BMW: Wie sich Norbert Reithofer ein Denkmal setzt

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BMW: Wie sich Norbert Reithofer ein Denkmal setzt

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Der scheidende BMW-Chef Norbert Reithofer im Porträt

von Rebecca Eisert und Sebastian Schaal

Mit einem Rekordgewinn verabschiedet sich Norbert Reithofer von der BMW-Spitze. Seine Entscheidungen haben diesen Erfolg erst ermöglicht – und machen seinem Nachfolger das Leben schwer.

So gelöst und fröhlich hat man BMW-Chef Norbert Reithofer selten erlebt. Auf dem Genfer Autosalon ruft er den Journalisten lachend ein "Hallo, wie geht es Ihnen?" zu. Und nach dem eigenen Befinden gefragt, entgegnet er: "Jede Woche besser."

Am Mittwoch tritt Reithofer zum letzten Mal vor die versammelte Wirtschaftspresse, um die Jahresbilanz des Autokonzerns vorzustellen. Der operative Gewinn vor Steuern liegt bei 8,7 Milliarden Euro – so hoch wie noch nie in der 99-jährigen Unternehmensgeschichte.

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Trotz der guten Zahlen: Reithofer war nie ein Mann der großen Auftritte. Die Jahrespressekonferenz ist für ihn künftig ein weiterer öffentlicher Termin, den sich der freundliche und zurückhaltende Manager sparen kann. Denn bei der Hauptversammlung am 13. Mai wird er aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln.

Die wichtigsten Kennzahlen des BMW-Geschäftsjahres 2014

  • Umsatz weltweit

    2014: 80,401 Milliarden Euro

    2013: 76,059 Milliarden Euro

    Quelle: BMW

  • Jahresüberschuss

    2014: 5,817 Milliarden Euro

    2013: 5,329 Milliarden Euro

  • Ebit

    2014: 8,707 Milliarden Euro

    2013: 7,893 Milliarden Euro

  • Operative Marge

    2014: keine Angabe

    2013: 9,4 Prozent

  • Auslieferungen

    2014: 2,118 Millionen Fahrzeuge

    2013: 1,964 Millionen Fahrzeuge

  • Mitarbeiter

    2014: 116.324 Angestellte

    2013: 110.351 Angestellte

  • Durchschnittlicher Listenpreis

    2014: 41.252 Euro

    2012: 40.039 Euro

    Quelle: CAR-Institut

Den Chefposten übernimmt Harald Krüger, wie Reithofer vor dessen Berufung an die Konzernspitze BMW-Produktionsvorstand. Seinem Nachfolger hinterlässt Reithofer reichlich Arbeit, aber einen aufgeräumten Schreibtisch. BMW steht gut da, soll aber auch noch 2020 der Oberklasse-Hersteller Nummer 1 sein und die Rivalen Daimler und Audi auf Distanz halten. Drängende Themen wie alternative Antriebe und die fortschreitende Digitalisierung dürften Krüger dabei täglich auf Trab halten.

Reithofer brachte BMW sicher durch Krisen

Die Freude auf den baldigen Rückzug aus dem Tagesgeschäft ist dem sonst so zurückhaltenden BMW-Chef ins Gesicht geschrieben. Achteinhalb Jahre stand er den Bayerischen Motorenwerken vor. "In der ganzen Zeit war kein normales Jahr dabei", sagt er selbst. Die schwierigste Etappe kam mit der Finanzkrise 2007, als in Folge der Pleite der US-Bank Lehman Brothers der amerikanische Markt völlig zusammenbrach.

Schon vor der schweren Branchenkrise 2008 und 2009 begann Reithofer, BMW einen harten Sparkurs zu verordnen. Tausende Stellen wurden gestrichen, Milliarden Euro eingespart. Bei all der sonstigen Freundlichkeit eine harte Entscheidung, aber sie half BMW, alles glimpflich zu überstehen. Die Münchner schrieben unmittelbar nach der Krise wieder Milliardengewinne, während es Audi und Daimler deutlich schlechter ging.

Mit Grauen denkt Reithofer an 2011. Dem Jahr, in dem im japanischen Fukushima eine Tsunami-Welle ein Atomkraftwerk so schwer beschädigte, dass es zur Kernschmelze kam und das ganze Land über Monate in einen Ausnahmezustand versetzte. "Auf einen Schlag ist uns die komplette Zuliefererkette weggebrochen." Reithofer hat BMW erfolgreich durch all diese Probleme gesteuert. "Wir laufen momentan gut, aber man weiß nie was kommt", mahnt Reithofer.

BMW verkauft mehr Autos als Audi und Mercedes

Als er im September 2006 die BMW-Führung übernahm, notierte die Aktie bei rund 40 Euro, heute steht sie bei gut 112 Euro. Allein 2015 hat das Papier bereits um stolze 26 Prozent zugelegt. Würde er rückblickend etwas anders machen? Gab es Entscheidungen, die er heute bereut? "Da fällt mir spontan nichts ein", sagt Reithofer.

Der gebürtige Oberbayer hat BMW zur erfolgreichsten deutschen Premiumautomarke gemacht. Mit rund 1,8 Millionen verkauften Autos im Jahr 2014 hat BMW erneut Audi und Mercedes hinter sich gelassen. Die Ingolstädter konnten 1,74 Millionen Fahrzeuge absetzen, die Stuttgarter 1,65 Millionen Autos. Rechnet man bei BMW noch die Konzernmarken Mini und Rolls-Royce hinzu, kommen die Münchner auf 2,118 Millionen Fahrzeuge. Falsch war der Kurs des Managements sicher nicht: Es war der vierte Absatzrekord in Folge.

Reithofer blickt auf eine erfolgreiche Ära als Automanager zurück. Dabei galt er nie als Car-Guy, der mit dem sprichwörtlichen Benzin im Blut. Stattdessen genießt er in der Branche einen exzellenten Ruf als Produktionsexperte. In seine Zeit an der Spitze des Konzerns fallen einige Entscheidungen, die stark zum heutigen Erfolg von BMW beigetragen haben. Das SUV-Angebot wurde Stück für Stück ausgebaut und um auf den ersten Blick unlogische Zwitter-Modelle wie den X6 und dessen kleinen Bruder X4 ergänzt. Damit haben die Münchner Nischen geschaffen, die die Konkurrenz erst noch besetzen muss. BMW verkauft den X6 seit 2008, Mercedes bringt in diesem Jahr erst das GLE Coupé als Konkurrenten auf den Markt, einen Audi Q6 wird es wohl nicht vor 2018 geben.

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