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kolumneAutozoom: Lügen haben kleine Räder

07. November 2012
Doppelte Staatsbürgerschaft - Lancia ThemaVideo abspielen
Doppelte Staatsbürgerschaft - Lancia Thema
Kolumne von Martin Seiwert

Fiat ist damit gescheitert, Chrysler-Modelle mit Lancia-Logo zu verkaufen. Mit dem abschreckenden Beispiel erweisen die Italiener der Autobranche einen großen Dienst: Billige Markentricksereien haben sich hoffentlich ein für alle Mal erledigt. 

Haben Sie schon einmal etwas von „Badge Engineering“ gehört? Womöglich nicht. Aber damit herumgefahren sind Sie bestimmt schon. Denn Engineering (Konstruktion) mittels Badge (Emblem) ist eine recht weit verbreitete Unart in der Autoindustrie: Hersteller A füllt eine Lücke im Portfolio mit billig eingekauften Autos des Herstellers B und pappt einfach seine Marke vorne auf den Kühlergrill. Das ist streng genommen kein „Engineering“, weshalb die Bezeichnung auch etwas Ironisches hat. „Bad Engineering“ wäre treffender.   

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Waghalsiger Versuch mit gefälschten Lancias

Fiat-Chef Sergio Marchionne hielt es trotzdem für eine gute Idee. 2009 beschloss er, Chrysler-Modelle unter der italienischen Designmarke Lancia anzubieten. Vor wenigen Tagen nun musste er einräumen, dass er damit auf dem Holzweg war. Sämtliche Experten, Journalisten und Branchenkollegen sagten ihm das schon vor drei Jahren. Doch erst das Debakel der gefälschten Lancias an der Verkaufsfront konnte Marchionne zur Besinnung bringen. Lancia wird als Marke nun weitgehend aufgegeben.

Amerikanische Autos, die nach brachialen Knauser-Kriterien gebaut werden, mit einer Marke zu versehen, die für italienische Designkunst steht, das war, gelinde gesagt, waghalsig. Mit diesen Autos ausgerechnet in Europa anzutreten, wo die Kunden auch an Volumenmodelle höchste Qualitätsansprüche haben – ja, dafür muss man schon ein sehr eigensinniger Mensch sein. 

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Kommentare | 4Alle Kommentare
  • 08.11.2012, 11:31 UhrExmatrikulator

    „Mit dem Lancia-Debakel hat sich das Konzept – zumindest in der Autoindustrie – hoffentlich erledigt. Mit dem Lancia-Debakel hat sich das Konzept – zumindest in der Autoindustrie – hoffentlich erledigt.“?
    Wünschenswert, der Artikel geht aber an der Realität weit vorbei!

    Im Gegenteil beginnt das Konzept jetzt erst so richtig. Daimler klebt sein Logo auf einen 99%igen Renault-Kleintransporter, Opel baut seinen neuen SUV bei GM in Korea etc.
    Aber wo soll man eigentlich die Grenze ziehen?
    BMW und Daimler kooperieren mit Renault, Nissan, Toyota. Der Porsche Cayenne erhält seine Karosserie aus dem VW-Werk in Bratislava, seinen Motor aus dem Audi-Werk in Györ. Überhaupt werden dort Motoren für alle VW-Marken hergestellt. Skoda, Audi, VW etc… Und die Zulieferer sind sowieso immer die gleichen. „Audi ist Premium, Porsche Sportlichkeit auf hohem Niveau, Skoda Nutzwert und so weiter“ reduziert sich damit weitestgehend auf das Marketing.

    Das ist übrigens nicht nur bei Autos so: auf zig Geräten von Kärcher klebt ein Hilti oder Würth- Log, Auf dem Novel-Sofa ein Schilling-Logo, auf dem Ehrmann-Joghurt ein Mövenpick-Logo etc.

    Der Autor ist also entweder naiv oder schlichtweg nicht informiert, wenn er das Ende dieses Trends sieht.

  • 07.11.2012, 15:40 Uhrscharfschuetze

    Das badge-engineering ist erst vorbei, wenn es keine Dummen mehr gibt,
    die "CHEVROLEY" kaufen, und "Däääjuuuuuh" bekommen.

  • 07.11.2012, 12:00 Uhrgieronimo

    Das ist j wieder mal en tyischer Lobby-Artikel zu Gunsten der deutschen Autoindustrie.Es st zwar richtig, dass das Konzept in desem Fall nicht aufgegagen ist,aber die 'Experten', die das schon vorher gewusst haben, die haben auch schon vor 3 Jahren vorausgesagt, dass Herr Marchionne überhaupt mit dem Projekt Chrysler scheitert - zumal nicht einmal Daimler/Mercedes damit erfolgreich war!!!
    Die Darstellung, dass 'brachiale Knausermethoden' nur für US-Autos gilt, ist absurd: breits seit den Zeitenvon Herr Lopez gilt das in besnderem Maße für die europäische Autoindustrie!
    Die Marke Lancia bleit übrigens erhalten, und zwa mit dem recht rfolgreichen Y, der ürigens in Italien designd wurde. Neue Modelle wird es zwar vorrst nicht geben, aber vieleicht hat die aktuelle Krise, von der übigens nicht nur der FIAT-Konzern betroffen ist irgendwann ja mal ein Ende.

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