inzwischen Alltag. Ob Tempomaten, Einparkhilfen, Stauassistenten oder Abstandsregler - viele Funktionen entlasten den Fahrer bereits. Auch etwa Mähdrescher können längst eigenständig über das Feld fahren.

  • Was sind die Vorteile?

    Eins der wichtigsten Argumente ist die Sicherheit. Die meisten Unfälle gehen auf Fahrfehler zurück. Weit oben in der Statistik: zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Abstand oder Abbiegefehler. Automatisch gesteuerte Autos würden solche Fehler minimieren. Denn Risikofreude, Spaß an der Geschwindigkeit und Selbstüberschätzung kennt ein Computer nicht. Er bremst, wenn der Abstand zu gering wird und nimmt nicht aus Unachtsamkeit anderen die Vorfahrt.

  • Wie weit ist die Technik?

    Die Entwicklung ist recht weit fortgeschritten. BMW etwa testet seit Jahren automatisch fahrende Autos, auch auf deutschen Autobahnen. Die Fahrzeuge können auch eigenständig überholen. Solche Tests müssen sich die Hersteller aber von Behörden genehmigen lassen. Audi ließ jüngst zur US-Technikmesse CES einen Wagen „autonom“ rund 900 Kilometer aus dem Silicon Valley nach Las Vegas fahren. Auch Daimler präsentierte auf der CES seine Vision für ein selbstfahrendes Auto der Zukunft. Der silberne Mercedes-Prototyp fuhr autonom auf die Bühne nach einer Tour durch die Wüste und die Hotel-Meile der Glücksspiel-Stadt. Zumindest für die Autobahn können sich manche Hersteller pilotiertes Fahren bereits in fünf bis sieben Jahren vorstellen.

  • Wer trägt die Verantwortung für so ein Auto?

    Hier beginnen die Schwierigkeiten jenseits der Technik. Die erste Hürde ist das „Wiener Übereinkommen für den Straßenverkehr“ von 1968, das die Basis für die meisten Verkehrsregelungen ist. Darin gibt es zwar Hinweise zu Zugtieren, aber von selbstfahrenden Autos ist nicht die Rede. Dafür aber davon, dass jedes Auto einen Fahrer braucht, der am Ende verantwortlich ist. Dass Autofahrer am Ende Verantwortung und Kontrolle völlig abgeben werden, gilt eher als unwahrscheinlich. Noch fehlen dafür aber Regeln und Gesetze. Bei den bisher fahrenden Prototypen auf normalen Strecken müssen in Deutschland die Fahrer darauf geschult sein.

  • Was heißt das für Autoversicherung?

    Europas größter Versicherer, die Allianz, würde auch selbstfahrende Autos versichern. Allerdings würde sich die Risikoeinschätzung ändern, denn das Risiko verlagere sich vom menschlichen Fehler des Fahrers zum Entwickler der Autopiloten. Allerdings glauben die Versicherer nicht daran, dass es vollständig selbstfahrende Auto geben wird. Ein Fahrer werde auch künftig einen Führerschein brauchen, und das Gefährt im Notfall oder in Situationen wo es nötig ist, kontrollieren zu können.

  • Warum treiben Autohersteller das Thema voran?

    Sicherlich auch, um Kunden mit immer ausgereifteren Extras zu locken. Doch daneben spielt auch die mögliche Konkurrenz durch andere Spieler eine Rolle. So arbeitet etwa auch der Internetkonzern Google seit einigen Jahren an selbstfahrenden Autos.

BearingPoint befragte für die Erhebung Ende Juni 1000 Menschen im Alter zwischen 16 und 69 Jahren. Experten rechnen damit, dass selbstfahrende Auto zum Jahr 2020 regulär auf die Straße kommen.

Noch ist die notwendige Technik teuer

Fahrerassistenzsysteme, die etwa den Abstand zum vorausfahrenden Auto einhalten, werden bereits in vielen Fahrzeugen verbaut. Traditionell führen Oberklasse-Hersteller Zusatzfunktionen als erste ein, denn ihre Kunden zahlen am meisten dafür. BMW stellte gerade seinen neuen 7er mit Stauassistent vor. Auch Audi stattet seine Modelle mit entsprechenden Systemen aus.

Der Schritt von einfachen Assistenzsystemen zu Funktionen, bei denen das Auto zumindest teilweise die Kontrolle übernimmt, ist zumindest aus wirtschaftlicher Sicht noch ein großer. „Aus heutiger Sicht ist es aber eher schwierig mit teilautomatisierten Systemen Geld zu verdienen, weil sie Redundanz brauchen“, sagt Wolfgang Bernhart von der Strategieberatung Roland Berger. Weil der Fahrer die Verantwortung an den Wagen und damit an den Hersteller abgibt, reichen selbst mehrere Millionen Testkilometer nicht aus, um die Ausfallsicherheit zu gewährleisten. Deshalb arbeiten Hersteller wie Bosch auch an neuen Testverfahren, sagt Michael Fausten, Projektleiter für das automatisierte Fahren bei Bosch.

Welche Assistenzsysteme es schon gibt und wann Roboter das Steuer komplett übernehmen

  • 2013

    • Spurwechselassistent
    • Spurhalteassistent
    • Parkassistent (teilautomatisch)

  • 2013 - 2014

    Notbremsfunktion und Fußgängererkennung

  • 2015

    • Parken per Smartphone-App
    • Baustellenassistent
    • Notausweichassistent

  • 2016

    Stauassistent

  • 2017

    • Automatischer Notausweichassistent
    • Kreuzungsassistent

  • 2018 - 2020

    • Smartphonegesteuerter Einparkassistent
    • Autobahnpilot (teilautomatisch)

  • 2020 - 2025

    • Autobahnchauffeur (vollautomatisch)
    • Automatisches Fahren in der Stadt
    • Voll automatisiertes Parken

  • Nach 2025

    Hochautomatisiertes Fahren (von Tür zu Tür)

Um die Funktionen wirtschaftlich anbieten zu können, muss vor allem die Laser-Technik (LIDAR) billiger werden. Sie kostet heute deutlich mehr als 10.000 Euro, dürfte aber bis 2020 bei 1000 Euro liegen, so Bernhart: „Der Sprung zur Vollautomatik wird auf jeden Fall mindestens einen vierstelligen Euro-Betrag allein für die Hardware kosten.“ Dazu kämen Entwicklungsaufwendungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Weitere Artikel

Bosch verbaut in seinen Testwagen für autonome Autobahnfahrten derzeit Technik für eine halbe Million Euro. Das ist weit von dem entfernt, was Verbraucher zu zahlen bereit wären. Sie würden nach Erkenntnissen des Autozulieferers zwischen 3000 und 5000 Euro für diese Technik ausgeben. „Wir müssen Systeme schaffen, die in diese Regime fallen“, sagte Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel. Er rechnet damit, dass diese Preisgrenze um das Jahr 2020 erreicht wird. Dann werde es nach den Erwartungen von Bosch auch erste hochautomatisierte Systeme für Autobahnen geben.

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