Panasonic: Vom Elektrokonzern in die Top-Liga der Autozulieferer

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Autozulieferer: Wie Panasonic die Zuliefererbranche aufrollen will

von Martin Fritz

Am Freitag liefert Tesla die ersten 30 Model 3 aus. Wichtige Bauteile des Elektroautos kommen von Panasonic. Jetzt wollen die Japaner mehr: Das Ziel sind die zehn größten Autozulieferer der Welt.

Panasonic wurde mit Konsumelektronik wie Plasma-Fernsehern und Audiogeräten groß. Scharfe Konkurrenz aus Korea und China und Rekordverluste in Milliardenhöhe zwangen die Japaner zu einem radikalen Schwenk zum Industriegeschäft. Inzwischen erwirtschaftet Panasonic mehr Umsatz und Gewinn mit Komponenten und Systemen für die Industrie als mit Elektronik für private Haushalte.

„Wir haben einige Zeit gebraucht, um uns an die anderen Produktzyklen zu gewöhnen“, gestand Yoshio Ito, Vize-Präsident des Konzerns und seit April 2014 der Chef der Sparte für Automobil- und Industriesysteme, jetzt in Tokio. Doch nun zeichne sich eine größere Gewinnwende ab. Dabei sollen die alten Stärken aus der Konsumelektronik zu Wettbewerbsvorteilen bei der Digitalisierung, Elektrifizierung und Vernetzung der Fahrzeuge werden.

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Itos Geschäftsbereich war bereits im Vorjahr mit einem Umsatz von 20 Milliarden Euro und einem Betriebsgewinn von 841 Millionen Euro der stärkste Geschäftszweig. Das Autogeschäft selbst kam auf 10 Milliarden Euro Umsatz und somit ein Sechstel der Konzerneinnahmen. Hier sieht Ito das größte Wachstumspotenzial.

Die weltweit größten Autozulieferer

  • Platz 10

    Faurecia (Frankreich)

    Umsatz 2016: 18,711 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 18,770 Milliarden Euro
    Veränderung: -0,3 Prozent
    Hauptprodukte: Sitze und Innenausstattung

    Quelle: Berylls Strategy Advisors

  • Platz 9

    Michelin (Frankreich)

    Umsatz 2016: 20,907 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 21,199 Milliarden Euro
    Veränderung: -1,4 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 8

    Bridgestone-Firestone (Japan)

    Umsatz 2016: 22,485 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 24,094 Milliarden Euro
    Veränderung: -6,7 Prozent
    Hauptprodukte: Reifen

  • Platz 7

    Aisin (Japan)

    Umsatz 2016: 27,977 Milliarden Euro

    Umsatz 2015: 24,133 Milliarden Euro
    Veränderung: +15,9 Prozent
    Hauptprodukte: Getriebe, Bremssysteme, Karosserie- und Motorenteile

  • Platz 6

    Hyundai Mobis (Südkorea)

    Umsatz 2016: 30,227 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 28,096 Milliarden Euro
    Veränderung: +7,6 Prozent
    Hauptprodukte: Cockpit-, Frontend- und Chassismodule

  • Platz 5

    ZF Friedrichshafen (Deutschland)

    Umsatz 2016: 32,353 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 27,113 Milliarden Euro
    Veränderung: +19,3 Prozent
    Hauptprodukte: Fahrwerks- und Antriebssysteme, Elektronik/Software

  • Platz 4

    Magna (Kanada)

    Umsatz 2016: 34,587 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 29,408 Milliarden Euro
    Veränderung: +17,6 Prozent
    Hauptprodukte: Karosserie & Fahrwerksysteme, Exterieur-Ausstattungen

  • Platz 3

    Denso (Japan)

    Umsatz 2016: 36,301 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 34,299 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,8 Prozent
    Hauptprodukte: Klimasysteme, Motorsteuerung, Human-Machine-Interface

  • Platz 2

    Continental (Deutschland)

    Umsatz 2016: 40,550 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 39,232 Milliarden Euro
    Veränderung: +3,4 Prozent
    Hauptprodukte: Brems-, Fahrwerk- und Sicherheitssysteme, Reifen

  • Platz 1

    Bosch (Deutschland)

    Umsatz 2016: 43.936 Milliarden Euro
    Umsatz 2015: 41,657 Milliarden Euro
    Veränderung: +5,5 Prozent
    Hauptprodukte: Antriebs-, Sicherheits- und Komfortsysteme

Der reine Automobilumsatz soll in diesem und nächsten Jahr um insgesamt die Hälfte auf über 15 Milliarden Euro zunehmen. „Für 93 Prozent davon haben wir schon heute feste Aufträge“, verkündete Ito. Bis zum Geschäftsjahr 2021 rechnet er mit einer Steigerung der Einnahmen um ein weiteres Viertel auf 19 Milliarden Euro. „Damit würden wir auch ohne Zukäufe zu den zehn größten Automobilzulieferern gehören, selbst falls die Konkurrenz bis dahin weiter wächst“, betonte Ito. Derzeit steht Panasonic auf Platz 23.

Vom einfachen Teile- zum wichtigen Systemzulieferer

Der Schwenk zum Industriegeschäft hat die Japaner auch gelehrt, bei Produktion und Vertrieb ganzheitlicher denken. „Wir verkaufen künftig mehr Systeme statt Komponenten und bewegen uns damit in der Lieferkette eine Stufe nach oben“, meinte Ito. Dadurch werde sich die operative Marge um mehr als ein Drittel auf 5,2 Prozent erhöhen.

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Dabei will Panasonic jedoch nicht nur seine bisherigen Kunden in der japanischen Autoindustrie bedienen. „Wir haben in den USA und Europa eigene Design- und Entwicklungszentren, die mit entsprechenden Anpassungen in diesen Regionen auch Neukunden gewinnen sollen“, erläuterte Ito. Damit sieht sich Panasonic auch als Zulieferer der deutschen Autoindustrie und tritt gegen Bosch und Continental an, die zu den führenden Elektronikherstellern im Auto gehören.

Als wichtigsten Wachstumstreiber nannte der Spartenchef die Produktion von Lithium-Ionen-Batteriezellen (LIBs) mit einer Umsatzverdopplung von 2016 bis 2018 auf 4,2 Milliarden Euro. Die Lithium-Zellen entwickelten die Japaner einst für ihre Laptops und Handys, bis Tesla sie als Antrieb fürs Elektroauto entdeckte. Noch stärkeres Wachstum erwartet der Manager bei Schaltrelais als Folge der Elektrifizierung der Fahrzeuge. Hier werde sich die Nachfrage bis 2021 um den Faktor 4 bis 6 erhöhen.

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