Autoteile: So krank ist die Zuliefererbranche

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Autoteile: So krank ist die Zuliefererbranche

von Rebecca Eisert

Wachsender Preisdruck und höhere Kosten für Forschung und Entwicklung treiben Zulieferer zu Verzweiflungstaten - denn Preisabsprachen und Kartelle nehmen zu. Warum die Unternehmen keinen anderen Ausweg sehen.

Der deutsche Getriebehersteller ZF will den US-Konkurrenten TRW übernehmen. Dadurch würde das Unternehmen aus Friedrichshaften gemessen am Umsatz zum drittgrößten Zulieferer nach Continental und Bosch aufsteigen – und ein weiterer potenzieller Wettbewerber vom Markt verschwinden. In kaum einer Branche sind in den vergangenen fünf Jahren so viele Unternehmen vom Markt verschwunden wie in der Zuliefererindustrie.

Autoindustrie An der Grenze zur Erpressung

Zulieferer haben mit Selbstanzeigen wegen illegaler Kartelle die EU gegen die Branche aufgebracht. Grund ist der Preisdruck der Hersteller, der die Lieferanten zu Absprachen verleitet.

Ein Mitarbeiter der Firma Schaeffler betrachtet ein Kugellager Quelle: dpa

Für viele Komponenten gibt es oft nur noch zwei oder drei Hersteller. Und wo noch reger Wettbewerb herrscht, wird es nicht mehr lange so bleiben. „Die gesamte Lieferantenlandschaft wird noch eine weitere Konsolidierung erleben", sagt Elmar Kades, Automobilexperte bei AlixPartners.

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Immer weniger Unternehmen überleben den Preisdruck der Konzerne. Diese fordern neben günstigen Herstellungskosten eine immer höhere Qualität der Teile und ordern immer größere Stückzahlen für ihre global eingesetzten Baukastensysteme. In einem bisher ungekannten Ausmaß suchen die Lieferanten den Ausweg, indem sie die Grenzen der Legalität überschreiten.

Strafen in Höhe von mehr als 4,5 Milliarden mussten Zulieferer in Europa, den USA und Japan in den vergangenen fünf Jahren zahlen, weil sie ihre Preise untereinander abgesprochen hatten. Ein neuer Rekord. "Wir vermuten Kartelle bei fast allen Teilen, die man für ein Auto braucht", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia Anfang des Jahres.

Wer für Preisabsprachen belangt wurde

  • Die höchste Kartellstrafe…

    ... musste Schaeffler berappen. 370 Millionen Euro waren fällig. Schaeffler hat gemeinsam mit fünf Konkurrenten die Preise für Wälzlager künstlich hochgehalten.

  • 315 Millionen Euro…

    ... musste der schwedische Zulieferer SKF wegen der unerlaubten Absprache mit Schaeffler und anderen bezahlen. Zwischen 2005 und 2011 sollen die Wälzlager-Hersteller die steigenden Stahlpreise koordiniert und an die Kunden in der Autoindustrie weitergegeben haben sowie sich bei Kostenvoranschlägen und Jahresrabatten für die Abnehmer abgesprochen haben.  

  • 125,3 Millionen Euro…

    ... musste der japanische Konzern Yazaki 2013 bezahlen, weil er sich bei der Lieferung von Kabelbäumen mit anderen Herstellern über eine gemeinsame Preisstruktur geeinigt hatte. Weitere Geldbußen in Höhe von 11 und vier Millionen Euro mussten Yazaki-Tochter S-Y Systems Technologies die ebenfalls japanische Firmen Furukawa zahlen.

  • 1,4 Millionen Euro…

    ... musste der deutsche Zulieferer  Leoni vergangenes Jahr bezahlen. Auch er war Teil des Kabelbaum-Kartells.

Scheibenwischer, Kühler, Airbags, Einspritzdüsen, Kabelbäume, Auspuff - von vorne bis hinten sollen sich Zulieferer darüber ausgetauscht haben, wie viel sie für ein Teil verlangen. Die Unternehmensberatung Alix Partners glaubt, dass mittlerweile bis zu 30 Prozent der Materialkosten für ein Fahrzeug von Preisabsprachen betroffen sein können. Wie konnte es zu einer solchen Entwicklung kommen?

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Autoteile, die von Kartelluntersuchungen betroffen sind (für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken)

Experten glauben: Die Autokonzerne sind daran zu einem guten Teil selber schuld. Ihre Einkaufspolitik beschreiben Lieferanten als rigoros, aggressiv und brutal. Manches von dem, was sie verlangen, "grenzt an Erpressung", sagt ein Zulieferer. "Anstand und Respekt sind im Laufe der letzten zehn Jahre immer mehr verloren gegangen", sagt auch Harald Schatz von der Vertriebsberatung Peter Schreiber & Partner. In den Achtzigerjahren sei Partnerschaft noch keine leere Floskel gewesen. Jetzt, sagt Schatz "hat der Zulieferer zu spuren".

Rabatte bis zur Schmerzgrenze

Wer sich den Vorgaben der Hersteller nicht beuge, verschwinde sofort von der Anbieterliste. Dazu gehört auch, seine Kalkulation bis ins Detail offen zulegen – lange bevor ein Vertragsabschluss in Aussicht sei. Die Preise werden bis an die Schmerzgrenze gedrückt.

Nach einer repräsentativen Umfrage von Peter Schreiber & Partner mussten 46 Prozent der Befragten ihren ursprünglichen Angebotspreis um bis zu 30 Prozent senken, um überhaupt an neue Aufträge zu kommen. Weitere 23 Prozent räumten mindestens zehn Prozent Rabatt ein. Doch damit nicht genug. Üblich sind Folge-Rabatte, bei denen der Zulieferer dem Hersteller jährlich einen Preisabschlag von drei Prozent über die gesamte Vertragslaufzeit gewährt.

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