Bosch: "Man kann im Zuliefergeschäft gutes Geld verdienen"

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Bernd Bohr

von Hans-Jürgen Klesse

Der scheidende Bosch-Autospartenchef erwartet höhere Umsätze und Erträge, glaubt an das Elektroauto und prophezeit bis 2020 teilautomatisiertes Fahren.

WirtschaftsWoche: Herr Bohr, das Autozuliefergeschäft war jahrelang der Umsatzmotor für Bosch. Jetzt schwächelt die größte Sparte des Konzerns, das Wachstum hat sich von gut acht auf nur noch zwei Prozent abgeflacht. Was läuft schief?

Bohr: Zugegeben, wir hatten 2012 eine Wachstumsdelle, die Umsatzentwicklung lag unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre und auch unter unseren eigenen Ansprüchen...

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... auf gut Deutsch: Bei Bosch kriselt es im Autogeschäft.

Nein. Wir haben weder eine strukturelle Krise, noch haben wir Marktanteile verloren. Im Gegenteil, wir liegen sogar über dem Markt.

Aber Wachstumsdelle bleibt Wachstumsdelle.

Das muss man differenzieren. Wir haben unser Bremsengeschäft verkauft und zwei Joint-Ventures aufgelöst. Beides zusammen hat uns knapp 600 Millionen Euro Umsatz gekostet. Ohne diese Effekte hätten wir ein Umsatzwachstum von knapp vier Prozent erzielt...

...was immer noch deutlich unter Vorjahresniveau ist.

Das liegt an dem schwächelnden Pkw-Geschäft in Südeuropa und an der global rückläufigen Nutzfahrzeugproduktion. Allein die weltweite Fertigung von schweren Lkw ist 2012 um elf Prozent eingebrochen. Komponenten für Nutzfahrzeuge steuern aber ein Viertel zu unserem Umsatz mit Kraftfahrzeugtechnik bei. Diese und auch die in Südeuropa hergestellten Pkw sind überwiegend mit Dieselmotoren unterwegs. Da wir Weltmarktführer bei Dieseltechnologien sind, hat sich das bei uns ausgewirkt und zusätzlich rund zweieinhalb Prozentpunkte Wachstum gekostet.

Neue Strategie Wie Denner Bosch schneller machen will

Der Autozuliefer- und Elektronikkonzern Bosch hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Mit dem Ausstieg aus der Solarindustrie und einem Maßnahmenbündel zur Zukunftssicherung soll alles besser werden.

Unter Druck: Bosch-Chef Volkmar Denner, muss die Trümmer der Solar-Sparte wegräumen, den Konzern schneller machen und die Mitarbeiter neu motivieren. Quelle: REUTERS

Trotz jahrzehntelanger Versuche zu diversifizieren, ist Bosch weiterhin zu fast 60 Prozent vom Auto abhängig. Warum hat sich daran so wenig geändert?

Die Stärkung der beiden anderen Unternehmensbereiche Industrietechnik sowie Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik ist ein langfristiges Ziel. Sie müssen berücksichtigen, woher wir kommen. Noch vor ein einigen Jahren stammten 70 Prozent der Umsätze aus dem Autogeschäft. Heute liegen wir unter 60 Prozent. Unser Ziel bleibt weiterhin, Wachstumspotenziale in anderen Bereichen zu nutzen. Aber nicht zu Lasten der Kraftfahrzeugtechnik. Hier werden wir auch weiterhin jede Chance nutzen, wobei der Schwerpunkt eher auf organischem Wachstum liegen wird, weniger bei großen Akquisitionen.

Dennoch hat Continental Bosch als größten Autozulieferer der Welt abgelöst und auf den zweiten Platz verwiesen.

Wir respektieren Conti als starken Wettbewerber. Je nach Betrachtungsweise und Umsatzabgrenzung steht mal der eine, mal der andere vorn. Das nehmen wir sportlich. Richtig ist, dass wir nur in Teilbereichen im direkten Wettbewerb zueinander stehen. In unseren Kerngeschäftsfeldern sind wir in der Regel Weltmarktführer. Es ist uns gelungen, diese starke Position zum Beispiel im Bereich Benzin-Direkteinspritzung oder Dieseltechnik in den letzten zwei Jahren sogar noch weiter auszubauen. Im Grunde ist es doch eine erfreuliche Tatsache, dass zwei der weltweit führenden Automobilzulieferer in Deutschland zuhause sind. Das spricht für die Stärke des Automobil-Clusters hier im Land und für den Standort als Ganzes.

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