Autozoom: Gefangen im Baukasten

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kolumneAutozoom: Gefangen im Baukasten

Kolumne von Franz W. Rother

Neue Autos werden schneller entwickelt und billiger gebaut: Die Modularisierung von Fahrzeugen und Fabriken ermöglicht den Autoherstellern eine höhere Produktivität bei steigenden Gewinnen. Die Werke werden austauschbar, manche Standorte schnell überflüssig, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Auf die Beschäftigten in der Autoindustrie kommen schwere Zeiten zu. Nicht nur bei Opel in Bochum und Ford in Köln.

Droht dem Kölner Ford-Werk das gleiche Schicksal wie das Opel-Werk in Bochum, das Ende der Fahrzeugproduktion, ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen, ein Sterben in Raten? Die 17.000 Ford-Beschäftigten in der Domstadt, vor allem die 4000 in der Fiesta-Produktion, treibt diese Fragen in diesen Wochen mächtig um. Der Grund: Denn gut zwei Jahre vor dem Modellwechsel ist immer noch nicht klar, wo die nächste Generation des Kleinwagens (Projektbezeichnung B479) gebaut wird – weiterhin in Köln-Niehl oder etwa im rumänischen Craiova. In dem Billiglohnland lässt Ford seit knapp zwei Jahren bereits den Minivan B-MAX fertigen, eine Hochdach-Variante des Fiesta mit Schiebetüren.

Ford-Werke-Chef Bernhard Mattes hatte auf einer Betriebsversammlung im vergangenen Dezember deutlich gemacht, dass Produktionsentscheidungen im Konzern allein nach betriebswirtschaftlichen Kennziffern getroffen werden. So müsse sich auch das Kölner Werk  mit anderen Standorten des Konzerns messen lassen, nicht nur nach Stückzahlen und Produktivität, sondern auch bei den Fertigungskosten pro Fahrzeug. Derzeit, so ist zu hören, klafft hier eine Lücke von rund 1300 Euro zwischen einem Auto aus Köln und dem Schwestermodell aus Rumänien. Die Position der Geschäftsführung ist klar: Fortgesetzt wird die Kleinwagen-Produktion in Köln nur dann, wenn sich damit auch Gewinne erzielen lassen. Andernfalls wird die Fahrzeugproduktion beendet. Da trifft es sich gut, dass die Beschäftigungsgarantie für die Ford-Werker in Köln 2016 ausläuft.

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Autozoom Ein guter Tag für BMW, oder?

Beim Markenranking des ADAC liegt BMW wieder auf Platz eins, auch in China fahren die Bayern Mercedes davon. Bauchschmerzen muss BMW-Chef Reithofer eigentlich nur eins machen.

BMW-Chef Norbert Reithofer kann sich über eine gute Bewertung der Kunden und über wachsende Absatzzahlen in China freuen. Die große Frage aber lautet: Geht die Elektro-Wette auf`? Quelle: REUTERS

Was die Ford-Beschäftigten derzeit in Köln erleben, kann man getrost als Säbelrasseln bezeichnen. Das Management will runter von den hohen Fertigungskosten und fordert im Gegenzug für den Fiesta-Auftrag von den Beschäftigten weitere Zugeständnisse – etwa den Abbau von Freischichten oder den Verzicht auf Zuschläge. Das ist hart. Aber den Vorständen der großen Autokonzerne bleibt keine andere Wahl: Der Wettbewerb wird im Kleinwagengeschäft ist beinhart, und er wird in erster Linie über den Preis geführt wird. Qualitativ und konzeptionell gibt es zwischen den Autos kaum mehr Unterschiede, das Markenimage spielt eine immer geringere Bedeutung.

Und Markentreue ist Geschichte: Wer gestern Ford fuhr, lässt sich heute auch für einen Hyundai oder Toyota begeistern. Es gab Zeiten, da achteten die Käufer darauf, wo ein Auto gebaut wurde. Anhand der Fahrgestellnummer versuchten sie herauszufinden, ob der Porsche in Stuttgart oder in Finnland vom Band lief, ob der Audi in Ingolstadt oder Neckarsulm montiert wurde oder der Fiat aus Italien oder Polen importiert wurde. Aus und vorbei. Audi produziert seinen Kompakt SUV Q3 mittlerweile bei Seat in Spanien – und kein Hahn kräht danach. Mercedes lässt die A- und B-Klasse parallel in Deutschland und Ungarn produzieren – und nur Experten finden noch Unterschiede zwischen den Autos. Der Audi Q5 kommt künftig aus Mexiko zu uns, die nächste C-Klasse von Mercedes möglicherweise eines Tages aus USA. Ja und? Den Autokäufern kann es egal sein. Fertigungsspezialisten sorgen dafür, dass die Produktionen überall auf der Welt nach den gleichen Prinzipien funktionieren. Und in der Regel kommen die Einzelteile von den gleichen Zuliefern – Qualitätsunterschiede sind damit so gut wie ausgeschlossen. Für Opel macht es deshalb keine Mühe, die Produktion des Familienvan Zafira Ende des Jahres nach Rüsselsheim zu verlagern und das Werk in Bochum zu schließen. Das Nachfolgemodell wird voraussichtlich ab 2017 im französischen Sochaux montiert werden – in einem Werk des Peugeot-Konzerns.

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