Belegschaft wächst stärker als der Umsatz: Das Effizienzproblem von VW wird größer

Belegschaft wächst stärker als der Umsatz: Das Effizienzproblem von VW wird größer

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Golf-Produktion in Wolfsburg: Trotz Produktionsrekords mangelt es an Arbeitseffizienz

Im Duell um die Krone des größten Autobauers liegen Volkswagen und Toyota gleichauf. Die Japaner schaffen das aber mit deutlich weniger Angestellten – was Fragen über die Effizienz bei VW aufwirft.

Mit rund 600.000 Angestellten ist Volkswagen einer der größten Arbeitgeber weltweit. "Der Volkswagen-Konzern mit seinen starken Marken ist unverändert auf Erfolgskurs, und dieser Erfolg spiegelt sich auch in der Beschäftigung wider. Volkswagen ist seit Jahren ein zuverlässiger und kraftvoller Beschäftigungsmotor in Deutschland, in vielen Ländern Europas und darüber hinaus", sagt VW-Personalvorstand Horst Neumann. "Absatz und Beschäftigung sind seit 2007 kräftig gewachsen." Seit diesem Jahr hat der Konzern 144.000 neue Stellen geschaffen, 55.000 davon in Deutschland.

Doch es gibt auch eine andere Betrachtungsweise des Jobmotors VW: Bei der Arbeitsproduktivität fallen die Wolfsburger im Rennen gegen Toyota zunehmend zurück. Das will zumindest das Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen errechnet haben. So habe die Mitarbeiterzahl um fast vier Prozent auf rund 594.000 Menschen zugelegt, der Umsatz hingegen nur um gut ein Prozent. Nach neun Monaten lag das Umsatzplus zum Vorjahreszeitraum bei 1,4 Prozent. Für Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Instituts, ist das ein Beleg für die mangelnde Effizienz von VW.

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Wie die VW-Sparten 2013 abgeschnitten haben

  • Volkswagen Pkw

    Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

  • Audi

    Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

  • Seat

    Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Beine. 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen Euro reduziert wurde.

  • Skoda

    Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeugen ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

  • Porsche

    Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auf 78.000 Fahrzeuge taxiert.

  • Bentley

    Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. 2013 legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

  • Lamborghini und Bugatti

    Die Ergebnisse der beiden Ultraluxus-Sparten werden im Volkswagen-Halbjahresbericht nicht gesondert ausgewiesen. Der Absatz kann bei Lamborghini um 5,1 Prozent auf 1166 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Die französischen Ultrasportwagen von Bugatti wurden im ersten Halbjahr ganze 16 Mal verkauft.

  • VW Nutzfahrzeuge

    Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeugen. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

  • MAN

    Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchnern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legt im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

  • Scania

    Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkw steigt der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

  • VW Finanzdienstleistungen

    Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legt im Jahr 2013 um 17,5 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

"Der Tanker VW wird mit immer mehr Beschäftigten immer schwerer lenkbar", kritisiert der Branchenexperte. Als Vergleich führt er Toyota an, der wie Volkswagen 2014 rund zehn Millionen Fahrzeuge gebaut hat. Die Japaner haben dazu aber nur 345.000 Beschäftigte benötigt – also nicht einmal 60 Prozent der VW-Belegschaft.

Da bei Volkswagen die Belegschaft aber schneller als der Umsatz gestiegen ist, sei die Arbeitsproduktivität um rund zwei Prozent auf 336.300 Euro pro Kopf zurückgegangen. "Das Effizienzproblem im VW-Konzern ist damit 2014 schlechter statt besser geworden", bilanziert Dudenhöffer.

Produktionsvorstand Macht musste bereits gehen

Dazu kommt: Rund die Hälfte (46 Prozent) der VW-Angestellten arbeitet im Hochlohnland Deutschland. Das freut zwar Arbeitnehmer und Politik, drückt rein ökonomisch betrachtet aber auf die Marge.

Zuletzt hatte Konzernchef Martin Winterkorn den Finger in die Wunde gelegt und im Sommer vor Führungskräften gesagt, es müsse "dringend" über die heutige Fertigungstiefe gesprochen werden. Er forderte: "Wir müssen uns stärker auf Kernkompetenzen für die Mobilität von morgen fokussieren." Das bedeute auch, sich von Themen zu trennen, die Zulieferer profitabler fertigen könnten, sagte der Konzernchef.

Die mangelnde Effizienz hatte bereits personelle Konsequenzen: Anfang August 2014 musste Produktionsvorstand Michael Macht das Unternehmen verlassen. Macht war in die Kritik geraten, weil etwa die Einführung des modularen Baukastensystems nicht reibungslos lief. Von dem Baukastensystem erhoffen sich die Wolfsburger hohe Einsparungen in Entwicklung und Produktion. Die modulare Technik, durch die verschiedene Fahrzeugtypen mit gleicher Architektur auf einem Band gleichzeitig und somit günstiger produziert werden können, soll den Schub für weiteres Wachstum geben.

Die neue Vielfalt hat aber Tücken: Besonders deutlich wird das derzeit in der Golf-Produktion in Wolfsburg, wo VW die Bänder wegen technischer Probleme immer wieder anhalten muss – ein Versagen, das intern offenbar Michael Macht angelastet wurde.

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Trotz der Probleme hat das Stammwerk des Autobauers 2014 das beste Produktionsergebnis seit 24 Jahren erzielt. Im vergangenen Jahr verließen mehr als 836.000 Fahrzeuge die vier Montagelinien des Wolfsburger Werks. Das sind rund 29.000 Einheiten mehr als im Vorjahr. Den größten Anteil hatten der Golf mit mehr als 409.000 Fahrzeugen und der Tiguan, von dem über 247.000 Stück hergestellt wurden. Ebenfalls in Wolfsburg vom Band rollen der Golf Sportsvan und der Touran. Die Belegschaft fuhr in diesem Jahr mehr als 100 Sonderschichten.

Unabhängig von der Frage, ob die große VW-Belegschaft und die damit verbundene große Fertigungstiefe nun eher Stärke oder Nachteil ist, sehen namhafte Branchenanalysten den VW-Konzern weiterhin auf klarem Erfolgskurs. So nimmt etwa die NordLB einen steigenden Kurs der VW-Vorzugsaktie an – obwohl ein zentrales Renditeversprechen des jüngsten Sparprogramms "dauerhaft absolut nicht erreichbar" sei.

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