Autozulieferer: Leoni wird der Auftragsflut nicht Herr

Autozulieferer: Leoni wird der Auftragsflut nicht Herr

, aktualisiert 10. November 2015, 13:12 Uhr
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Das Logo des Kabel-Herstellers Leoni AG ist am 25.03.2014 in Nürnberg (Bayern) am Rande der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens zu sehen. Foto: Daniel Karmann/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Eigentlich freuen sich Firmen über eine viele Aufträge. Bei dem Kabel-Spezialisten Leoni sorgt eine Auftragsflut aber für steigende Personalkosten. Außerdem muss ein neuer Chef für die Bordnetz-Sparte gefunden werden.

Eine überraschende Auftragsflut bei Bordnetzen hat den Autozulieferer Leoni kalt erwischt. Hohe Mehrkosten unter anderem für neue Mitarbeiter drückten das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im dritten Quartal binnen Jahresfrist um 14 Prozent auf 29,8 Millionen Euro, wie der Nürnberger Konzern am Dienstag mitteilte. Der Umsatz stieg dagegen um 9,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, wozu allerdings auch Wechselkurseffekte beitrugen. Die Rendite lag damit bei 2,7 Prozent - angepeilt sind seit langem sieben Prozent. Auch dieses Ziel, das eigentlich 2016 erreicht werden sollte, hatte Leoni kürzlich über den Haufen geworfen. Jetzt wollen die Franken erst im März nächsten Jahres eine Gewinnprognose für 2016 abgeben.

Leoni begründete die Turbulenzen damit, dass in der Bordnetz-Sparte neue Projekte schneller und schwieriger als erwartet hochgelaufen seien. Kunden hätten kurzfristig mehr und größere Kabelsätze bestellt. Weil Leoni nicht darauf vorbereitet war, fielen demnach hohe Mehrkosten an, etwa für neue Mitarbeiter, denn das Legen von Bordnetzen muss größtenteils per Hand gemacht werden.

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„Der Standort Rumänien ist uns im September regelrecht um die Ohren geflogen“, fasst Leoni-Chef Dieter Bellé die Ereignisse zusammen, die unter anderem zur Gewinnwarnung und einer abgeschwächten Prognose für 2015 und 2016 geführt haben. Am Standort Rumänien zweifle man deshalb aber nicht, stellte Bellé klar.

Sparten-Chef muss gehen

Leoni gab sich vor einigen Monaten eine neue Matrixorganisation. Diese sollte eigentlich dazu führen, dass nicht jede Entscheidung in der Zentrale getroffen werden muss, sondern die einzelnen Abteilungen im Bordnetzbereich eigenständiger arbeiten können.

Doch mangelnde Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Geschäftseinheiten haben dazu geführt, dass das Werk Rumänen „völlig überfordert war“, gab Bellé zu. Die verschiedenen Projektleiter hatten sich schlicht nicht abgesprochen und das Werk mit zu vielen Aufträgen bombardiert.

Unter anderem deshalb lagen die Anlaufkosten statt der geplanten sechs Millionen Euro tatsächlichen deutlich höher – etwa weil viel mehr neue Mitarbeiter eingestellt werden mussten und gleichzeitig der Mindestlohn dort stark gestiegen ist.

Das Unternehmen hat bereits personelle Konsequenzen aus dem Fiasko gezogen. Der für die Division Bordenetze zuständige Vorstand Andreas Brand hat das Unternehmen verlassen. Weitere personelle Konsequenzen seien nicht geplant, so Bellé. Im Vorstandskreis hätte man die Probleme bei den einzelnen Projekten leider erst „recht spät erkennen können. Das Projektmanagement hätte es sicherlich früher erkennen müssen.“

„Es geht ganz klar um interne Probleme im Bereich Projektmanagement, die wir jetzt lösen müssen“, sagte Bellé. Er betonte aber gleichzeitig, dass zu keinem Zeitpunkt Lieferprobleme bestanden hätten. „Unsere Kundenbeziehungen sind unbelastet und hervorragend“, so Bellé.

Nach den gemachten Erfahrungen geht Leoni nun nur noch von 130 Millionen Euro Gewinn vor Steuern aus. Auch die Umsatz- und Gewinnprognose für 2016 wurde gesenkt. Bellé schloss nicht aus, dass es auch 2016 zu weiteren Ergebnisbelastungen durch Neuanläufe kommen könne: „Aufgrund der gemachten Erfahrungen prüfen wir nun alle Projekte nochmals gründlich.“

Womit die Zulieferer zu kämpfen haben

  • Hoher Finanzbedarf

    Immer mehr Innovationen müssen von den Zulieferern selbst kommen. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben steigen dadurch stark an. Die Zulieferer müssen stärker in Vorleistung gehen und tragen damit ein höheres unternehmerisches Risiko.

  • Globalisierung

    Die Autokonzerne bauen immer mehr Werke in Asien oder Mexiko. Damit steigt der Druck auf die Zulieferer, ebenfalls in neue Standorte zu investieren.

  • Benachteiligung von Mittelständlern

    Global agierende Autokonzerne schreiben ihre Aufträge immer öfter für die weltweite Produktion aus. Viele mittelständische Zulieferer können weder die geforderten Stückzahlen herstellen noch den Konzernen einfach ins Ausland nachfolgen.

  • Hoher Preisdruck

    Autokonzerne wie PSA und GM bilden immer öfter Einkaufsgemeinschaften, gleichzeitig steigt die Zahl von Modulbaukästen für die identische Teile in sehr hoher Stückzahl benötigt werden. Beides führt dazu, dass der Preisdruck steigt. Die Zahl der Zulieferer, die das leisten kann, sinkt.

Generell rechnet der Kabel- und Bordnetzhersteller mit guten Geschäftsaussichten für die nächsten vier bis fünf Jahre. Positiv sollten sich zum Beispiel die wachsende Zahl an Elektro- und Hybridfahrzeugen auswirken, da dort mehr Kabel und komplexe Bordnetze benötigt werden.

Aktuell liegt Leoni für die nächsten fünf Jahre ein Auftragsbestand von 12 Milliarden Euro vor.

Leoni hatte mit einer Gewinnwarnung Mitte Oktober einen Kursrutsch seiner Aktie ausgelöst. Analysten hatten bemängelt, dass das Traditionsunternehmen keine neuen Jahresziele benannt hatte, nachdem es die vorangegangene Ergebnisprognose gekippt hatte. Erst Mitte September hatte Leoni seine Ziele für 2016 wegen des Verkaufs der Hälfte an seinem chinesischen Bordnetz-Werk gesenkt.

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