BMW-Kooperation: Karbonschmiede in der Provinz

BMW-Kooperation: Karbonschmiede in der Provinz

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Blick auf das Wasserkraftwerk an der Stauanlage am Columbia River in der Nähe von Moses Lake im Bundesstaat Washington.

von Angela Hennersdorf

Im äußersten Westen der USA fertigen BMW und SGL Carbon den Stoff, aus dem das Elektroauto der Zukunft gebaut wird: Karbon. Was die Bayern in den abgeschiedenen Ort Moses Lake treibt.

Wieder fliegt eine Luftfrachtmaschine tief über Moses Lake hinweg. Steve Swanson hat sich längst an das laute Dröhnen der Flugzeuge gewöhnt. Abgestürzt sei auch noch nichts. Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing betreibt hier draußen im einsamen Nordwesten Amerikas einen großen Flughafen, auf dem alle möglichen Maschinen, auch Militärflugzeuge, getestet werden. Womit sich Swanson allerdings absolut nicht anfreunden kann sind diese Tumbleweeds, die hier überall herumfliegen.

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„Dieses Zeug ist furchtbar“, sagt der Amerikaner. Die stacheligen, buschartigen Unkrautballen, die der trockene Wind durch die flache, kaum bebaute Landschaft überhall hin pustet und die sich dabei wie wild ausbreiten, sind ihm ein Greuel. Penibel hält Swanson sein Fabrikgelände rein von der wilden Pflanze.  

Swanson ist neu in Moses Lake. Vor einigen Monaten erst ist er mit seiner Familie aus einem anderen US-Bundesstaat hierher gezogen, um einen neuen Job anzutreten: Er leitet das frisch gegründete Werk, das zwei deutsche Unternehmen, der Autobauer BMW aus München und das Chemieunternehmen SGL Carbon aus Wiesbaden hierher gesetzt haben. Seit gut drei Monaten produzieren die Deutschen in Moses Lake Kohlenstofffasern, auch Karbonfasern genannt.

Keimzelle eines gewagten Vorhabens von BMW

Die Karbonproduktion im amerikanischen Moses Lake ist die Keimzelle für ein äußerst gewagtes Vorhaben der Deutschen: Um Elektroautos möglichst leicht zu bauen, setzt der Münchner Autobauer als einziger Autohersteller der Welt auf Karossen aus Karbon. Karbon ist leicht, rostet nicht und ist praktisch unbegrenzt verfügbar. Dafür ist das Material noch weitgehend unerforscht, benötigt enorm viel Energie zur Herstellung und ist teuer -  ziemlich teuer sogar im Vergleich zu Stahl.

Im Auto verarbeiteter Stahl kostet derzeit bis zu fünf Euro pro Kilogramm, ein Kilogramm Karbon liegt bei rund 80 Euro. Damit sich eine Großserienproduktion für Autos rentiert, müssen die Herstellungskosten für die hochwertigen Fasern noch erheblich gesenkt werden. Gelingt den beiden Konzernen allerdings mit dem Stoff der Durchbruch, läuten sie eine neue industrielle Epoche in der Autoindustrie ein.

Ein Nest mit Kartoffelchips-Fabriken

Doch warum müssen die Deutschen für die Herstellung des neuen Stoffes ausgerechnet nach Amerika gehen? Und dann auch noch in ein Nest wie Moses Lake mit gerade einmal rund 20.000 Einwohnern, in dem die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich hoch ist? Die Arbeitslosenquote liegt mit 13 Prozent weit über dem US-Durchschnitt von rund neun Prozent.

Es gibt ein paar Kartoffelchips- und Pommes-Fabriken. Ansonsten Ackerland, soweit das Auge blickt: Angebaut werden hauptsächlich Kartoffeln. Es ist eine Gegend, die im Sommer extrem heiß ist, dafür sind die Winter nicht ganz so eisig und schneereich wie im nördlich angrenzenden Kanada. Nichts scheint diesen Ort als Standort für die Produktion von Karbonfasern besonders zu qualifizieren. Hätten die Deutschen die Fasern dann nicht auch irgendwo in Deutschland produzieren können?

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