Autozoom: Amerikas Liebe zum Auto kühlt dramatisch ab

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kolumneAutozoom: Amerikas Liebe zum Auto kühlt dramatisch ab

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Nach dem Sieg der Seattle Seahawks beim diesjährigen Super Bowl, versank New York City im Verkehrschaos.

Kolumne von Martin Seiwert

Blutige Bodychecks, kühles Bier, sexy Cheerleader und heiße Autowerbung – der Super Bowl ist traditionell ein Festival der amerikanischen Männlichkeit. Doch das diesjährige Mega-Event weckt Zweifel am US-Mann: Hat er etwa kein Benzin im Blut?

Mit 112 Millionen Fernsehzuschauern war der Super Bowl am vergangenen Sonntag das größte TV-Ereignis in der Geschichte der USA. Wo so viele Zuschauer sind, rollen auch die Werbedollars: Durchschnittlich vier Millionen Dollar kostete die Schaltung eines 30-Sekunden-TV-Spots während des Finales der amerikanischen Football-Liga. Vor allem die Autohersteller ließen sich davon nicht abschrecken. Audi, Chrysler, Jeep, Toyota, Ford, Chevrolet, Honda, Volkswagen, Hyundai, Kia, Maserati – wer etwas auf sich hält und im US-Markt wachsen will, war mit von der Partie.

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Wie keine andere Industrie unterstützen die Autohersteller die teuerste Fernsehsendung des Jahres. Blutige Bodychecks, kühles Bier und sexy Cheerleader in der Halbzeit-Show – der Super Bowl ist traditionell ein Festival der amerikanischen Männlichkeit. In dieses Männerschweiß-getränkten Atmosphäre lassen sich Autos am besten verkaufen, so das Kalkül der Hersteller.

Und dann das: Statt mit dem Auto kamen in diesem Jahr, völlig unmännlich, Zehntausende Fans mit Bus und Bahn zum Spiel im MetLife-Stadion in East Rutherford, New Jersey. Der Veranstalter des Super Bowl, die NFL, hatte prognostiziert, dass 8.000 der insgesamt gut 80.000 Fans mit dem Zug zum Stadion kommen würden. Tatsächlich waren es über 33.000. Rund 50.000 Fans nutzten außerdem Busverbindungen, Zehntausende die U-Bahn in New York. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren so überlastet, dass die Fans nach dem Spiel zwei Stunden und länger in der Schlange standen, um einen Zug besteigen zu können.

Der Schluss, den die Veranstalter aus dem Verkehrschaos vor den Toren von New York City zogen: Zumindest in Ballungsräumen setzen selbst die tendenziell Auto-verliebten Amerikaner zunehmend auf öffentliche Verkehrsmittel. Was New York und New Jersey am Sonntag erlebten, war Teil eines landesweiten Trends. Gerade bei jüngeren Amerikanern kühlt die Liebe zum Auto derzeit gewaltig ab. 1995 hatten 87 Prozent der Amerikaner im Alter von 20 und 24 Jahren einen Führerschein, 2011 waren es noch 80 Prozent. Und das sind landesweite Durchschnittswerte. In Städten ist die Entwicklung noch viel drastischer.

Amerikaner machen seltener einen Führerschein und sie fahren weniger Auto. Rund 12.000 Meilen legte ein Amerikaner 2012 im Auto zurück. Dieser Wert fällt konstant seit fast 20 Jahren. Die Chancen, dass der Wert wieder steigt, sind gleich null. Denn die autofahrende Bevölkerungsgruppe der über 16-jährigen Amerikaner wächst nur noch um ein Prozent pro Jahr. 1970 betrug das jährliche Wachstum der Zielgruppe der Autohersteller immerhin noch 1,7 Prozent.

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Amerika, das Mutterland der individuellen Motorisierung, lernt gerade, dass man auch ohne eigenes Auto leben kann. Immer mehr Großstädter kommen mit Autovermietern und den boomenden Car-Sharing-Anbietern gut über die Runden. 2007 hatten 8,7 Prozent der US-Haushalte kein Auto, 2012 waren es schon 9,2 Prozent. Und auch das sind nur Durchschnittswerte, die die rapiden Veränderungen in Ballungsräumen nicht abbilden. In den größten Städten der USA hat inzwischen mehr als jeder dritte Haushalt kein Auto. Ganz oben in der Liste der Auto-armen Städte steht New York, wo 56 Prozent der Haushalte keinen eigenen Wagen besitzen, sowie Newark und Jersey City mit 44 und 41 Prozent Auto-Abstinenzlern.

Genau zwischen diesen drei Städten liegt das Metlife-Stadion, in dem der diesjährige Super Bowl stattfand.

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