Autozoom: Neuzulassungen werden bei drei Millionen dümpeln

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Laut Prognose sollen 2013 im Autoland Deutschland kaum mehr als drei Millionen Neuwagen verkauft werden.

Kolumne von Martin Seiwert

Der Auto-Importeursverband VDIK präsentierte seine Bilanz für 2012 und den Ausblick auf das neue Jahr. Die Importeure sehen es wie der Verband der deutschen Hersteller, der VDA: 2013 werden in Deutschland kaum mehr als drei Millionen Neuwagen verkauft. 2012 waren es mit 3,08 Millionen auch nicht wesentlich mehr.

Drei Millionen Neuzulassungen – früher wäre die Zahl ein Beleg für eine handfeste Krise in Deutschland gewesen. Heute sind drei Millionen der Normalzustand. Selbst in guten Jahren schafft das Autoland nicht viel mehr. Würden die Hersteller den Markt nicht mit immer neuen Rabattschlachten anheizen, wären auch die drei Millionen nicht zu halten. Jeder dritte Neuwagen wird heute auf einen Händler zugelassen und dann als Tageszulassung verschleudert. Vor zehn Jahren war es nur jeder vierte Wagen. Hinzu kommen Flotten- und Mietwagengeschäfte mit üppigen Abschlägen.

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Schon einmal hatte sich Deutschland bei der magischen Grenze von knapp drei Millionen eingependelt – Ende der 80er-Jahre, kurz vor der Wiedervereinigung. Mit dem Zusammengehen der beiden deutschen Staaten wuchs das VDA-Territorium um 16 Millionen Einwohner, die Neuzulassungen sprangen auf über vier Millionen. Seither geht es bergab. 2012 kauften 82 Millionen Gesamtdeutsche in etwa so viele Neuwagen wie 1987 die 62 Millionen Westdeutschen.

Woran liegt's? Zumindest nicht nur an Konjunkturkrisen. VDIK-Präsident Volker Lange: "Das gute Konsumklima, die bessere Situation auf dem Arbeitsmarkt, die höheren Einkommen und die geringe Inflationsrate konnten die Deutschen 2012 nicht stärker zur Anschaffung eines neuen Pkw motivieren."

Wann, wenn nicht 2012 hätten die Deutschen wieder beherzter in den Autohäusern zugreifen können? Für viele stieg nach langer Stagnation endlich wieder einmal das Einkommen. Die Unternehmen in Deutschland sind trotz Euro-Krise robust, viele Jobs sind weitgehend sicher. Auf der Bank bringen Ersparnisse nicht viel ein – warum sich also nicht ein neues Auto gönnen? In vielen Euro-Krisenländern können die Menschen keine Autos kaufen, in Deutschland wollen sie es nicht.

Verbandschef Lange sucht die Ursachen inzwischen woanders. Zum Beispiel bei dem Trend, dass  jungen Menschen in Städten inzwischen viele Dinge wichtiger sind, als ein Auto zu besitzen: "Immer weniger junge Menschen vor allem in Großstädten legen sich so schnell wie möglich ein Auto zu." Ein Trend, den die WirtschaftsWoche anhand von statistischen Daten erstmals nachweisen konnte.

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Als wäre das nicht schon deprimierend genug für die deutsche Autoindustrie, verstärken Angreifer aus dem Ausland ihre Attacken in Deutschland. Vor allem die Schwestermarken Hyundai und Kia sind auf dem Vormarsch, steigerten im extrem umkämpften Markt ihren Anteil binnen eines Jahres von vier auf fünf Prozent.

Dass VW, BMW und Daimler trotzdem nicht Trübsal blasen, liegt an den Alternativen, die sie  haben. In vielen Regionen der Welt geht die Rechnung Wirtschaftswachstum gleich Automarktwachstum noch auf. Da kann man in Deutschland sogar auf den ein oder anderen hoch rabattierten Verkauf verzichten. "Wir machen nicht mehr alles mit in Deutschland", sagte jüngst ein Vorstand eines große deutschen Autobauers der WirtschaftsWoche. "Wir haben 2012 auf Marktanteile verzichtet." Das ist der große Unterschied zur gemütlichen Bonner Republik, von 1987, wo fast so viele Neuwagen verkauft wurden wie 2012.

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