Autozoom: 648.000 Kilometer im Elektroauto

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kolumneAutozoom: 648.000 Kilometer im Elektroauto

Kolumne von Martin Seiwert

Ein dreijähriger Praxistest mit Elektroautos in England zeigt: E-Mobile sind praxistauglich und dabei deutlich klima- und gesundheitsschonender als Benziner oder Dieselfahrzeuge. Höchste Zeit, dass die Elektroauto-Feinde von Greenpeace ihre Position überdenken.  

Es ist ein höchst merkwürdiger Glaubenskrieg ums Elektroauto entbrannt. Ausgerechnet ein Teil der Öko-Szene, die jahrzehntelang der Autoindustrie vorwarf, den Elektroantrieb böswillig zu verhindern und mit der Öl-Lobby zu paktieren, hat sich vom E-Auto abgewandt. Ihr wichtigstes Argument: Für das Klima bringe das Elektroauto nichts, weil der benötigte Strom klimaschädlich erzeugt sei. Die Stromer seien nichts anderes als grüne Deckmäntelchen der Autoindustrie.

Die grünen Kritiker der E-Mobile werden angeführt von der mächtigsten Umweltorganisation der Welt, von Greenpeace. Der Stromverbrauch von Elektroautos sei in der Praxis höher als von den Herstellern angegeben, lautet eines der Greenpeace-Argumente. Betankt mit deutschem Durchschnittsstrom, der einen hohen Anteil von Kohlestrom enthalte, seien Elektroautos klimaschädlicher als vergleichbare Benziner. Außerdem seien Elektroautos nicht alltagstauglich, da sie ständig an die Steckdose müssten.

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Das Fazit von Greenpeace: Verbrennungsmotoren seien dem Elektroantrieb „auf lange Zeit“ überlegen. Diese Erkenntnis von Greenpeace basiert, soweit ersichtlich, auf der Lektüre von Fahrzeugdaten und einem fünfmonatigen Test mit einem elektrischen BMW Mini, der nur zu Versuchszwecken gebaut wurde und niemals in den Handel kommen wird.

Eine wissenschaftliche Studie ist etwas anderes. Zum Beispiel das, was die britische Newcastle University – einer der renommiertesten Forschungseinrichtungen auf der Insel – unlängst vorlegte. Die britischen Wissenschaftler haben nicht wie Greenpeace ein Elektroauto getestet, sondern 44 an der Zahl. Nicht ein Forschungsfahrzeug wurde untersucht, sondern größtenteils im Handel erhältliche Serienmodelle. Den Test machten 200 freiwillige Teilnehmer, die versuchten, ihre Alltagsfahrten mit E-Mobilen zu bewältigen. Der Praxistest lief nicht über fünf Monate sondern über drei Jahre. Die Elektroautonutzer absolvierten 71.600 Fahrten, luden die Autos 19.900 Mal auf und legten insgesamt 648.000 Kilometer zurück.

Das Ergebnis: Obwohl die Autos vorwiegend mit Kohlestrom betankt wurden, waren die CO2-Emissionen um 40 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Benzinern. Berücksichtigt man die CO2-Emissionen bei der Benzin-Herstellung, vergrößert sich der Vorteil der Elektroautos auf über 50 Prozent. Zudem ersparten die Elektroautos Anwohnern signifikante Mengen an Schadstoffen, die bei der Verbrennung von Kraftstoffen entstehen. Elektroautos sind, so das Fazit, besser für Mensch und Umwelt.

Und was ist mit der von Greenpeace bemängelten Alltagstauglichkeit der E-Mobile? 93 Prozent der Fahrten waren unter 40 Kilometer und konnten ohne  Probleme mit den Batterie-Autos zurückgelegt werden. „Elektroautos passen zu unserem heutigen Lebensstil und erfordern keine Veränderung der Fahrgewohnheiten“, so das Resümee von Studienautorin Yvonne Huebner.

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Beim derzeitigen deutschen Strommix, der einen geringeren Anteil von Kohlestrom als Nordengland hat, wäre der Test wohl noch besser ausgefallen. Noch besser wäre die Bilanz mit dem Strommix, den wir dank boomender Wind- und Solarenergie in einigen Jahren in Deutschland haben werden. Ganz zu schweigen von einer Versorgung mit grünem Strom, wie ihn Greenpeace selbst vertreibt: Mit „Greenpeace Energy“ betankt, ist der CO2-Ausstoß von Elektroautos nahe null.

Aber darüber redet Greenpeace – merkwürdigerweise – nicht gern. Vielleicht, weil grüne Mobilität made by BMW, VW und Mercedes so schlecht zu den Anti-Autoindustrie-Kampagnen der Öko-Aktivisten passt?

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