SUV-Trend geht weiter: Das SUV-Dilemma der Autobauer

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Boom hält an: Das SUV-Dilemma der Autobauer

von Sebastian Schaal

SUV sind in Deutschland gefragter denn je. Doch der Boom stellt die Autobauer zunehmend vor Probleme, die CO2-Ziele einzuhalten. Die angekündigten Elektro-SUV werden nicht ausreichen, um hohe Strafzahlungen zu vermeiden.

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SUV-Boom stellt Autobauer vor Probleme.

SUVs verkaufen sich derzeit fast von selbst. Da macht auch der Mercedes GLC keine Ausnahme. Das schwäbische Mittelklasse-SUV ist seit gut 18 Monaten auf dem Markt, wer jetzt eines haben will, muss warten: Die Lieferzeit liegt bei rund einem Jahr. Früher ein No-Go bei einem Volumenmodell. Heute ganz normal, schließlich ist es ein SUV. Da wartet der Kunde gerne etwas länger.

Der Erfolg des GLC hat mit dazu beigetragen, dass Daimler am Dauer-Konkurrenten BMW vorbeigezogen ist. Die Münchner wollen mit der „größten Modell-Offensive aller Zeiten“, wie BMW-Chef Harald Krüger es ausdrückt, schnellstmöglich zurückschlagen. Im Zentrum des Gegenangriffs steht aber nicht der neue 5er, sondern andere Baureihen: Die neue Generation des GLC-Konkurrenten X3 kommt noch in diesem Jahr, zudem folgen 2018 das kleine Kompakt-SUV X2 und nochmals ein Jahr später der große X7 für den US-Markt – beides vollkommen neue Modelle.

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Und als das krisengebeutelte Volkswagen kurz nach Ostern einen üppigen operativen Ergebnis von 4,4 Milliarden Euro im ersten Quartal verkündete, lag das vor allem an einem Modell: dem Tiguan. Gerade in Europa verkauft sich das SUV blendend, in den USA soll bald die Langversion namens Allspace an den Start rollen. Zudem kommen das reine US-SUV Atlas und danach noch ein weiterer Geländewagen für den amerikanischen Markt. Auch in Europa soll der SUV-Boom weiter bedient werden: Der T-Roc, ein SUV auf Golf-Basis, hat die letzten Abnahmefahrten hinter sich und steht kurz vor der Premiere.

Der SUV-Trend in Zahlen

  • 2009

    Geländewagen: 244.792 Fahrzeuge

    Quelle: KBA

  • 2010

    Geländewagen: 295.254 Fahrzeuge

  • 2011

    Geländewagen: 360.105 Fahrzeuge

  • 2012

    Geländewagen: 461.244 Fahrzeuge

  • 2013

    Geländewagen: 218.068 Fahrzeuge
    SUV: 246.130 Fahrzeuge
    Gesamt: 464.198 Fahrzeuge

    Ab 2013 hat das KBA die Segmente neu eingeteilt und SUV gesondert gelistet

  • 2014

    Geländewagen: 232.230 Fahrzeuge
    SUV: 296.230 Fahrzeuge
    Gesamt: 528.460 Fahrzeuge

  • 2015

    Geländewagen: 259.325 Fahrzeuge
    SUV: 340.097 Fahrzeuge
    Gesamt: 599.422 Fahrzeuge

  • 2016

    Geländewagen: 289.465 Fahrzeuge
    SUV: 425.803 Fahrzeuge
    Gesamt: 715.268 Fahrzeuge

Die Liste ließe sich beliebig weiterführen. So wird zum Beispiel das erste Elektroauto von Audi ein SUV sein, zudem sind mit dem Q4 und Q8 zwei neue Offroader in unterschiedlichen Fahrzeugsegmenten angekündigt. Fast jedes zweite neue Pkw-Modell aus europäischer Produktion wird 2017 ein SUV sein. Insgesamt starten im laufenden Jahr 32 neue Baureihen, 14 davon sind SUV oder Geländewagen. Dazu zählen unter anderem der Citroën C3 Aircross, Opel Crossland X und Range Rover Velar. Zudem laufen die Bänder für Neuauflagen bekannter Modelle wie Porsche Cayenne, Volvo XC60 und VW Touareg an.

SUV sind gefragter als Stadtflitzer oder Öko-Autos

Die SUV-Flut der Hersteller kommt nicht von ungefähr. Die Offroader sind bei deutschen Autokäufern gefragter denn je, wie eine Umfrage der Online-Autohandelsplattform „Mobile.de“ vor wenigen Wochen ergab. Das Interesse an Öko-Autos hat hingegen leicht abgekommen. Bei der Erhebung mit rund 2.000 Teilnehmern nannten 15,7 Prozent, das ein Öko-Auto für sie am ehesten beim nächsten Autokauf in Frage käme. Damit rutschten Fahrzeuge mit umweltfreundlichen Antrieben im Vergleich zu einer Umfrage aus dem Jahr 2015 (16,0 Prozent) in der Beliebtheitsskala von Platz drei auf Platz vier.

Die SUV müssen sich zwar noch den Familienautos (23,5 Prozent) geschlagen geben, überholen mit 17,3 Prozent aber neben den Öko-Autos auch gleich die Stadtautos, die auf Rang drei kommen. Der Trend aber ist klar: Autos für Familien, die Großstadt und Umweltbewusste verlieren an Zustimmung, nur ein Segment legt zu: SUV.

Es gibt viele Gründe für die SUV. Meistens wird die bessere Übersicht wegen der erhöhten Sitzposition und das dadurch bequemere Ein- und Aussteigen als Gründe genannt. Für Rüdiger Hossiep ist das jedoch nur der „kleine, rationale Teil der Erklärung“. „Der Rest ist, wie fast immer beim Autokauf, irrational“, sagte der Wirtschaftspsychologe der Ruhr-Universität Bochum kürzlich der „Zeit“.

Man sitze erhaben und glaube, einen besseren Überblick und mehr Kontrolle zu haben. „Diese Sitzposition und auch das breitspurige, bullige Äußere vermitteln ein Gefühl von Stärke“, so Hossiep. „Man wähnt sich überlegen. Es geht also viel um Statusgefühl, ums Ego.“

Gegen diese emotionalen Gründe hat die Ökologie bei der Kaufentscheidung immer seltener eine Chance. Zwar beschwichtigt die Industrie, dass der Mehrverbrauch von SUV gegenüber konventionellen Limousinen und Kombis gesunken ist, doch ein Blick auf die CO2-Emissionen zeigt dennoch die Tragweite des Problems: Die CO2-Emissionen der in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge sinkt immer langsamer.

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