Bosch-Chef Denner: "Wir spielen ganz vorne mit"

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InterviewBosch-Chef Denner: "Wir spielen ganz vorne mit"

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Bosch-Chef Volkmar Denner hat keine Angst vor Google

von Jürgen Rees und Reinhold Böhmer

Der Bosch-Chef will acht Prozent Wachstum und Rendite schon in fünf Jahren erreichen und prognostiziert die große Ernüchterung beim selbstfahrenden Auto.

WirtschaftsWoche: Herr Denner, selbstfahrende Autos sind das große Thema der Autoindustrie. Google hatte mit seinen Fahrzeugen, die in den USA schon 700.000 Kilometer zurückgelegt haben, bisher die meisten Schlagzeilen. Haben Sie schon mal ein selbstfahrendes Auto ausprobiert?

Volkmar Denner: Selbstverständlich habe ich das getan. Ich bin bereits in verschiedensten Modellen mitgefahren, natürlich auch in den beiden Fahrzeugen, die Bosch über die Straßen schickt.

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Welches Auto hat Sie am meisten beeindruckt?

Mein Fazit lautet: Wir müssen uns mit unserem hochautomatisierten Fahrzeug vor keinem der Wettbewerber verstecken. Ich habe allerdings größten Respekt davor, wie viel Tempo das Thema aufgenommen hat, seitdem Google auch am automatisierten Fahren arbeitet.

Zur Person

  • Volkmar Denner

    Denner, 56, ist seit Juli 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch. Der promovierte Physiker arbeitet seit mehr als 25 Jahren bei dem Stuttgarter Autozulieferer und Elektrokonzern, wo er sich in der Motorsteuerung und Halbleitersparte einen Namen machte.

Fahrerloses Fahren braucht viel Software. Ihr Wettbewerber Continental hat sich deswegen angeblich mit Google zusammengetan. Will Bosch das Mammutprojekt alleine stemmen?

Wir sind Mitbegründer des Center for Automotive Research (CARS) an der amerikanischen Stanford University und dort sehr aktiv. Die Forscher in Stanford befassen sich seit Jahren mit Algorithmen. Das sind die erforderlichen Regeln und Prozeduren, nach denen Autos die Vielzahl an Informationen verarbeiten, die ihre Sensoren bei der Fahrt aufnehmen. Durch diese gemeinsame Forschung nutzen wir das gleiche Know-how, auf das auch Google bei seinem selbstfahrenden Auto setzt. Dieses Wissen haben nicht viele.

Das heißt, Sie brauchen niemanden?

Nicht ganz. Wir brauchen für selbstfahrende Autos beispielsweise hochauflösende Karten. Es wäre ein überproportionaler Aufwand, wenn Bosch diese selbst entwickeln würde. Dafür gibt es weltweit drei, vier Spezialisten. Spezialisierte Partnerunternehmen können also einen wichtigen Mehrwert erbringen.

Macht es Sie nervös, dass Ihr Wettbewerber mit Google zusammenarbeitet?

Überhaupt nicht...

...obwohl der Eindruck vorherrscht, Bosch sei beim selbstfahrenden Auto nicht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz?

Das täuscht. Wir sind in Deutschland der einzige Zulieferer, der ein automatisiertes Auto auf öffentlichen Straßen testet.

Vielleicht sind die deutschen Unternehmen ja insgesamt hintendran. Neben Google testet Nissan bereits acht Roboterautos auf Kaliforniens Straßen.

Nicht nur Nissan oder Google, sondern auch Bosch. Unser Fahrzeug ist schon seit Anfang des Jahres auf den Straßen von Palo Alto in Kalifornien unterwegs. Wir spielen da also ganz vorne mit. Andererseits prognostiziere ich Ihnen: Beim automatisierten Fahren wird bald eine ähnliche Ernüchterung einkehren wie bei der Elektromobilität. Es ist nicht entscheidend, wer von welchem Zeitpunkt an vollautomatisch fahren kann, sondern wer auf dem Weg dorthin Schritt für Schritt attraktive Assistenzsysteme in den Markt bringt. Das Geschäft ergibt sich also nicht allein aus dem Ziel, sondern aus dem Weg dorthin.

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